Wiefelstede - Ästhetische Stillleben treffen auf Malereien mit markanten Gebäuden aus Oldenburg: Die verschiedenen Kunststile von Dieter Hagen und Peter Kamm prägen die neue Ausstellung „Stille Art trifft Stadtlandschaften“ im Wiefelsteder Heimatmuseum. Die beiden Künstler hatten sich vor Jahrzehnten über die Malerei kennengelernt und sich eine gemeinsame Ausstellung zum Ziel gemacht. Die wird nun Realität: Eröffnet wird sie diesen Sonntag um 11 Uhr.
Stillleben
Seine Stillleben würden häufig Gegenstände zeigen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, sagt der Rasteder Dieter Hagen. Dabei formuliert der Künstler mit seinen stofflichen, symbolischen und ästhetischen Aspekten durchaus eine Gesellschaftskritik. Da ist etwa das knallrote Bobbycar aus Kunststoff, das zunächst etwas zusammenhangslos vor langen, grünen Maispflanzen parkt. „Parklandschaft Ammerland“ nennt Hagen dieses Bild. Er begreife diesen Titel als Wortspiel, sagt er. Er wolle auf die Auswirkungen des zunehmenden Maisanbaus in der Region und dessen Folgen – samt Flächen- und Wasserverbrauch – für kommende Generationen aufmerksam machen.
Doppeldeutigkeit und Wortwitz finden sich auch in seinen anderen Werken. Als Verweis auf die Lockdowns in der Corona-Pandemie zeigt ein Bild eine entgleiste Trieblokomotive, die offenbar von einer Brücke gekracht ist: „Lokdown“.
Aber nicht in jedem seiner Werke sei eine Gesellschaftskritik oder Deutung versteckt, sagt Hagen: „Ansonsten sind meine Stillleben auch dekorative Darstellungen in vielen Fällen.“ Ein Motiv, das sich auf vielen seiner Bilder wiederfindet, ist die für Stillleben typische Birne.
Zum Malen sei er als Autodidakt gekommen, sagt Hagen, der eigentlich gelernter Schlosser und Lokomotivführer ist. Schon während seiner Schulzeit habe er gerne gemalt. Später im Berufsleben habe er in einer Malgruppe mit der Landschaftsmalerei angefangen, sich dann aber schnell auf Stillleben als Kunstrichtung konzentriert.
Auch Peter Kamm hat mit der Landschaftsmalerei begonnen. Er ist ihr bis heute treu geblieben. Seit Anfang dieses Jahres konzentriert er sich bei seinen Werken allerdings auch auf städtische Motive aus Oldenburg – häufig aus der Vogelperspektive: „In jedem Bild ist ein ganz bestimmtes Gebäude zu sehen, das es nur in Oldenburg gibt“, sagt Kamm. Um das Bild für den Betrachter interessant zu gestalten, wandle er die Motive etwas ab, deute sie um und übertreibe Farben: „Ich verändere die ganze Situation, die ganze Stimmung – so wie ich sie empfinde.“ Da ist zum Beispiel ein Bild, dass die Oldenburger Wallstraße zeigt. Doch weil die bekannte Oldenburger Bar- und Kneipenmeile in der Pandemie meist menschenleer war, malt Kamm nur langgezogene und bedrohlich wirkende Schatten von Menschen auf dem Gehweg: „Die Schatten sind wie Skelette. Wie Knochen gehen die in den Himmel“, sagt der Künstler.
Dieter Hagen ist 1951 in Oldenburg geboren und im Landkreis Ammerland aufgewachsen. Er machte eine Lehre zum Schlosser und zum Lokomotivführer. 1974 begann er mit der Ölmalerei. Hagen beschreibt sich als nüchternen Romantiker, der seine Motive in direkter Anschauung wiedergibt und sie greifbar werden lässt. Häufig nimmt er bei seinen Motiven symbolischen Bezug auf gesellschaftliche und politische Aspekte.
Peter Kamm ist 1950 in Bockhorn geboren. Nach seiner Schulzeit war er zunächst als kaufmännischer Angestellter tätig. 1980 begann er mit der Landschaftsmalerei und widmete sich seitdem dem Kreis Ammerland als Motiv. Seit 2021 malt er seine Stadtlandschaften in Öl- und Acryltechnik. Er setzt die Stadt dabei aus verschiedenen Blickwinkeln und wechselnden Perspektiven mit einer neuen Farbigkeit malerisch in Szene.
Besonders fasziniert Kamm auch die Vielzahl an Baustilen, die sich in der Innenstadt von Oldenburg finden: „Ich stelle seelenlose, moderne Architektur dem klassischen, alten Oldenburg gegenüber.“ So habe er in seinem Bild „Kontraste“ sowohl neue Zweckbauten als auch historische Bauelemente vereint. „Oldenburg fasziniert mich von der Stadt. Es ist im Krieg nicht zerstört worden.“
Corona-Regeln
Die Organisatoren vom Heimatmuseums weisen darauf hin, dass bei der Eröffnung am Sonntag die 2G-Regelung gilt. Geimpfte und Genesene müssen ihre entsprechenden Nachweise mitbringen. In den Innenräumen und unter der Remise gilt die Maskenpflicht. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. „Der Verein freut sich über eine kleine Spende“, sagt Karina Nast, Pressesprecherin des Museumsvereins.
