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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Die Schweißfuß-Stopper aus Wahnbek

27.10.2016

Wahnbek In China weiß es jedes Kind: Zimt wirkt temperaturregelnd. Kalte Füße werden gewärmt und warme Füße gekühlt. Zudem wirkt Zimt antibakteriell. Bakterien, die Fußschweiß und damit unangenehme Gerüche zur Folge haben, entstehen gar nicht erst.

Auch Hong Long Wendt weiß um die Wirkung von Zimt. „Ich habe immer kalte Füße“, erzählt die Wahnbekerin. Ursprünglich stammt sie aus dem asiatischen Raum, genauer gesagt aus Vietnam. Seit dem Jahr 2000 lebt sie in Deutschland.

„Aus meiner Kindheit kenne ich noch Einlegesohlen aus Zimt“, schildert die heute 39-Jährige. Doch in Deutschland gab es so etwas nicht, nur beheizbare Socken waren zu bekommen, sagt sie.

Damit war der Entschluss gefasst, selbst eine Firma zu gründen, die Zimt-Einlegesohlen produziert und in Deutschland auf den Markt bringt. „2003 habe ich in Bremen die Firma Mekong Trading gegründet“, erzählt die Geschäftsführerin Hong Long Wendt.

Altes Gewürz

Zimt ist ein Gewürz, das aus der getrockneten Rinde von Zimtbäumen gewonnen wird. Es kommt gemahlen als braunes Pulver in den Handel, kann aber auch als Zimtstange oder Zimtblüte gekauft werden. Zimt gilt als eines der ältesten Gewürze. Es soll schon um 3000 vor Christus in China verwendet worden sein.

Der Anbau von Zimtbäumen ist sehr zeit- und arbeitsintensiv. Nur in bestimmten Regionen und unter bestimmten Bedingungen kann Zimt wachsen. Bis zur einmaligen Ernte benötigt ein Zimtbaum 15 bis 20 Jahre. Für die Einlegesohlen verwendet die Wahnbeker Firma Cinnea eine ausgewählte Zimt-Sorte aus Mitte-Vietnam, welche für ihre hohe Qualität bekannt ist.

2011 zog es sie aus privaten Gründen nach Wahnbek. Ihr Unternehmen verlegte sie damals gleich mit. In einem unscheinbaren Gebäude an der Ecke Schulstraße/Weserstraße sitzt seitdem die Firma, die Schweißfüßen in Deutschland ein Ende machen will. Heute sei ihr Unternehmen der weltweit größte Anbieter von Wellness-Produkten auf Zimtbasis.

„Wir haben den Namen in Cinnea geändert“, erklärt Monika Rowold. Dieser Name sei abgeleitet vom englischen Begriff für Zimt – Cinnamon, sagt die 46-Jährige, die im Unternehmen für den Vertrieb zuständig ist.

„Mein Mann hatte Probleme mit Schweißfüßen“, berichtet die Frau aus Ofenerdiek. Nachdem ihre Schwägerin schon einmal Zimt-Einlegesohlen bestellt hatte, folgte Monika Rowold dem Beispiel und bestellte selbst – mit Erfolg.

Sie bekam nicht nur Hilfe gegen die Schweißfüße ihres Mannes, sondern fand so im Jahr 2012 gleich noch einen neuen Job. „Ich hatte damals nach einer neuen Stelle gesucht, und es passte einfach“, sagt sie.

„Wir lassen die Einlegesohlen selbst in Vietnam produzieren“, berichtet Monika Rowold. Etwa in der Mitte des Landes, in der Nähe der Stadt Da Nang, habe man Zimtwälder gepachtet.

„Wir verwenden ausschließlich eine ausgewählte Zimt-Sorte aus Mitte-Vietnam“, sagt Hong Long Wendt. Per Hand werde die Rinde sorgfältig vom Zimt-Baum gelöst und anschließend mehrere Wochen sonnengetrocknet. „Eine maschinelle Trocknung der Rinde würde die Qualität des Zimts stark beeinträchtigen“, erläutert die 39-Jährige.

In einer eigenen Fabrik in Vietnam werden sämtliche Zimt-Produkte hergestellt. Etwa 80 Personen würden dort arbeiten. „Eine umweltbewusste Produktion sowie faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind unser Prinzip“, betont die Geschäftsführerin.

Minderwertige Ware, Lohndumping oder Kinderarbeit: Was in vielen südostasiatischen Ländern oft üblich ist, kommt für Hong Long Wendt nicht in Frage. Bei regelmäßigen Besuchen verschaffe sie sich auch vor Ort ein Bild von den Arbeitsbedingungen. „Die Kontakte sind sehr gut“, sagt sie.

Während der Zimt aus Vietnam stammt, wird aus China Vlies importiert, das für die untere Seite der Sohle benötigt wird. In Vietnam werden die Sohlen hergestellt. Einige weitere Produkte, die Cinnea im Sortiment hat, werden ebenfalls aus China importiert. Dazu zählen Bambus­socken, Luffa-Körperpflegeschwämme oder Stofftaschen, die als Geschenk an Kunden weitergegeben werden.

„Viele Reformhäuser, Biofachgeschäfte und Apotheken verkaufen unsere Produkte“, sagt Monika Rowold. Rund 300 Händler würden inzwischen beliefert – Tendenz steigend

Nicht nur in Deutschland werden die Zimt-Einlegesohlen, die es in verschiedenen Ausführungen gibt, vertrieben. Auch Österreich, die Schweiz und die Niederlande gehören zu den Abnehmern. „Gerade haben wir eine Lieferung nach Griechenland verschickt“, berichtet die Vertriebsassistentin.

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

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