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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Das große Masten-Schieben

21.03.2019

Friedrichsfehn /Ammerland Der Informationsbedarf bei den rund 500 Landbesitzern, die vom Energieversorger Tennet angeschrieben wurden, weil sie vom Bau der neuen 380-kV-Leitung von Conneforde nach Cloppenburg (Maßnahme 51a) betroffen sind, ist groß. Ihre Grundstücke werden entweder von der Leitung überspannt oder sollen Standort eines der rund 90 neuen Masten werden. Es sind Fragen wie diese, die die Eigentümer beschäftigen: Haben sich die Planungen geändert? Was kommt auf mich zu? Und in besonderem Maße: Wie werde ich entschädigt? Denn es geht natürlich auch um Geld – um Einmalzahlungen.

350 Besucher bei Infoveranstaltung von Tennet

Leitungsbetreiber Tennet informiert die Betroffenen derzeit im Rahmen sogenannter Infomärkte über den Stand der Dinge, um deren Durst nach Klarheit nachzukommen – in Garrel, Cloppenburg und im Landhaus Friedrichsfehn – dort nutzten 350 Besucher aus dem gesamten Ammerland das umfangreiche Gesprächs- und Visualisierungsangebot.

Denn nach dem ersten Planentwurf für den konkreten Leitungsverlauf, den das Unternehmen im Winter vorgestellt hatte, konnten zunächst die betroffenen Landeigentümer ihre Einwände vorbringen. Rund die Hälfte der Strommasten wurde so auf Wunsch der Eigentümer noch einmal verschoben. Ein Umstand, der wiederum andere Eigentümer überraschte, die vom geplanten Trassenverlauf bisher nicht betroffen waren. „Die Planungen entwickeln sich ja erst“, erklärt Janina Schultze, Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet, „und damit verändern sich auch die Eigentümer, die es betrifft“.

Mehrere Varianten für Höchstspannungs-Trassen

Und dennoch: Die Akzeptanz der neuen Trasse, die sich von Conneforde über Cloppenburg (Abschnitt 51a) bis nach Merzen (Abschnitt 51b) zieht, ist groß. „Die Leitungen müssen ja irgendwo hin“, konstatiert eine Landwirtin aus Benthullen (Wardenburg), „und wenn eine Leitung über unsere Weide gespannt werden muss, dann ist das eben so“.

Der finale Trassenverlauf konkretisiert sich indessen immer weiter. In drei Bereichen – Gristede, Bethen und Sevelten – sind noch mehrere Varianten möglich, die in den kommenden Monaten geprüft werden. Eine Lücke in den Plänen klafft noch in Garrel, wo der Leitungsverlauf vom genauen Standort des in Nikolausdorf geplanten Umspannwerks abhängt.

In Garrel wie auch auf Edewechter Gemeindegebiet, im Bereich Friedrichsfehn/Kleefeld, soll die 380-kV-Leitung unterirdisch verlegt werden, was in Edewecht maßgeblich mit den torfigen Böden zu tun hat, die die bis zu 75 Meter hohen Masten nicht tragen können. In einem 40 bis 50 Meter breiten Korridor wird die Leitung dort 1,60 Meter tief im Erdreich verschwinden. Die bisherige Überlandleitung wird dann abgebaut. „Ich hoffe auf eine bodenschonende, also eine geschlossenen Verlegung, weil hier viele Häuser noch schwimmend auf dem Moor gebaut wurden“, sagt eine ältere Kleefelderin. Doch die sei teurer als die offene Verlegung. „Das ist ein schwerer Eingriff“, sagt sie, „ich befürchte Versackungen im Gelände“.

Erdkabel unter dem Küstenkanal

Auf dem Acker von Hannelore und Günter Henke aus Friedrichsfehn, den nur ein Radweg und eine Straße vom Küstenkanal trennt, soll die Leitung dann 14 Meter tief abtauchen, unter dem Küstenkanal hindurch. „Wir wollen einfach Klarheit“, sagt die 78-Jährige, „weil nicht feststeht, ob das auf unserem oder auf dem Nachbargrundstück geschieht“. Sie und ihren Mann (84) beschäftigt das sehr. „Man schläft schlechter“, berichtet sie.

Ein älterer Wiefelsteder hingegen weiß schon, dass ein 75-Meter-Mast auf seiner Wiese stehen wird – eine Fläche von 900 Quadratmetern wird er in Anspruch nehmen. „Wenn die Leitung dort einen Knick macht, muss der Mast noch stärker werden“, weiß er. Seine Pächterin sieht die Leitung trotzdem positiv: „Ich möchte später mal ein Elektroauto fahren und finde es gut, dass es solche Stromversorger gibt.“ Außerdem müsse man in Deutschland den Anschluss an die regenerative Energie bewahren. „Vielleicht sagt der Scheich auch irgendwann, dass es kein Öl mehr gibt.“

Pech hatte lediglich eine alte Dame aus Oldenburg, die im Ammerland Nutzflächen verpachtet hat. Das Planverfahren hat sie verpasst – mutmaßlich, weil sie nicht als Besitzerin kontaktiert werden konnte. „Jetzt plötzlich steht ein Leitungsverlauf fest und ich habe einen Masten auf der verpachteten Wiese stehen.“

Südlicher Abschnitt

In den nächsten Monaten wird das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems auch für den südlichen Leitungsabschnitt von Cloppenburg nach Merzen (Maßnahme 51b) über den Korridorverlauf entscheiden. Parallel wird Tennet das Planfeststellungsverfahren vorbereiten. Ende 2019/Anfang 2020 soll es starten und 2021 abgeschlossen sein. 2024 soll die neue Leitung in Betrieb gehen und die bestehende 220-kV-Leitung zwischen Conneforde und Cloppenburg ablösen, die dann abgebaut wird.

Eine Besonderheit soll es dann zwischen Garrel und Cloppenburg geben: Dort soll die 110-kV-Leitung der Avacon auf einer Länge von zwölf Kilometern auf dem Gestänge der Höchstspannungsleitung mitgenommen werden. Damit gäbe es dort nur noch eine Leitung – und Ortschaften wie Beverbruch und Kellerhöhe wären leitungsfrei.

Der letzte Infomarkt ist am heutigen Donnerstag von 14 bis 19 Uhr im Traditionshaus Taphorn in Cloppenburg.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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