Rastede - Tief in die Geschichte des Hauses Oldenburg entführt die jüngste Inszenierung des Rasteder Theaters Orlando. Unter dem Titel „Elisabeth und Friedrich August – Eine verunglückte Ehe“ kam beim Oldenburger Kultursommer so manch unappetitliches Detail aus dem Familienleben des adligen Paares ans Licht. Auf der Bühne standen Sylvia Meining und Ulf Goerges sowie der Edewechter Thomas Kossendey, den viele im politischen Kontext als früheren Staatssekretär kennen.
Die Aufführungen waren so erfolgreich und die Nachfrage an dem heimatgeschichtlichen Thema war so groß, dass die szenische Lesung nun auch ins Winterprogramm des Rasteder Theaters aufgenommen worden ist und im Dezember und Januar im Palais gezeigt wird.
Besinnliche Erzählung
Aber auch besinnliches steht in diesem Winter auf dem Spielplan: die Erzählung „Eine Weihnachtserinnerung“ des amerikanischen Schriftstellers Truman Capote. „Es ist ein Hörerlebnis im beleuchteten und festlich geschmückten Palais“, berichtet Theaterleiterin Sylvia Meining von der feierlichen Atmosphäre.
Untermalt werde die Erzählung, die von großen Sehnsüchten und kleinen Wünschen handele, von eigens dafür komponierter Musik. Ein besonderes Erlebnis, das die Zuschauer bereits im vorigen Jahr in ihren Bann gezogen habe. Folgende Termine sind in diesem Jahr geplant: 25., 26. und 27. November sowie 2., 3., 4., 10., 11., 16., 17., 18. und 23. Dezember. Diese festliche Veranstaltung im historischen Palais sei wunderbar für kleine Gruppen und auch für Weihnachtsfeiern geeignet, empfiehlt die Schauspielerin.
Während Sylvia Meining und Ulf Goerges jedes Jahr auf der Bühne stehen, gehört Thomas Kossendey nur vorübergehend zum Ensemble. Und wie gefällt ihm das Rampenlicht? „Ich habe früher sehr intensiv im Schultheater mitgespielt und als Politiker ist man ja auch gewohnt, vor Leuten zu reden“, erklärt er lachend. Tatsächlich hat der Kleefelder das Drama um die verunglückte Ehe zwischen dem Großherzog Friedrich August und der Prinzessin Elisabeth Alexandrine zu Mecklenburg durch seine Nachforschungen ans Licht gebracht.
Im Archiv geforscht
Begonnen hatte alles 2009. Damals hatte die Oldenburgische Landschaft, dessen Vorsitzender Kossendey später wurde, die Tagebücher der Großherzogin über ihre Reise nach Konstantinopel herausgebracht. Um mehr zu erfahren, sah der Kleefelder die Unterlagen im Archiv des Auswärtigen Amtes durch. Die Schriftstücke des preußischen Gesandten weckten sein Interesse. Durch weitere Nachforschungen im Geheimen Preußischen Staatsarchiv und durch Aufzeichnungen der Tochter vervollständigte sich das Bild einer völlig zerrütteten Ehe, die auch die Politik und sogar den Kaiser beschäftigte. Zunächst hatte Kossendey aus seinen Erkenntnissen einen Vortrag zusammengestellt, bis der Stoff das Interesse der Theaterleute weckte: Was als arrangierte Hochzeit begann, wurde zum Rosenkrieg, garniert mit Ehebruch, Nötigung und Verleumdung.
Die historischen Fakten wurden von Ulf Goerges szenisch bearbeitet. Auf der Bühne schlüpfen er und Sylvia Meining in verschiedene Charaktere und kommentieren das Geschehen. Kossendey führt als Erzähler durch das Stück.
Verzweifelte Frau
Dabei entsteht auch das Bild einer verzweifelten Frau, die an den Zwängen ihrer Zeit fast zerbricht. „Für die Adelshäuser galten noch Hausgesetze und nicht das Bürgerliche Gesetzbuch“, stellt er klar. Und so habe Großherzog Friedrich August kurzerhand seiner Frau Geld und Sorgerecht für die Kinder entziehen können und sie in eine Nervenheilanstalt einweisen lassen.
Das spannende Geschichtsthema traf offensichtlich den Nerv des Publikums. Zu sehen ist das Stück mittwochs im Dezember sowie an den Januar-Wochenenden. „Aber viele Termine sind schon so gut wie ausverkauft“, freut sich Sylvia Meining.
Ergänzt werden sollen die Aufführungen auch noch durch verschiedene Vorträge. Kartenanfragen sind telefonisch möglich unter 04402/598820 sowie per E-Mail an info@theater-orlando.de.
