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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Abgefahrenes Jubiläum in Holtgast

08.04.2017

Holtgast Der Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmen lächelt. Mal wieder ein Reporter an seiner Bahnstrecke. Seit die NWZ im vergangenen Jahr mehrmals berichtet hatte, gehört der abgelegene Bahnübergang kurz vor der Grenze nach Ostfriesland zu den meistgefilmten Orten in der Gemeinde Apen.

Und mal abgesehen von wenigen Landwirten und der einzigen Familie, die jenseits des Übergangs wohnt, passiert hier eigentlich nichts. Der Sicherheitsmann bekommt über Funk einen Hinweis auf nahende Züge. Dann steigt er aus seinem Wagen aus, drückt einen Knopf, das rote Blicklicht springt an. Zur Kontrolle muss der Mann dann noch vor dem Übergang stehen, bis der Zug durch ist. So geht das seit einem Jahr. Rund um die Uhr im Schichtbetrieb. Auch an Feiertagen wie Heiligabend.

Gegen die Kälte im Winter und in der Nacht hilft ein Heizlüfter. Ein Dixi-Klo steht für dringende Bedürfnisse bereit. Handyspiele sind tabu. Sonnenbäder im nahenden Frühjahr machen auch keinen Spaß, die Schutzkleidung muss getragen werden. Und wenn ein Reporter für etwas Abwechslung sorgt, dann darf der Mann noch nicht einmal erzählen. Die Pressestelle in Hamburg ist zuständig.

Die allerdings ist auch eher wortkarg. Was hat die Sicherung des Übergangs in den vergangenen zwölf Monaten gekostet? Diese Frage lässt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis lieber unbeantwortet.

Die NWZ hatte bereits in der Vergangenheit Kosten von rund 20.000 Euro pro Monat hochgerechnet. Die Bahn hat dies nie dementiert. Seit April 2016 wäre somit eine Viertelmillion Euro zusammengekommen.

Wie geht es weiter? Gibt es schon Pläne für einen Neubau der Anlage? Meyer-Lovis sagt dazu: „Es gibt für uns zwei Möglichkeiten: Den Bahnübergang aufheben und eine Zuwegung zu dem nächsten Bahnübergang zu bauen. Hierfür muss Grund erworben werden. Derzeit wollen einige Grundstückseigner aber nicht verkaufen. Die andere Möglichkeit ist, die Technik zu erneuern.“

Viel weiter als im April 2016 ist man damit nicht. Immerhin besteht jetzt Klarheit, dass Landwirte kein Land verkaufen wollen, damit die Bahn eine Erschließungsstraße zum rund 700 Meter entfernten Nachbarübergang baut.

Und was sagt der Bürgermeister? Matthias Huber ist nicht begeistert von der Situation. „Wir sind der Bahn gern unterstützend und mit Ortskenntnis behilflich. Aber für die Instandhaltung ihrer Anlagen ist sie selbst verantwortlich.“

Wie geht es weiter? Da offenbar die Grundstückseigentümer die Flächen für eine Straße nicht verkaufen, bleibt nur ein Neubau der Signalanlage. Das dürfte etwa eine halbe Million Euro kosten. Bis dahin tickt aber der Gebührenzähler für die Sicherheitskräfte munter weiter. Dass der einsame Sicherheitsmann auch noch 2018 in Holtgast in seinem Auto sitzt, dagegen mag wohl niemand wetten.

kommentar

Das kostet

unser Geld

Die Bahn ist ein Staatsunternehmen. Somit gehört sie uns allen. Deshalb ist es auch unser Geld, was dort in Holtgast verpulvert wurde – und noch weiter verpulvert wird.

Man stelle sich nur mal ein Unternehmen vor, bei dem eine wichtige Sicherheitseinrichtung nicht funktioniert. Die wäre vermutlich seit Monaten repariert.

Bei der Bahn aber mahlen die Mühlen länger. Warum eigentlich? Das mit Vorschriften von Annodunnemal zu begründen, macht die Sache nur noch schlimmer. Die Bahn muss ihre Abläufe straffen, und der Gesetzgeber dafür gegebenenfalls die notwendigen Weichen stellen. Es darf nicht sein, dass Planungs- und Bauphasen von simplen Bahnübergängen Jahre dauern.

Je länger die Posse von Holtgast dauert, desto mehr blamiert sich das selbsternannte „Unternehmen Zukunft“.

Den Autor erreichen Sie unter
Jasper Rittner
Redaktionsleitung
Redaktion Westerstede/Oldenburg
Tel:
04488 9988 2601