Westerstede - Der Anteil der älteren Menschen in der Bevölkerung steigt – auch in Westerstede. „Fast 30 Prozent sind es aktuell“, weiß Heiko Ockenga. Er ist Vorsitzender des Seniorenbeirats, der sich im Herbst neu formiert hat. „Viele von ihnen können sich sehr gut noch selbst helfen. Aber durch die zunehmende Alterung gibt es eben immer mehr Ältere, die Unterstützung benötigen. Hier sind wir Anlaufstelle, wir kümmern uns“, betont Ockenga. Der Seniorenbeirat will Sprachrohr sein und einen kritischen Blick auf die aktuelle Situation in der Stadt und auf künftige Entwicklungen werfen.
Stolperfallen melden
Ein Beispiel sind die vielen Stolperfallen. Zwei Mal haben Bewohnerinnen und Bewohner des Evangelischen Altenheims in einem Korso auf Unebenheiten, zu hohe Bordsteinkanten, enge Durchlässe und andere Hindernisse hingewiesen. Und nicht nur Ältere, auch Eltern mit Kinderwagen haben hier Probleme. Mit Nachdruck hatte der Seniorenbeirat die wichtigsten Stolperfallen aufgelistet und über einen Antrag im Stadtrat auf die Beseitigung gedrängt – mit Erfolg. Fast alle wurden schon beseitigt.
„Damit ist unsere Stadt aber noch lange nicht barrierefrei“, moniert der Vorstand des Seniorenbeirats und hat in Zusammenarbeit mit dem Heimbeirat des Altenzentrums eine neue Aktion vorbereitet. Sie richtet sich an Rollatornutzer, Rollstuhlfahrer und E-Scooterfahrer sowie weitere gehbehinderte Menschen. Diese sollen Problemstellen melden. Auf dem Faltblatt findet sich ein Stadtplan, auf dem die kritischen Stellen markiert werden können. Die Liste kann im Altenzentrum oder in der Apothekervilla abgegeben werden.
Dass Senioren, aber auch Kinder sicher in der Stadt unterwegs sind, dafür setzt sich der Seniorenbeirat ein. Ob verstärktes Verkehrsaufkommen durch mehr Bebauung, eine Zunahme von E-Bikes, E-Rollern und Lastenrädern oder eine veränderte Verkehrsführung: „Da haben wir ein waches Auge drauf“, unterstreicht Ockenga, der zudem Mitglied im Heimbeirat des Altenzentrums ist.
Mehr Sitzbänke
Auch sonst war der Seniorenbeirat erfolgreich. Etliche Sitzbänke wurden aufgestellt, um nicht nur Älteren Ruhepausen zu ermöglichen. „Da ist nach wie vor noch Bedarf“, weiß Dieter Meinen. Der Landwirt vertritt den Außenbereich der Stadtgemeinde und kennt die Belange der Dörfer.
Um Themen wie Notfalldose, Notfallordner, Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht kümmert sich Dr. Wolfgang Krapp als Gesundheitsexperte des Vorstandteams. Der frühere niedergelassene Arzt kennt das Gesundheitswesen und sein Rat ist in der Corona-Pandemie gefragt.
Gesprächsrunde
Margaretha Harms-Abeln koordiniert mehrere Gruppen. „Senioren bleiben im Gespräch“ ist eine zwanglose Runde, die an jedem zweiten Dienstag im Monat um 14.30 Uhr in der Apothekervilla zusammenkommt. Auch Neulinge sind willkommen. Am 8. Februar steht ein Spielenachmittag auf dem Programm. Auch für „Wohnen im Alter“ und die Nesteldeckengruppe ist sie Ansprechpartnerin. Eine Herzensangelegenheit ist das Großelternprojekt. „Der Bedarf von Familien ist groß, deshalb suchen wir nach Leihomis oder -opis. Sie sollen Zeit mit den Kindern verbringen, aber keine Lücken stopfen und Betreuung übernehmen“, sagt Harms-Abeln (Auskünfte unter Tel. 0173/4575635).
Für eine generationsübergreifende Sichtweise hält der Seniorenbeirat Kontakt zum Kinder- und Jugendbeirat. An der Brakenhoffschule wurde kürzlich das Projekt Obstbaumwiese ins Leben gerufen. An alle Altersgruppen richtet sich der Mehrgenerationentag. Falls möglich, soll dieser im Herbst stattfinden.
Eine Sprechstunde bietet der Seniorenbeirat Westerstede immer montags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr in der Apothekervilla, Gaststraße 4, an. In dieser Zeit ist der Vorstand unter Tel. 04488/55711 erreichbar.
Der Beirat ist beratend in Ausschüssen des Stadtrats vertreten und kann so Einfluss auf Entscheidungen nehmen. Auch über den Kreisseniorenbeirat werden Anliegen weitergetragen.
