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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Kurort mit Kippenproblem

27.09.2019

Bad Zwischenahn Dieser Artikel ist eine Premiere für mich, denn ich muss ihn mit einer Art Selbstanklage starten. Ich habe lange geraucht und in diesen Jahren manche Zigarettenkippe achtlos fallen lassen. Und das hat vermutlich fast jeder Raucher nicht nur einmal getan. Insofern ist die „Fill-the-bottle-Challenge“(übersetzt: Füll-die-Flasche-Herausforderung) für mich eine Art Wiedergutmachung. Diese „Challenge“ kommt, wie so viele Trends, aus dem Netz. Menschen schnappen sich eine Flasche, sammeln in ihrem Ort Zigarettenkippen ein und stellen Bilder davon ins Netz.

Eine Kollegin von mir hat das bereits in Oldenburg getan. Wie sie nehme ich mir vor, eine Stunde lang zu sammeln – oder so lange, bis meine Limo-Flasche voll ist.

Aber warum das Ganze? Ein Zigarettenstummel kann 50 bis 500 Liter Wasser verunreinigen. Vögel oder andere Tiere, die die Kippen fressen, werden vergiftet. Und: „Zigaretten brauchen etwa zehn bis 15 Jahre, um sich auf natürliche Weise zu zersetzen. Den größten Anteil macht dabei der Filter aus, der im Normalfall aus Cellulose-Acetat besteht und mit Chemikalien angereichert ist“, sagt Oliver Kraatz vom Nabu Oldenburg. Ich habe mir darüber früh nie viele Gedanken gemacht.

Mit Verstärkung

Für meine Challenge suche ich mir Verstärkung: Jutta Bagener lebt in der Bad Zwischenahner Bahnhofstraße und ist in vielen Bereichen rund um das Thema Ordnung und Sauberkeit eine streitbare Frau. Auch den Kippen rund um ihre Wohnung hat sie den Kampf angesagt. Besonders auf den Parkstreifen vor dem Bahnhofsgebäude sammeln sich nach ihrer Erfahrung viele Kippen. „Allerdings ist es besser geworden, seit die Gemeinde mehr darauf achtet“, sagt sie.

Trotzdem beginnen wir die Sammlung vor dem Bahnhof. Nach weniger als zehn Minuten ist die Flasche schon zu einem Drittel gefüllt. und innerhalb dieser Zeit werden wir auch gleich auf unsere Aktion angesprochen. Der Taxifahrer, der uns fragt, was wir da tun, hat wenig für die Challenge übrig. „Es gibt doch auf der Welt viel schlimmere Probleme“, meint er. Stimmt, die gibt es, aber kaum eines lässt sich so leicht lösen. Auf dem Deckel eines Abfalleimers finden wir bestimmt 30 ausgedrückte Kippen. Ein Handgriff hätte sie in den Müllbehälter befördert, so landen sie in unserer Flasche. Die hätten wir rund um den Bahnhof spielend voll bekommen, wir wollen aber wissen, wie es in anderen Bereichen des Kurortes aussieht.

Saubere Meile?

Über die Bahnhofstraße laufen wir auf die „Meile“. Auf den ersten Blick ist der Gehweg der Peterstraße sauber – dennoch bücken wir uns pro Meter etwa zweimal. Auffällig ist: Wo Menschen etwas länger stehen oder sitzen, liegen auch Kippen – auch wenn der nächste Müllbehälter direkt daneben steht. Davon gibt es gerade an der Meile aber zu wenig, findet Jutta Bagener.

Unser Weg führt uns weiter über den Fährweg und Auf dem hohen Ufer zum Ufergarten. Hier ist es relativ sauber, aber auf dem Bouleplatz und rund um die Sitzbänke werden wir dennoch immer wieder fündig. Nach rund 50 Minuten brechen wir die Challenge auf dem Marktplatz ab – die Flasche ist voll.

Neue Mülleimer

Die Gemeinde Bad Zwischenahn hat sich des Themas zuletzt auch intensiver angenommen. Müllbehälter aus reinem Gittermaterial werden abgebaut. Einen davon haben wir am Bahnhof gesehen. Selbst wenn Kippen direkt hinein geworfen werden, landen sie oft auf dem Boden, bemängelt Bagener. Neue Mülleimer sollen oben auf dem Deckel immer einen kleinen Behälter für Kippen haben. An besonders stark verschmutzten Punkten sprechen Mitarbeiter der Gemeinde auch schonmal Menschen an.

Manche Städte und Gemeinden ahnden weggeworfene Kippen als Ordnungswidrigkeit, das wäre im Ammerland Sache der Abfallwirtschaft beim Landkreis. Es habe allerdings seines Wissens noch nie eine Anzeige in dieser Sache gegeben, sagt Amtsleiter Michael Hauschke. „Wenn es sie gäbe, würden wir vermutlich ein Verwarngeld in Höhe von 15 bis 35 Euro aussprechen.

So weit muss es ja aber gar nicht kommen – wenn immer mehr Raucher selbst daran denken, wie einfach man diese Form der Umweltverschmutzung vermeiden kann. Viele Kur- und Touristenorte an der Küste versuchen übrigens, die Verschmutzung ihrer Strände mit Kippen in den Griff zu bekommen, indem sie kleine Taschen-Aschenbecher ausgeben oder verteilen. Vielleicht ist das auch eine Idee für den Ammerländer Kurort?

Ich werde die Challenge für mich selbst sicher wiederholen, ich habe noch etwas gutzumachen.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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