Westerstede/Bad Zwischenahn - Dank der Tafeln haben viele Menschen, bei denen das Geld knapp ist, Zugang zu günstigen Lebensmitteln. Was aber, wenn es mehr Menschen gibt, die auf diese Unterstützung angewiesen sind – und weniger Waren, die bei den Tafeln landen? Diese Situation entwickelt sich auch bei der Westersteder Tafel mit ihren Ausgabestellen in der Kreisstadt und in Rostrup gerade, wie der langjährige Vorsitzende Hans-Ulrich Plehn berichtet.
Hilfe für alle
„Geflüchtete aus der Ukraine sind auch für uns eine Herausforderung“, sagt er. Bei den jüngsten Ausgaben seien etwa zehn bis 15 Abholer dagewesen, die aus der Ukraine stammen. „Und natürlich helfen wir denen“, so Plehn.
Allerdings sei der Anstieg an Kunden im Ammerland auch nicht so sprunghaft wie in Großstädten. Es könnten sich die deutlichen Preissteigerungen in allen Bereichen so bemerkbar machen, dass mehr Menschen zur Tafel kommen oder diese häufiger besuchen müssen.
Unterstützung für die Westersteder Tafel gab es jetzt vom Discounter Lidl. Die Tafel hatte sich über den Dachverband Tafel Deutschland um Fördermittel beworben und hat 10 000 Euro erhalten, die zur Finanzierung des neuen Kühlfahrzeuges beitragen. „Mit dem neuen Wagen sind wir in der Lage, den Transport unserer Kühlware weiterhin optimal zu gewährleisten“, so der Tafel-Vorsitzende Hans-Ulrich Plehn.
Das Geld stammt aus Pfandspenden an den Leergutautomaten in den Lidl-Filialen. Bei der Rückgabe von Leergut können Kunden per Knopfdruck entscheiden, ob sie ihren Pfandbetrag ganz oder teilweise an die Tafeln spenden möchten. „Mit der Pfandspende können die Tafeln über die klassische Lebensmittelabgabe hinaus gezielt finanziell gefördert werden. Dass unsere Kunden dies in einem so großen Umfang unterstützen, ist für uns eine großartige Bestätigung unserer Zusammenarbeit“, erklärt Michael Seipelt, Beauftragter für Mitarbeiter und Soziales der Lidl-Regionalgesellschaft Cloppenburg.
Weniger Gemüse
Was aber alle Tafeln trifft, ist das Problem, dass Supermärkte und Discounter weniger Waren an die Tafeln abgeben. „Man sieht das, wenn man abends einkaufen geht, besonders beim Gemüse sind die Regale relativ leer, was noch da ist, wird mit Preisnachlass verkauft.“ Allerdings sei es zu Jahresbeginn durchaus üblich, dass es besonders beim Gemüse knapp wird.
Beim Obst sei das anders – Bananen und Mandarinen gibt es zum Beispiel so reichlich, dass die Tafel sie häufig ohne Mengenbegrenzung abgibt.
Teure Fahrten
Ein weiteres Problem sind – wie überall – die Spritpreise. 300 bis 350 Euro im Monat an Spritkosten fallen bisher bei der Westersteder Tafel an. „Jetzt werden es sicher mehr als 400 Euro sein“, so Plehn.
Die Freiwilligen Mitarbeiter der Tafeln fahren nicht nur zu den Supermärkten im Ammerland, um dort gespendete Lebensmittel abzuholen. „Wir nehmen auch weitere Wege in Kauf, um überhaupt Ware zu bekommen“, so Plehn. So gibt es einen Austausch mit den Tafeln in Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Was hier reichlich vorhanden ist, wird abgegeben, dafür bekommen die Westersteder Waren, die hier nicht gespendet werden. Der Austausch hilft allen, aber die weiten Wege treiben auch die Kosten nach oben.
Spielraum schaffen
Dass es einige Produkte in den Supermärkten aktuell gar nicht gibt – Mehl und Sonnenblumenöl zum Beispiel – ist für die Tafeln weniger ein Problem. „Wir sind ja kein gut sortierter Supermarkt oder Discounter. Bei uns gibt es einige Dinge sehr günstig – und das schafft bei den Kunden den Spielraum, um auch andere Dinge zu kaufen“, so Plehn.
