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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Einer zahlt doppelt – und ein Bedürftiger zahlt nichts

18.12.2018

Bad Zwischenahn Christina Ferdinand bezahlte am Montag im Cafe Mare an der Peterstraße in Bad Zwischenahn – den ersten „aufgeschobenen Kaffee“ im Kurort. Die 34-jährige Veranstaltungsplanerin zahlte diesen Kaffee nicht für sich selbst, sondern für einen fremden Menschen. Sie weiß nicht, wer ihn trinken wird oder wann er getrunken wird. Sie weiß nur: Diese Person könnte sich selbst keinen Kaffee leisten. Er oder sie fragt einfach nach einem aufgeschobenen Kaffee und muss nichts weiter erklären.

Ferdinand hat den aufgeschobenen Kaffee aber nicht nur bezahlt, sie hat auch die Idee nach Bad Zwischenahn geholt. „Ich hatte das Prinzip auf Facebook gesehen“, sagt die 34-Jährige. „Man trinkt einen Kaffee, bezahlt aber zwei. In Großstädten ist das Prinzip schon recht bekannt. Es gibt aber auch in Bad Zwischenahn Obdachlose oder Menschen mit wenig Geld, sie werden nur viel weniger wahrgenommen“, sagt sie.

Idee aus Italien

Die Idee für den aufgeschobenen Kaffee entstand angeblich um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert in Italien. Seit einigen Jahren verbreitet sie sich in ganz Europa und auch in Deutschland. Mehrere Initiativen werben um Gastronomiebetriebe und Spender und veröffentlichen Listen mit teilnehmenden Cafés.

    suspendedcoffee.de

    aufgeschobener-kaffee.de

„Man kann schnell vor dem Nichts stehen“

Bei Café-Betreiberin Heidi Bandy stieß Ferdinand mit ihrem Plan sofort auf offene Ohren. „Ich habe selbst in meinem Umfeld schon mehrfach gesehen, wie schnell Menschen vor dem Nichts stehen können“, sagt Bandy. Wie vielen Menschen es so geht, sieht die Café-Betreiberin immer dann, wenn direkt nebenan die Suppenküche geöffnet ist.

„Es geht nicht nur um den heißen Kaffee oder darum sich hier aufwärmen zu können“, sagt Ferdinand. „Die Menschen fühlen sich ausgegrenzt“, sagt sie. Wer wenig Geld hat oder obdachlos ist, werde schnell in Schubladen gesteckt. Christina Ferdinand hat selbst Ausgrenzung erlebt und hofft, das Schubladendenken mit der Aktion etwas aufbrechen zu können. Darauf setzt auch Bandy. „Vielleicht entstehen bei so einer Gelegenheit auch mal neue Kontakte und jemand in einer schwierigen Situation findet einen neuen Job“, hofft sie.

Nach einem aufgeschobenen Kaffee zu fragen koste vielleicht etwas Überwindung, gibt Christina Ferdinand zu. „Aber so wie ich hier mit der Idee aufgenommen worden bin, ist das sicher kein großes Problem“, sagt sie.

Minusgeschäft ist ausgeschlossen

Allerdings war sie bisher nur bei Heidi Bandy so erfolgreich. „Ich habe in vielen Betrieben gefragt, einige haben zumindest Interesse“, sagt sie. „Manche Betreiber haben Angst, dass das ein Minus-Geschäft wird.“ Das sei aber eigentlich ausgeschlossen, denn ausgegeben werden die „aufgeschobenen Kaffees“ nur, wenn sie zuvor jemand bezahlt hat. Eine Strichliste sorgt dafür, dass alle Mitarbeiter immer wissen, ob ein Kaffee da ist. Fürs erste ist das im Cafe Mare schon gesichert: Zehn Striche hat Bandy selbst auf die Liste gemacht.

Christina Ferdinand hofft jetzt, dass sich weitere Betriebe anschließen. Wer Informationen dazu haben möchte, erreicht sie unter Telefon  04403/ 6 25 43 58.

Christian Quapp
Redakteur
Redaktion Bad Zwischenahn
Tel:
04403 9988 2630

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