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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Surfen auf Kurzwelle rund um die Welt

26.01.2019

Bad Zwischenahn Sein Herz schlägt für die Technik, was nicht verwundert, schließlich hat DK8HE Elektriker und Elektroniker gelernt. DK8HE, das ist Klaus Kappert, Rentner und Amateurfunker. Die kryptische Zahlen-Buchstaben-Kombination ist sein Rufzeichen. Mit ihm muss sich Kappert identifizieren, wann immer er auf den Funkfrequenzen dieser Welt mit anderen Funkern in Kontakt tritt.

Im Jahr 1969 ist der Rostruper der Faszination des Amateurfunks erlegen: „Mich hat gereizt, dass man mit einfachsten Mitteln mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten kann“, schwärmt er von seinem Hobby. Japan, Russland, Hongkong, Argentinien, Kuba, Kolumbien, Kanada, Chile, USA – die Liste der Länder, in denen er schon Kontakte über die Kurzwelle herstellen konnte, ließe sich weiter fortsetzen. „Nur Australien, Neuseeland und Teile Afrikas kriege ich irgendwie nicht.“

Im Dachgeschoss hat sich Klaus Kappert einen kleinen Raum mit Werkstatt eingerichtet, in dem er seine ganze Technik verbaut hat. „Den Kram, den ich brauche, könnte ich auch billig in China bestellen, dann hätte ich aber Geräte, die überall Störungen verursachen“, erklärt der 73-Jährige. Das wäre nicht gut, denn der Funkverkehr wird von der B-Netz-Agentur überwacht. „Meldet einer aus der Nachbarschaft Störungen bei der Bundesnetzagentur, kommen die raus und messen.“

Ammerland India01

Der Verein Ammerland I01 hat 50 Mitglieder und sucht zurzeit eine neue Bleibe für seine Monatstreffen.

Er gehört dem Deutschen Amateur Radio Club (DARC) an.

Ein Vorbereitungskursus zur Erlangung der Amateurfunkklasse E findet ab 3. Februar sonntags von 9 bis 13 Uhr in den Clubräumen des Ortsverbands in Westerstede statt. Dauer: 5 - 6 Monate. Gebühr ohne Prüfungsgebühr: 150 Euro. Hier geht es zum Online-Anmeldeformular. Auskünfte unter Telefon 0175 5145599 oder per E-Mail an dc0mk@darc.de

Verbindungen sammeln

Eines nämlich ist wichtig zu wissen: Die Gerätschaften, nicht nur die aus China, sind zwar frei verkäuflich, dürfen aber nicht betrieben werden, solange der Besitzer keine Lizenz und somit kein Rufzeichen hat. Und: Wer eine Antenne betreibt, muss zusätzlich eine Standortmeldung mit Angaben zur Antennenanlage machen.

Wenn Klaus Kappert über Funktechnik spricht, klingt das manchmal wie eine fremde Sprache. Was aber stets mitklingt, ist seine Begeisterung. „Schon 1969 habe ich meinen ersten OV2 gebaut“, erzählt der Zwischenahner. Einen was? „Oh, das ist ein Kurzwellen-Empfangsgerät mit Röhre“, erklärt er, „mit das Einfachste, was man so bauen kann.“ – Vorausgesetzt, man hat schon mal was von Elektrik gehört.

Weltweit gibt es rund drei Millionen Amateurfunker – 67.000 davon in Deutschland. Amateurfunk, das ist ein gesetzlich geregelter Funkdienst, für dessen Teilnahme eine offizielle Sendegenehmigung und theoretisches Basiswissen in Physik und Geophysik erforderlich sind. Keinesfalls aber darf man den Amateurfunk mit dem gängigen CB-Funk verwechseln. Denn: Unterhalten dürfen sich Amateurfunker eigentlich nur über drei Dinge: das Wetter (es beeinflusst den Funk), das Funken selbst und die Technik, die sie verwenden.

„Über diese Themen werden aber durchaus schon malzweistündige Diskussionen geführt“, erklärt der Zwischenahner, der sein Hobby betreibt wie andere das Briefmarkensammeln. Denn der gebürtige Essener sammelt Verbindungen. „1.000 Verbindungen mit einer bestimmten Funkgemeinschaft zum Beispiel“, zählt er auf, „oder möglichst viele Verbindungen mit Inseln weltweit“. Die Varianten des Sammelns sind schier endlos.

2012 konnte man sogar die olympische Fackel per Funk von Athen nach London begleiten, indem man Amateurfunker an den jeweiligen Stationen des Feuers kontaktierte. „Follow the Torch“ – „Folge der Fackel“, hieß die Aktion. Dutzende Diplome hat der ehemalige Lehrer in Kommunikation und Rechnungswesen inzwischen zusammengetragen. Sie sind der Lohn fürs unermüdliches Funken.

Erdkrümmung ist Grenze

Und wozu das alles? „Der Sinn liegt in sich selbst“, sagt Klaus Kappert amüsiert. Heißt: Es macht ihm einfach Spaß. Ihm ist bewusst, dass nicht jeder das nachvollziehen kann. Er selbst nutzt seine Anlage manchmal extensiv, 400 Mal pro Monat, dann wieder nur zwei- bis dreimal am Tag. Dabei ist ihm immer das Verständnis für die Technik wichtig. Er kennt sich aus mit Funkwellen, die über den Boden kriechen – die ganz tiefen – und anderen Wellen, die sogar von Flugzeugen reflektiert werden können, um die Reichweite zu steigern. „Denn bei bestimmten Funkwellen ist die Erdkrümmung die Grenze“, weiß er, „und die liegt bei wenigen Hundert Kilometern“. Da hilft sonst nur noch eine längere Antenne.

Lebensretter

Der Amateurfunk ist aber nicht nur ein Spaß für Technik-Freaks – er kann sogar Leben retten. Offizielle Stellen (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, BOS) können in Katastrophenfällen Funkhilfe bei den Amateurfunkern beantragen – dem sogenannten Notfunk. Bei der Elbflut 1962 kam er zum Einsatz. Er half bei der Rettung einer Jugend-Fußballmannschaft, die 2018 in der Tham-Luang-Nang-Non-Höhle in Thailand gefangen waren, und auch beim Supertaifun Haiyan, der 2013 über den Philippinen tobte.

Für Klaus Kappert ist er eine faszinierende Welt, dieser Amateurfunk. Der Amateurfunk-Verein Ammerland India 01 (I01), dem Kappert angehört, würde diese Faszination gerne weitergeben. Wer interessiert ist, kann sich mit dem Verein in Verbindung setzen (Daten siehe Infokasten).

Ach ja, Astronaut Alexander Gerst ist auch Amateurfunker. Rufzeichen: KF5ONO.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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