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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Blaualgen haben langen Atem

18.08.2018

Bad Zwischenahn Wie sehr das Thema Blaualgen die Menschen in Bad Zwischenahn beschäftigt, zeigte nicht nur die Zahl der Zuhörer beim Experteninterview der NWZ zur Zwischenahner Woche am Freitag. Auch die Zahl derer, die sich mit Fragen, Erfahrungsberichten oder eigenen Lösungsansätzen einbringen wollten war hoch. Das mache durchaus Mut, fand Lars Reckermann, Chefredakteur der NWZ und Moderator des Nachmittags: „Wenn es Ihnen egal wäre, was mit dem Meer passiert, wären sie jetzt nicht hier“, sagte er nach rund einer Stunde an die Gäste auf der Terrasse der Wandelhalle gerichtet.

Zuvor hatte Reckermann Anne Rickmeyer, Chefin des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und ihren Kollegen Hans-Heinrich Schuster, Leiter des Seen-Kompetenzzentrums in Sulingen mit Fragen gelöchert. Einen Auszug der Fragen, Antworten und Diskussionsbeiträge gibt die NWZ hier wieder.

Was sind Blaualgen?

Blaualgen sind eigentlich keine Algen, sondern gehören zu den Cyanobakterien, so Schuster. Allerdings bilden sie Chlorophyll und wirken deshalb meist grün. Erst wenn sie auftreiben und absterben, tritt ein blauer oder eher türkiser Farbstoff auf. Die Blaualgen gibt es auf der Erde seit 3,5 Milliarden Jahren. „Das heißt auch, die haben verdammt gute Strategien zu überleben“, so Schuster

Wie gefährlich sind sie ?

Auch wenn Warnungen meist nur für ältere Menschen und Kinder gelten, er würde nur ungern in einem Gewässer mit Blaualgen schwimmen, gab Reckermann zu. Schuster darauf: „Ich komme direkt vom Steinhuder Meer da gibt es auch Blaualgen und ich habe immer da geschwommen.“ Die Blaualgen enthielten durchaus Giftstoffe. Die seien problematisch für Kinder, die ein geringes Körpergewicht haben. „Der erwachsene Schwimmer hat größere Chancen im Meer zu ertrinken, als das er er ein Problem mit Blaualgen bekommt“, so Schuster.

Wie entstehen Blaualgen?

Entscheidend ist der Nährstoff Phosphor und von dem gibt es im Zwischenahner Meer mehr als genug für die Algen. Der Stoff kommt aus verschiedenen Quellen, ein großer Teil aus landwirtschaftlich genutzten Böden. Auch Regenwasser aus Siedlungsgebieten schwemmt den Nährstoff in den See.

Ist das zu verhindern ?

Selbst wenn man die Landwirtschaft im Einzugsgebiet des Sees sofort komplett einstellen würde, was nicht möglich wäre hätte das keinen unmittelbaren Effekt, so Schuster. Es gebe allerdings Möglichkeiten die Phosphormengen zu reduzieren, die in den See gelangen. „Dann werden die Blaualgen es irgendwann schwieriger haben, sich wohlzufühlen.“

Wie geht das?

Es müssten viele Maßnahmen gebündelt werden. Die Landwirtschaft könne über bessere Beratung bis zu 30 Prozent Phosphor einsparen. Das sei ohne Ertragseinbußen möglich, so Schuster. Allerdings sei der Überschuss an Gülle in der Region ein Problem, hier sei Handlungsbedarf. Die zweite größere Maßnahme könne, ähnlich wie beim Dümmer See die Anlage von Schilfpoldern sein, künstliche Feuchtgebiete, die Phosphor binden können.

Jeder Einzelne im Umland könne ebenfalls im kleinen Maßstab beitragen. Regenwasser zu sammeln, anstatt es in die Kanalisation fließen zu lassen und den eigenen Rasen nicht zu überdüngen helfe schon ein wenig. Eine Regeneration des Schilfgürtels am Ufer sei zwar wünschenswert, hätte aber keinen großen Einfluss.

Was kostet das?

Konkrete Zahlen gab es nicht, zweistellige Millionenbeträge wie sie in der Dümmer-Sanierung nötig waren, würde es auch am Zwischenahner Meer brauchen.

Das Land Niedersachsen hat zehn Millionen Euro in einem Förderprogramm bereitgestellt, um die Qualität von großen Seen in Niedersachsen zu verbessern, so Anne Rickmeyer. Aus diesem Programm wurde auch die Machbarkeitsstudie der Ammerländer Wasseracht zur Sanierung des Zwischenahner Meeres finanziert. Noch gibt es Geld in diesem Programm, das bis 2020 läuft. Wer zügig Anträge zur Umsetzung konkreter Maßnahmen stelle, habe gute Chancen, auch Geld zu erhalten, so Rickmeyer. Und es brauche den politischen Willen vor Ort weitere Maßnahmen umzusetzen, damit auch über 2020 hinaus Geld zur Verfügung gestellt wird.

Was sagen die Zuhörer?

Viel mehr als Gesundheitsgefahren beim Baden, störe die Geruchsbelastung durch die Algen an Ufern und in Häfen fanden Diskussionsteilnehmer wie Grünen-Ratsherr Ludger Schlüter. Als Sofortmaßnahme könne man vor Häfen und Badebereichen Tauchwände einsetzen, die die Algen vom Ufer fernhalten, regte Schuster an.

Andere Zuhörer hielten die Diskussion dagegen für übertrieben. Als Kind sei er mit Absicht durch die dicken Algenbeläge geschwommen, ohne Schaden zu nehmen, merkte Hans-Georg Brinkmeyer an.

Es gab allerdings auch Zuhörer, die die von den Experten vorgeschlagenen Maßnahmen grundsätzlich anzweifelten und sich andere Lösungsansätze wünschten. Weitere Teilnehmer vermissten eine Beschäftigung mit einem weiteren Reizthema: Der Frage nach Multiresistenten Keimen im Seewasser.

Zu dieser, wie auch zur Blaualgen-Frage versprach Reckermann für die NWZ: „Wir bleiben da dran.“

Christian Quapp
Redakteur
Redaktion Bad Zwischenahn
Tel:
04403 9988 2630

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