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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

So wehren sich Buchhändler der Region gegen Amazons Übermacht

08.01.2018

Ammerland Oltmann Schliep ist pessimistisch. „Schon jetzt stehen Läden in Westerstede leer und in zehn Jahren werden es noch wesentlich mehr sein“, ist sich der Inhaber der Westersteder Buchhandlung „Lesezeichen“ sicher.

Die Innenstädte würden veröden, wenn man nicht neue Ideen entwickeln würde, wie sie belebt werden können. Der Buchhandel sei dabei jedoch nicht das Problem, da es ja die Buchpreisbindung gäbe und jedes neue Buch in Deutschland gleich viel koste.

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König Kunde ist gefordert

Es ist so einfach – ein paar Klicks und schon ist die Ware bestellt. Der Handel im Netz boomt und der Internetriese Amazon ist bei vielen erste Wahl. Doch der Preis ist hoch: Die Zeiten für den klassischen Einzelhandel – nicht nur in der Buchbranche – sind alles andere als rosig.

Wollen wir das? Wollen wir eines Tages in einem Land leben, wo nur Konzerne noch Waren anbieten und Preise diktieren? Strukturwandel hin, Strukturwandel her. Sicherlich müssen klassische Einzelhändler nach Möglichkeiten und Nischen suchen, Kunden zu binden.

Doch auch König Kunde ist gefordert. Er hat die Macht. Deshalb ist bewusstes Einkaufen gefragt. Nicht nur bei den Großen bestellen, sondern (auch im Netz) schauen, was die Händler vor Ort zu bieten haben. Dann wäre vieles gewonnen.

Die Autorin erreichen Sie unter

Viel schlimmer sähe es noch in anderen Branchen (z.B. Verkauf von Kameras oder Schuhen) aus. „Wir befinden uns in einem großen Strukturwandel, das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich durch das Internet und vor allem durch Onlinekonzerne völlig verändert. Internetriesen wie Amazon bedrohen nicht nur den unabhängigen Buchhandel, sondern den gesamten klassischen Einzelhandel, und sie zerstören ihn vielerorts sogar. Es gibt ja kaum eine Ware, die solche Onlinehändler nicht anbieten,“ so der 63-Jährige.

„Bei uns hat der Internetriese bereits einen Arbeitsplatz gekostet, wir sind jetzt statt mit fünf nur noch mit vier hauptamtlichen Mitarbeitern im Einsatz und darüber hinaus haben wir auch montags geschlossen.“

Natürlich bietet die Buchhandlung „Lesezeichen“ ihren Kunden die Möglichkeit, über die eigene Internetseite online Bücher zu bestellen. Das werde auch gut genutzt, sagt Schliep. Dennoch würden viele mit dem Einkauf im Netz nicht die Namen ihrer örtlichen Betriebe verbinden, sondern den des US-Onlinehändlers Amazon.

Dabei böte der klassische Buchhandel und der klassische Einzelhandel auch im Ammerland etwas, was Internetriesen wie Amazon nicht leisten könnten: persönliche Beratung, Service und kein langes Warten auf Paketsendungen. Wenn man in der Buchhandlung (im Laden oder online) etwas bestelle, könne man das in den meisten Fällen am nächsten Tag abholen.

Im übrigen zahlten heimische Betriebe für eine funktionierende Infrastruktur (Straßen, Schulen, Kitas etc.) Steuern. Das Unternehmen Amazon, das inzwischen eigene Autoren an sich bindet und deren Bücher vermarktet und in den USA jetzt auch eigene Buchhandlungen eröffnet, hat seinen europäischen Hauptfirmensitz in Luxemburg und zahlt dort vergleichsweise niedrige Abgaben.

„Wir benötigen ein ganz anderes, bewussteres Einkaufsverhalten, durch das vor allem die heimischen gestützt werden müssten, so Schliep. Gerade von Lehrern wünscht er sich, dass sie eine Lanze für den örtlichen Han­­del brechen würden.

Die persönliche Beratung sieht auch Buchhändler Eckhard Haase (63) aus Edewecht als entscheidenden Vorteil des heimischen Buchhandels gegenüber Amazon an. Er habe zahlreiche Kunden, die sich von den Amazon-Buchbesprechungen inspirieren ließen, bei ihm die Bücher bestellten und diese kurzfristig erhielten. Entweder ins Geschäft oder zum Kunden nach Hause würde die Ware geliefert. Neben ihm arbeiteten noch zwei hauptamtlichen Mitarbeiter im Betrieb.

Bei Neubüchern könne Amazon wegen der Buchpreisbindung nicht punkten. Doch der Internetriese vermarkte sehr viele gebrauchte Bücher und biete bei frei verkäuflichen Waren Preise zum Teil unter dem Einkaufspreis an. Mit Autorenlesungen in seiner Buchhandlung, seinem Engagement bei Vorlesewettbewerben, Büchertischen bei Veranstaltungen und vielen Aktionen zum „Tag des Buches“ im April versucht Haase, für den Kauf von Büchern vor Ort zu werben. „Die klassische Buchhandlung als Geschäft ist nicht tot“, ist er sich sicher.

„Für uns ist Amazon zweifellos eine Konkurrenz“, sagt Margit Tiemann. Vor 32 Jahren gründete sie in Rastede die Buchhandlung Tiemann. Noch heute führt die 76-Jährige die Geschäfte mit ihrem Mann Jochen. „Wir haben am Umsatz schon gemerkt, dass es Amazon gibt.“

was meinen Sie?

Bestellen Sie bei Internetriesen oder im heimischen Buchhandel? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Schreiben Sie uns an „red.westerstede@nwzmedien.de“.

Um eine Chance gegen den Internetriesen zu haben, setzen auch die Tiemanns auf guten Service. Dazu gehöre vor allem eine aufwendige und intensive Beratung. Und natürlich können Bücher, die nicht im Laden vorrätig sind, bestellt werden und seien in der Regel am nächsten Tag da.

Punkten will die Buchhandlung Tiemann auch mit dem „Buchtipp des Monats“. Dabei empfehlen die Mitarbeiter jeden Monat ein neues Buch, das im Laden auffällig präsentiert wird. „Es gibt Stammkunden, die kaufen den Tipp des Monats grundsätzlich“, so Margit Tiemann.

Andere würden sich erst im Internet informieren und das Buch im Laden kaufen, so die 76-Jährige, die damit ähnliche Erfahrungen macht wie ihr Edewechter Kollege Haase: „Auf dem Land wissen die Leute, dass die kleinen Läden verschwinden, wenn sie dort nicht einkaufen.“

Ganz wollen die Tiemanns aus Rastede dem Internetkonkurrenten das Feld des Online-Handels aber nicht überlassen. Einen eigenen gut genutzten Shop im Internet haben auch sie.

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