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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Muss diese alte Eiche fallen?

14.02.2020

Friedrichsfehn Noch wurzelt sie fest neben der Dorfstraße in Friedrichsfehn. Ihre Äste ragen bis über den Rad- und Fußweg, ihre Krone erstreckt sich in luftige Höhen. Die Anwohner und einige Ratsmitglieder fürchten, dass das Leben einer alten Eiche bald vorbei sein könnte. Zu ihnen gehört Sylke Polnau aus Friedrichsfehn. Sie wandte sich an die Redaktion und startete auf Facebook einen Aufruf gegen die Fällung des großen alten Baumes. Doch wieso macht sie sich überhaupt Sorgen? „Die Eiche wurzelt auf einem Privatgrundstück, das verkauft werden soll. Wir haben Bedenken, dass sie dem neuen Eigentümer im Weg steht“, erklärt die Naturliebhaberin.

Nicht festgesetzt

Und auch der Ortsverein Friedrichsfehn schaltete sich ein. In einem Schreiben an die Untere Naturschutzbehörde formuliert der 1. Vorsitzende Erhard Hennig-Weltzien: „Wir sind am Erhalt der ortsbildprägenden Bäume interessiert und bitten daher um Prüfung, ob diese prächtige Eiche als schützenswert eingestuft werden kann.“

Die NWZ hat also beim Landkreis Ammerland nachgefragt: „Der Baum wurde nicht im Bebauungsplan festgesetzt. Dieser weist hier eine Baufläche aus, der Baum ist leider nicht als zu erhalten festgesetzt und damit überplant“, informiert Anja Küllig, die im Landkreis Ammerland für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Es gestalte sich schwierig, gegen eine potenzielle Fällung anzugehen, bestätigt auch der allgemeine Vertreter der Edewechter Bürgermeisterin, Rolf Torkel. „Die rechtliche Lage spricht nicht gegen eine Fällung“, sagt er. Die Gemeinde Edewecht im Übrigen hat bislang keine Baumschutzsatzung verabschiedet, Torkel berichtet jedoch, dass sich die Ratsmitglieder künftig mit diesem Thema auseinandersetzen möchten.

Und wieso ist ein solch großer Baum überplant? „Die Eiche besitzt nicht das Privileg eines Naturdenkmals, deshalb gilt sie nicht als schutzbedürftig“, kommt Hildburg Lüers vom Amt für Umwelt und Wasserwirtschaft des Landkreises auf die Fakten zurück. Damit ein Baum Naturdenkmal wird, müssten bestimmte Kriterien erfüllt werden, so Lüers. Dazu gehören beispielsweise seine Seltenheit, eine besondere Eigenart und eine auffallende Schönheit. „Das ist bei dieser Eiche nicht der Fall“, so Lüers Außerdem sei eine derartige Auszeichnung aufgrund der Überplanung auch gar nicht möglich. Generell seien nicht viele Bäume im Gemeindegebiet mit dem Status Naturdenkmal versehen.

Hände gebunden

Ob die Eiche wirklich weichen muss, steht indes noch nicht fest. Laut Hildburg Lüers könne es ja durchaus sein, dass der Grundstückseigentümer den Baum stehen lässt. Bei einem Vor-Ort-Termin erschien auch Stephanie Burkert von der Vermarktungsfirma Fimko, die für den Verkauf des Grundstücks zuständig ist. Sie beruhigte die Erschienenen: „Es gibt noch gar keine Pläne, das Haus abzureißen und neu zu bauen. Erst gerade sind neue Mieter eingezogen.“ Diese hätten einen befristeten Mietvertrag für ein Jahr, „aber mit der Option auf eine Verlängerung auf zwei Jahre“, wie Burkert bekräftigt.

Aufatmen. Oder? Ralf Krallmann von der FDP-Fraktion der Gemeinde Edewecht hat Bedenken. „Ich vermute, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Ich zweifle daran, dass diese Eiche – und im Übrigen auch weitere Bäume – stehen gelassen werden. Es geht letztlich dann doch um Profit. Was ist nach den zwei Jahren Mietvertrag?“ Bestärkt wurde er von Detlef Reil von Bündnis 90/Die Grünen: „Das wäre nicht der erste gesunde Baum, der Bauvorhaben weichen muss. Wir müssen das stoppen.“ Auch Thies Engelbarts von den Jungen Liberalen sowie Lukas Bockmeyer vom Vorstand der FDP Ammerland waren gekommen. Sie möchten sich ebenfalls für den Erhalt der Eiche einsetzen. Jedenfalls dann, wenn eine Fällung tatsächlich eines Tages zur Debatte stehen sollte.
 Wer Interesse an Details aus Bebauungsplänen hat, der kann diese auch online einsehen über das Bebauungsplanportal des Landkreises:  


     https://www.ammerland.de 
Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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