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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Ersatz für Torf gesucht

10.06.2011

BARGHORNERMOOR Gerhard Block steckt den rot-weißen Markierungsstab in den luftigen Torfboden im Hankhauser Moor. Der 50-Jährige ist Prokurist beim Torfwerk Moorkultur Ramsloh. Das Unternehmen aus dem Saterland möchte gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universitäten Greifswald und Rostock auf einer Fläche von etwa drei Hektar zwischen Kolonatsweg und Moorseiter Straße lebende Torfmoose züchten und erforschen. Nach Angaben Blocks handelt es sich dabei um ein weltweit einzigartiges Forschungsprojekt.

„Gemeinsam mit den Wissenschaftlern wollen wir überprüfen, inwieweit getrocknete lebende Torfmoose, die relativ schnell nachwachsen, bei der Produktion von Blumenerde als Ersatz für Torf dienen können“, erläutert Block. Zwar gebe es auch in Kanada einige Versuchsflächen ähnlicher Art. „Aber das Areal bei Rastede ist das weltweit erste, auf dem auch erforscht wird, inwiefern sich Torfmoose gewissermaßen industriell anbauen und ernten lassen“, ergänzt Geschäftsführer Gunnar Koch.

Für das Saterländer Unternehmen bedeutet das Projekt einen Schritt in Richtung Zukunftssicherung. „Die Torfvorräte in Niedersachsen schrumpfen“, sagt Block und fügt an: „Die aktuellen Abbauverträge laufen in knapp 20 Jahren aus.“ Um für die Zeit danach eine Versorgung mit hochwertigem Substrat für den Erwerbsgartenbau sicherstellen zu können, will das Torfwerk Moorkultur nun in lebenden Moosen nach Alternativen zum Torf forschen.

Der Anfang im Hankhauser Moor ist bereits gemacht: „Um die Fläche vorzubereiten, haben wir zunächst mit einem Bagger die nährstoffreiche Grasnarbe um 30 Zentimeter abgetragen und zu Fahrdämmen zusammengeschoben“, berichtet Koch. Die optimale Wasserversorgung soll über Gräben, Pumpen und Überläufe, die den Wasserstand regulieren, hergestellt werden.

„Auf die vorbereitete Fläche werden verschiedene Torfmoosarten ausgebracht, die anfänglich zum Schutz gegen Extremwetterbedingungen mit Stroh abgedeckt werden“, erläutert der Geschäftsführer und kündigt an: „Voraussichtlich nach zwei Jahren hat sich ein dichter Torfmoosrasen entwickelt.“ Im Verlauf des Projekts werden Vegetationsentwicklung und Fauna stetig untersucht, um Treibhausgasemissionen, Wasserstände und Wasserqualität zu erfassen, ergänzt Block.

„Ein solcher Anbau im größeren Stil wäre ein Beitrag zum Klimaschutz, denn in herkömmlich landwirtschaftlich genutzten Mooren mineralisiert der entwässerte Torf und setzt so große Mengen an gespeichertem Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid frei“, begrüßt auch Bürgermeister Dieter Decker das Projekt im Hankhauser Moor.

Für die Landwirtschaft böte es ebenfalls Chancen, sagt Block. Eigentlich minderwertige Flächen werden wieder nutzbar gemacht. Auf ihnen können Torfmoose angebaut und später verkauft werden.

Über die Torfmoos-Kultivierung auf Hochmoorgrünland informiert eine Tafel am Zufahrtsweg zu der Fläche nahe der Brücke über die Schanze. Die Untere Naturschutzbehörde hatte zugestimmt, dass das Unternehmen das Areal für das Projekt nutzen kann, da es keinen Schutzstatus nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz genießt. Bislang wurde es als Intensivgrünland genutzt.

Weißtorf sei aufgrund seiner optimalen Substrateigenschaften, insbesondere aufgrund seiner Struktur, im Erwerbsgartenbau nicht zu ersetzen, erklären die Wissenschaftler der Uni Greifswald. Da die Vorräte an Weißtorf in den meisten Staaten West- und Mitteleuropas nach Jahrhunderten intensiver Nutzung durch Kultivierung für die landwirtschaftliche Nutzung und durch Abbau nahezu verschwunden sind, werde dieser zunehmend aus Nord- und Osteuropa importiert. Aufgrund der immer knapper werdenden Ressourcen und des damit verbundenen Rückgangs wachsender Moore müsse umgehend nach einer sinnvollen Alternativen gesucht werden, die dauerhaft und nachhaltig die Rohstoffversorgung sichern kann, die zugleich zum Erhalt der noch existierenden wachsenden Hochmoore als sensible, selbstregulierende Ökosysteme mit Archivwert beiträgt und die damit die Kohlendioxid-Emission reduziert. Diese Alternative ist die Kultivierung von Torfmoosen, die in ihrer Struktur dem Weißtorf ähneln, so die Wissenschaftler.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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