Rastede - Wie viele kranke oder verletzte Tiere Klaus Meyer in seinem Leben schon gesund gepflegt hat, lässt sich kaum beziffern. Allein in diesem Jahr hat die Wildtierauffangstation in Rastede schon rund 2200 Tiere aufgenommen und wieder aufgepäppelt. Meyer leitet die Station und hat sie einst gegründet – als Jugendlicher im elterlichen Garten. Mehr als 50 Jahre ist das schon her. Doch selbst nach so langer Zeit erlebt Meyer, der inzwischen 64 Jahre alt ist, noch Überraschungen.
Erster Ziegenmelker
„Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal einen Ziegenmelker aufgenommen“, erzählt Meyer. Der dämmerungs- und nachtaktive Vogel, der auch als Nachtschwalbe bekannt ist, ist sehr selten. In Bayern ist er vom Aussterben bedroht, im Rest Deutschlands gehört er zu den gefährdeten Arten. „Der Ziegenmelker hatte einen Unfall, ist vermutlich irgendwo gegen geflogen“, schildert Meyer. Der Stationsleiter pflegte den seltenen Vogel mit dem großen Schnabel wieder gesund. „Nach Feierabend habe ich ihn mit nach Hause genommen und dort gefüttert“, berichtet der 64-Jährige.
Inzwischen konnte Meyer den Ziegenmelker wieder auswildern. Ein Foto dieses besonderen Patienten ziert aber nun den Monat September im neuen Jahreskalender der Wildtierauffangstation für 2024. Überwiegend besondere Tiere, die im Laufe des Jahres zur Pflege in der Station waren, finden sich in dem Kalender wieder. Wer ihn kauft, unterstützt damit die Arbeit der Einrichtung, die sich allein von Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert – und angesichts steigender Tieraufnahmezahlen und Kosten auch dringend auf Unterstützung angewiesen ist, betont Meyer. Bis Ende November hatte die Station bereits mehr Tiere aufgenommen als im gesamten Jahr 2022.
Besondere Patienten
Im Jahreskalender der Wildtierauffangstation beginnt das neue Jahr mit dem Foto einer Bartagame. Es folgen Königspython, Europäischer Kranich und im April ein diesjähriger Kuckuck.
Den Mai ziert die Europäische Sumpfschildkröte, den Juni ein Siebenschläfer. Auf dem Monatsblatt für den Juli ist ein diesjähriges Rotkehlchen abgedruckt, im August ist ein diesjähriger Wespenbussard zu sehen.
Auf den seltenen Ziegenmelker im September folgt im Oktober ein Weißschwanzbussard. Den Abschluss bilden ein diesjähriger Schwarzstorch im November und im Dezember ein Eichhörnchen. Die Fotos wurden vom Team der Wildtierauffangstation aufgenommen. Erst zum zweiten Mal pflegt Meyer einen Schwarzstorch in der Station. Schwer verletzt kam das Tier im August nach Rastede. „Der Schwarzstorch musste operiert werden, ihm fehlt ein Unterarm“, berichtet Meyer. Wie sich das Tier die Verletzung zugezogen hat, ist unklar. Gefunden wurde es allerdings nahe einer Windkraftanlage.
Meyer vermutet deshalb, dass der Schwarzstorch mit einem der Flügel kollidierte. Sollte sich ein passender Partner finden, würde der Leiter der Wildtierauffangstation den Schwarzstorch gerne für die Zucht nutzen. Ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt, weiß Meyer allerdings noch nicht. „Wir haben noch keinen DNA-Test machen lassen.“
250 Exemplare
Der Jahreskalender 2024 der Wildtierauffangstation ist erhältlich im Weinhaus Duddeck, in der Kleintierpraxis Rastede und im Elektrofachgeschäft Borchers sowie in Ofen in der Tierarztpraxis von Dr. Hartwig Wilken. Verkauft wird der Kalender zum Preis von zehn Euro je Exemplar. Er wurde in einer Auflage von 250 Exemplaren gedruckt.
