Westerstede - „Wie erschnüffeln die Hunde eine Leiche?“ und „Welchen Notendurchschnitt brauche ich?“, interessierte die Kinder bereits während der Begrüßung durch die Leiterin des Westersteder Polizeikommissariats Andrea Lamping. Eine bunt gemischte Gruppe aus knapp 50 Mädchen und Jungen erhielt einen Einblick in die Aufgabenbereiche der Polizei – denn es war nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wieder Zukunftstag. Nach zwei Jahren Pause konnten Fünft- bis Zehntklässler wieder den Berufsalltag teilnehmender Behörden und Unternehmen aufwirbeln.
Action bei der Polizei
„Diensthunde werden mithilfe von echtem Gewebematerial trainiert“, erfahren die Schülerinnen und Schüler. Ein Spitzenabitur ist für eine Polizeilaufbahn nicht obligatorisch, erklärt Polizeistudentin Isabell Schröder – sehr zur Erleichterung von Noah. „Früher wollte ich mal Astrophysiker werden, aber das ist zu viel Mathe“, erzählt der Zwölfjährige. Heute möchte er lieber zur Polizei. Warum die Polizei jedes Jahr aufs Neue ein gefragtes Ziel ist, wurde ersichtlich, als im Hintergrund die polizeilichen Einsatzmittel hervorgeholt wurden. Spätestens da rutschten die Kinder ungeduldig auf ihren Stühlen herum, denn neben dem Anprobieren der schweren Polizeiausrüstung, richtete sich der Blick begierig auf die Dienstwaffen – die Kinder wollten eindeutig Action. Jan und Elias möchten am liebsten direkt zum SEK, wissen aber, dass man vorher eine abgeschlossene Polizeiausbildung braucht. Auch Chantal, die in ihrer Freizeit geboxt und Selbstverteidigungskurse besucht hat, kann sich ihr Berufsleben als Polizistin vorstellen, „vielleicht aber auch beim Militär, das weiß ich noch nicht, aber ich finde die Disziplin spannend“. Für Therese steht fest, dass sie unbedingt Menschen helfen möchte, auch wenn es gefährlich werden kann. „Wenn ich muss, dann bin ich sehr mutig“, sagt die Elfjährige.
Ü-Ei unter Röntgengerät
45 weitere Kinder konnten im Klinikzentrum Westerstede in verschiedene medizinische Berufe reinschnuppern. Bei einer Führung durch die Abteilungen Physiotherapie, Zahnmedizin, Innere Medizin und Radiologie wurde den Schülerinnen und Schülern beispielsweise die Funktionsweise eines Röntgengeräts demonstriert: Dazu wurde ein Überraschungsei geröntgt, das seine einzelnen Schichten aus Verpackung, Schokolade und Spielzeug durch die Röntgenstrahlung preisgab. Im Ammerländer Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe erwarteten die Kinder verschiedene Stationen. „Warum schmeckt dieser Schwamm nach Zitrone?“, fragte eine Schülerin beim Testen der Mundpflegestäbchen. „Um den Speichelfluss anzuregen“ lautet die Antwort einer Auszubildenden. Ein besonderes Highlight war die Erste-Hilfe-Station, denn hier gab es hollywoodreife, künstlich erstellte Wunden zu sehen. Ziel war es, den Kindern zu zeigen wie man Wunden versorgt und verbindet. Amelie überlegt am Ende des Tages, ob ein Gesundheitsberuf etwas für sie sein könnte, „Menschen zu helfen, ist mir wichtig“. Benno und Jan hingegen sind sich sicher, dass sie zwar viel gesehen und gelernt haben, aber doch lieber YouTuber werden wollen. „Das ganze Stehen war voll anstrengend“, stöhnen die beiden, als sie sich zum Verschnaufen hinsetzen – bei der Arbeit in einem Gesundheitsberuf aber unvermeidbar.
Einmal Richter spielen
Auch beim Amtsgericht Westerstede gab es einiges zu erleben: Die Schüler durften bei einer echten Verhandlung der Jugendrichterin Jachmann dabei sein. Anschließend konnten die Kinder selbst einmal in die Rolle eines Richters oder Anwalts schlüpfen, um die Arbeit in der Justiz und beim Gericht besser zu verstehen. Zusätzlich gab es noch eine Rallye durch das gesamte Gerichtsgebäude.
Trotzdem scheinen die Polizei und das Krankenhaus bei den Kindern am beliebtesten zu sein. Vielen gehe es um den direkten Menschenkontakt und darum, anderen helfen zu wollen.
