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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Familienbetrieb fürchtet das Kabel

23.06.2017

Kayhauserfeld Hinrikus Barth wird deutlich: „Die ruinieren den Betrieb, den wir aufgebaut haben“. „Wir“, das sind Hinrikus (73) und sein Bruder Reinhold Barth (74), Der Betrieb ist die Baumschule, die beide 1968 gemeinsam gegründet haben.

„Die“, das ist Netzbetreiber Tennet, der eine Höchstspannungsleitung von Conneforde nach Cloppenburg bauen will.

In direkter Nähe zu den Bauumschulen Barth sollen die Leitungen von Strommasten unter die Erde geführt werden, und dann einmal diagonal über das Haupt-Betriebsgelände führen. So zumindest ist es auf Luftbildern eingezeichnet, die die Familie am vergangenen Dienstag bei einem Tennet-Infotermin in Gristede gesehen hat. Dabei waren auch die Söhne der beiden Firmengründer Manfred (46) und Julius (54). Alle vier sind überzeugt: Bleibt es bei den Plänen, ist der Betrieb ruiniert.

Für den eigentlichen Verlauf des Erdkabels würden rund ein bis eineinhalb Hektar Fläche der insgesamt 30 Hektar großen Zentralfläche des Betriebes gebraucht, nimmt die Familie an. Auf dieser Fläche könnte später nicht mehr wie bisher Baumschulwirtschaft betrieben werden. Die Ballenschneider, mit denen die Barths und ihre 27 Mitarbeiter größere Bäume aus der Erde holen, schneiden 1,20 bis 1,50 Meter tief. Sie könnten über der Leitung, die 1,60 Meter tief in der Erde liegen soll, nicht mehr eingesetzt werden.

Das bestätigt auch Renke zur Mühlen, Vorsitzender im Bund deutscher Baumschulen Weser-Ems (BdB). Er hat sich bereits vor einiger Zeit mit Tennet-Vertretern getroffen, um über Besonderheiten im Baumschul-Bereich zu sprechen. Das Ergebnis: Getreide oder Mais könnte über einem Erdkabel angebaut werden, aber nichts was tiefer wurzelt. „Der Betrieb der Familie Barth ist aber gerade auf große Solitärpflanzen spezialisiert. Die können nicht einfach auf etwas anderes umstellen“, sagt zur Mühlen.

Viel dramatischer wären andere Folgen. Mindestens zehn der 30 Hektar großen Zentralfläche des Betriebs wären während des Baus komplett abgeschnitten. Ob sie danach noch nutzbar wären, ist zumindest unsicher. „Unsere komplette Drainage und Bewässerung verläuft über die mögliche Trasse“, sagt Julius Barth. „Die ganzen Leitungen würden durch den Bau zerstört“, ergänzt Hinrikus Barth. Junior Julius macht sich zudem Sorgen um das Grundwasser: „Wir haben hier einen sehr hohen Grundwasserstand, der durch eine Lehmschicht blockiert wird. Wenn die beim Bau beschädigt wird, kann das Wasser hochdrücken und unsere komplette Fläche unbrauchbar machen.“

Janina Schultze, Tennet-Bürgerreferentin, versucht auf Nachfrage der NWZ zu beruhigen. Zunächst sei überhaupt nicht klar, ob das zuständige Amt für Landentwicklung den von Tennet bevorzugten Korridor für die Trasse auswählt – es könne auch ein ganz anderer Verlauf der Strecke herauskommen. Die Luftbild-Zeichnungen sei zudem nicht mehr als ein gedachter Verlauf für das Erdkabel, keinesfalls ein fertiger Plan. Tennet habe die besonderen Schwierigkeiten bei Baumschul-Flächen sehr wohl im Blick und werde bei der genauen Planung der Trasse, die frühestens 2018 beginnen soll, eng mit den Flächenbesitzern zusammenarbeiten.

Julius Barth will darauf nicht warten, er hat sich bereits auf die Suche nach alternativen Strecken gemacht, die er Tennet vorschlagen will. Die befürchteten Einschnitte wollen er und seine Familie jedenfalls nicht akzeptieren – und auch Renke zur Mühlen und BdB-Geschäftsführerin Cornelia Lüttmann haben bereits angekündigt, sich für die Interessen der Baumschule stark zu machen.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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