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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Bei Schinken sind Zutaten nicht Wurst

05.07.2018

Apen „Wissen Sie eigentlich, was heute für ein Tag ist?“ begrüßt mich Arnd Müller, Inhaber des „Schinkeneums“. „Am 4. Juli 1748 ließ mein Ur-Ur-Ur-Opa hier in Apen unser Rauch- und Reifehaus bauen, seit 270 Jahren wird hier Handwerkstradition gepflegt.“

Handwerkstradition – dieser Begriff beinhaltet für Arnd Müller, einem gelernten Metzger, weit mehr als handwerkliches Knowhow. Handwerkstradition heißt für ihn Passion, Leidenschaft und hohe Qualität: Als „Praliné in Deftig“ bezeichnet er das, was im Rauch- und Reifehaus in langen Prozessen entsteht: Denn Müllers Schinken reifen lange – meistens um die zwei Jahre, manchmal sogar bis zu vier Jahren. Und das hat seinen Preis: Ein Kilo Schinken kostet bis zu 300 Euro.

Geschichten unter’m Schinkenhimmel

Das Schinkeneum an der Hauptstraße 212 in Apen ist zwischen April und September jeweils mittwochs bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Führungen werden oft zur vollen Stunde angeboten. Nach Rücksprache unter Telefon   0 44 89/65 01 oder per Mail unter „kontakt@schinkenmuseum.de“ sind auch zu anderen Zeiten Führungen möglich. Die Kosten inklusive kleine Kostprobe eines Aper Schinkens betragen pro Person 6 Euro.

Darüber hinaus bietet Arnd Müller auch Themenführungen an. „Schall & Rauch“ – Die komplette Überlegungsstrategie für Dies- und Jenseits: In drei 250-Jahresschritten auf hundert Metern das ganze Hoffen und Gruseln vergangener Zeiten“ heißt eine Führung für Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und vierzehn Jahren wird das Museumserlebnis „Mit Speck fängt man Mäuse“ angeboten.

„Dann sind sie ein Genuss, ein Genuss der Extraklasse“, sagt Müller. Exzellentes Schweinefleisch ist die Grundlage dessen, was der Aper produziert. Er kauft nur von Hobbyzüchtern das Fleisch Bunter Bentheimer, einer alten, vom Aussterben bedrohten Schweinerasse. Anders als die Tiere in Großmastbetrieben, die in sieben Monaten eingepfercht ihr Schlachtgewicht von 100 bis 110 Kilogramm erreichten, würden die Bentheimer, bevor sie mit rund 115 bis 300 Kilo geschlachtet würden, zwischen einem und drei Jahren alt. Sie hätten ein glücklicheres Schweineleben mit viel Auslauf und abwechslungsreichem Nahrungsangebot hinter sich. „Um hervorragenden Schinken nach alter Schule produzieren zu können, müssen die Schweine langsam wachsen. Nur so entstehen auch große Keulen, die ich veredeln kann“, sagt Müller.

Zunächst werden die Keulen mit dem Salz der Saline Luisenhall Göttingen gesalzen. Dann würden die Schinken geräuchert, später reiften sie weiter in weißen Stoffbeuteln, die vor Fliegen schützten. „Jeder Schinken ist ein Unikat und jeder braucht Aufmerksamkeit und eigene Pflege“, so Müller, der seine Schinken mit guten Weinen vergleicht. Guten Schinken sollte man auf keinen Fall in Folie und im Kühlschrank aufbewahren, sondern in Pergamentpapier bei Zimmertemperatur, so der Experte.

Im Sommer besuchen viele das „Schinkeneum“, und das genießt Müller, der seit 25 Jahren den elterlichen Betrieb leitet. Der 56-Jährige mag es eh am liebsten, wenn Menschen seinen Schinken vor Ort kaufen. Von einem Online-Shop hält er nichts. „Wer sich für einen Schinken dieser Qualität interessiert, will auch die Schinkenherstellung alter Schule erleben“, weiß er.

Derzeit hat sich Müller nicht nur um Besuchergruppen zu kümmern, sondern auch um ein anderes Projekt: Die Fassade des denkmalgeschützten „Schinkeneums“ wird saniert. „Bürgermeister Matthias Huber hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Gemeinde ins Dorferneuerungsprogramm Dorfregion Apen aufgenommen worden ist“, berichtet Müller. „Über dieses Programm kann man finanzielle Unterstützung für die Sanierung von ortsbildprägenden Gebäuden bekommen, und zwar 30 Prozent der Investitionssumme. Auch wenn ich 30 Prozent der Investitionskosten von 23 300 Euro hätte erstattet bekommen, hätte ich das Ganze nicht finanzieren können. Das Schinkeneum ist ja – wie das Finanzamt anerkannt hat – Liebhaberei, von der man nicht leben kann.“

Huber habe sich um weitere Zuschüsse bemüht. „Das Sanierungsprojekt wird auch durch die Sparkassen-Stiftung und die Stiftung der LzO Zuschüsse gefördert“, sagt der Bürgermeister. „So erhält dieser geschichtsträchtige Gebäudekomplex im Ortskern wieder eine ansehnliche Fassade.“

Doris Grove-Mittwede
Redakteurin
Redaktion Westerstede
Tel:
04488 9988 2605

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