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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Wie sauber ist das Edewechter Grundwasser?

08.02.2019

Edewecht Die Ergebnisse klingen alarmierend: Der laut Trinkwasserverordnung geltende Aluminium-Grenzwert von 0,2 Milligramm pro Liter wurde an mehreren Stellen in Edewecht deutlich überschritten – in einem privaten Friedrichsfehner Brunnen waren es 1,0 Milligramm, in Nord-Edewecht 0,90 Milligramm und in Klein Scharrel 0,70 Milligramm.

In einer Pressemitteilung publik gemacht hat die Messergebnisse der Umweltschutz-Verein VSR-Gewässerschutz e. V. Mit einem Infomobil hatte der Verein, der sich laut eigenen Aussagen durch private Spenden und die Wasseranalysen finanziert, im Mai 2018 auf dem Edewechter Marktplatz gestanden – Privatleute konnten ihr Brunnenwasser dort, in Mineralwasserflaschen abgefüllt, abgeben und auf eigene Kosten analysieren lassen.

Saures Grundwasser

In sechs von insgesamt neun abgegebenen Proben fand sich gelöstes Aluminium, in drei Fällen wurde der Grenzwert überschritten. Der allerdings gilt nur für das Trinkwasser, welches meist in Tiefen von 50 bis 100 Metern gewonnen wird. „Da unten ist die Qualität relativ gleichbleibend“, erklärt Uwe Schnückel vom OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband). Beim oberflächennahen, sauren Grundwasser, das zumeist im Garten Anwendung finde, könne das schon anders aussehen: Aluminiumgehalte um zehn Milligramm pro Liter sind nicht selten. In der Grundwasserverordnung von 2010 ist jedenfalls kein Schwellenwert festgeschrieben.

Aluminium im Brunnenwasser: Gefahren

Aluminium weist eine geringe Toxizität auf. Im Schnitt nimmt der Mensch laut einer EFSA-Studie ein bis 15 Milligramm pro Tag davon zu sich.

Pflanzenschäden durch Aufnahme größerer Mengen Aluminium treten etwa an den Wurzeln auf.

In Teichen wirkt Aluminium toxisch auf dort lebenden Fische.

Besonders betroffen sind die Dottersackbrut und schlüpfende Fische.

Das Problem beim Aluminium ist, dass es als Bestandteil von Feldspat, eines sehr weit verbreiteten Silikats (90 Prozent der Erdkruste bestehen daraus), in stark saurem Grundwasser gelöst wird – diese Voraussetzungen sind auch in vielen Moorgebieten gegeben. In seiner Pressemitteilung macht der Verein aber ausschließlich die „hohe Dichte an Massentierhaltung in Niedersachsen“ für die schlechte Qualität des Grundwassers verantwortlich und fordert „Maßnahmen, die nicht nur im Stall ansetzen, sondern insbesondere bei der Ausbringung der Gülle auf dem Feld“. Der letztgenannte Punkt indessen ist bereits in der neuen Düngeverordnung festgeschrieben. Ab dem 1. Januar 2020 sind Landwirte dazu verpflichtet, ausgebrachte Gülle binnen einer statt bisher vier Stunden in die Erde einzubringen.

Diese Aussagen bringen Manfred Gerken, Ammerländer Kreislandwirt, mächtig auf die Palme: „Wir Bauern haben echt die Schnauze voll“, sagt Gerken, „wir begrüßen uns schon gegenseitig mit ’hallo Massenmörder’.“ Bei den drei genannten Bereichen in Edewecht mit erhöhten Aluminiumkonzentrationen im Grundwasser sieht er die Landwirtschaft nicht in der Schuld.

Das Thema Aluminium ist für ihn ein völlig neues Feld. „Immer sind die Bauern schuld“, sagt Gerken resigniert, „dabei tun wir alles, um Abhilfe zu schaffen und lassen immer mit uns reden, wenn derlei Ergebnisse wissenschaftlich begründet sind“. Wenn dem so sei, lenkt er ein, dann müsse man sich damit auseinandersetzen.

Bewusstsein schaffen

Der VSR-Gewässerschutz, beheimatet im niederrheinischen Geldern, ist im gesamten Nord- und Ostsee-Bereich aktiv. Mit seinem Labor-Mobil sind je zwei Mitarbeiter unterwegs, darüber hinaus unterhält der Verein ein Labor mit vier bis fünf weiteren Mitarbeitern, kooperiert aber auch mit anderen Laboren.

Kommentar

Immer auf die Bauern

Ingo Schmidt

Ein Umweltverein publiziert Messergebnisse und vergleicht dabei Grenzwerte, die für Trinkwasser gelten, mit selbst ermittelten Messwerten aus privaten Grundwasserbrunnen, die in der Regel zur Bewässerung genutzt werden. Das ist wie der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Denn In der Grundwasserverordnung von 2010 ist überhaupt kein Schwellenwert festgeschrieben. Hinzu kommt, dass nicht nachvollziehbar ist, auf welche Weise diese Messergebnisse überhaupt zustande gekommen sind. Erwähnt werden nur die höchsten Überschreitungen dieses ungleichen Vergleichs, weil das besonders drastisch wirkt. Dass von neun Brunnen nur drei den Grenzwert des Trinkwassers nicht überschreiten, wird verschwiegen.

Sicher, auf Missstände im Umweltbereich muss hingewiesen werden. Es braucht engagierte Naturschützer, die unabhängig Untersuchungen durchführen. Aber: Bei den Untersuchungen von VSR-Gewässerschutz sind die Übeltäter schnell ausgemacht: die Landwirte. Und gerade bei komplexen Gemengelagen, wie sie in sowieso schon sauren Geest- und Moorgebieten vorherrschen, ist eine Monokausalität nur schwer nachweisbar.

Der VSR-Gewässerschutz betreibt aber etwas mehr als nur Naturschutz: Er betreibt Umweltpolitik auf dem Rücken der Landwirte. Denn sicher ist: Der Verein wird mit seiner Pressemitteilung vor allem eines erreichen: Er wird den Landwirten einen weiteren Schlag versetzen.

„Es sind anerkannte Prüfverfahren“, erklärt Pressesprecher und Diplom-Physiker Harals Gülzow vom VSR-Gewässerschutz, der unter anderem mit den verschiedenen Landwirtschaftskammern kooperiert. Das größte Problem seines Vereins, der bereits 1980 gegründet wurde, sieht er darin, dass die Messergebnisse, auch bezüglich Nitratwerten, „meist in Aktenordnern verschwinden“. Gülzows Mission lautet deshalb: „Wir wollen ein Problembewusstsein schaffen.“

Der Unteren Wasserbehörde ist der Verein kein Begriff. „Die kenne ich nicht“, sagt Hans-Jürgen Waden auf Nachfrage, „aber ich frage mich, warum die sich im Vorfeld mit ihrer Aktion nicht beim OOWV-Gewässerschutz in Brake gemeldet haben.“ Nach Aussage Gülzows würden derlei Messaktionen aber immer vorher angekündigt und verweist auf die bereits erwähnten Aktenordner.

Doch warum vertraut der Verein nicht auf die offiziellen Messungen der Wasserversorger? „Das Problem ist, dass die sich in Wasserschutzgebieten gut auskennen“, beschreibt Harald Gülzow, „nicht aber in den nicht-trinkwasserrelevanten Gebieten“. Die allerdings, gibt er zu Bedenken, könnten aber in zehn oder 20 Jahren mal relevant werden. Das kann auch der OOWV bestätigen. Für ihn sind die drei Areale in Edewecht zwar zum Teil „Verbands-, also Versorgungsgebiet, aber keine Gewinnungsgebiete“, wie Uwe Schnückel erklärt. Grundwasserproben werden dort nicht entnommen.

Was bleibt nun unterm Strich? Es gibt scheinbar erhöhte Aluminiumwerte in einigen Edewechter Brunnen. Der VSR-Gewässerschutz macht die Massentierhaltung dafür verantwortlich, doch in den betreffenden Gebieten gibt es gar keine Massentierhaltung, sondern lediglich konventionelle Landwirtschaft. Allerdings gehört der betreffende Bereich zum Grundwasserkörper Südoldenburgs, wo es durchaus Massentierhaltung gibt.

So recht anerkennen möchte die Messergebnisse keine offizielle Stelle, weil weder der Verein noch die Messmethoden bekannt sind. „Den Verein kenne ich nicht, und ohne zu wissen, wie die Proben ausgewertet wurden, würde ich das zunächst einmal nicht anerkennen“, sagt Hans-Jürgen Waden von der Unteren Wasserbehörde. Denn auch das Entnehmen von Proben müsse gelernt sein, führt er aus, und die Behörde selbst schicke ihre Proben stets an geeichte Laboratorien.

Ein solches zu sein, das beansprucht auch der VSR-Gewässerschutz für sich: „Wir untersuchen sogar noch weitergehende Parameter“, beschreibt Harald Gülzow das Vorgehen. Den AOX zum Beispiel, ein Parameter aus der chemischen Analytik zur Beurteilung von Wasser. „Wir sind breiter aufgestellt.“

Düngeversuche

Es steht also Stimme gegen Stimme gegen Stimme. Da ist ein Messergebnis, das für einige Brunnen in Edewecht eine erhöhte Aluminiumkonzentration ergibt. Der Umweltverein, der es gemessen hat, gibt den Landwirten die Schuld. Vielleicht hat ja die südoldenburgische Massentierhaltung einen Einfluss auf das Grundwasser in Edewecht. Vielleicht trägt auch der saure Moorboden stellenweise dazu bei, dass dort Aluminium eher ausgeschwemmt wird.

Die Landwirte, jedenfalls die aus dem Ammerland, weisen jede Schuld von sich: „Im Rahmen von Düngeversuchen testen wir immer vorher, wie überhaupt die Grunddüngung des Bodens ist“, sagt Kreislandwirt Manfred Gerken.

Und am wichtigsten ist: „Allein schon aus Ertragsgründen achten wir ziemlich genau darauf, dass der Boden nicht zu sauer wird.“ Zur Not müsse eben gekalkt werden.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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