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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Gerüchte brodeln um Brechanlage

02.03.2019

Friedrichsfehn /Kleefeld Über Wolfgang Hilgen und sein gleichnamiges Bus- und Fuhrunternehmen wird in Friedrichsfehn derzeit viel gesprochen. Vor allem im Internet schießen die Gerüchte ins Kraut. Die Inhalte der emotional geführten Diskussion bezeichnet der vermeintliche Planer der Brechanlage nur als „Fake News“.

Was da in den Weiten der digitalen Welt kolportiert wird, ärgert ihn. „Ich will so eine Anlage gar nicht bauen“, sagt der Friedrichsfehner. Dabei wäre es seiner Meinung nach ganz einfach gewesen, all die Gerüchte aus der Welt zu räumen. „Man hätte mal mit mir persönlich sprechen können“, sagt der 56-Jährige. Das aber sei nicht geschehen.

Doch wie konnte die Geschichte so hohe Wellen schlagen? Die Ausgangslage: Wolfgang Hilgen möchte seinen Betrieb aus der Friedrichsfehner Gemeindemitte nach Kleefeld an den Jeddeloher Damm verlegen. Dort besitzt er ein sieben Hektar großes Grundstück, auf dem derzeit die neue Wache der Friedrichsfehner Feuerwehr samt Dorfgemeinschaftshaus für Kleefeld gebaut wird.

Brecher-Einsatz geprüft

Eine Halle des Unternehmens Hilgen gibt es bereits, ein Bürogebäude samt privater Betriebstankstelle soll folgen. Für das entstehende Misch- und Gewerbegebiet mit Platz für Kleinunternehmen benötigte Wolfgang Hilgen einen Bebauungsplan (Bebauungsplan 195 der Gemeinde Edewecht).

Bislang muss Hilgen seinen Fuhrpark (Busse, Lastwagen etc.) am Hauptsitz in der Friedrichsfehner Straße betanken. Das bedeutet: Mehr Spritkosten und Verkehr. „Ich möchte die Belastung aus dem Ort herausholen“, fasst Hilgen zusammen. Außerdem sei der Standort zu klein. Auch die Gemeinde Edewecht hat ein Interesse an der Umsiedelung: „Wir möchten das Unternehmen mit einer zukunftsfähigen Planung ausstatten“, sagt Rolf Torkel, Vertreter der Bürgermeisterin, „weil das für den Ort und den Betrieb eine Perspektive bietet“. Für den Ort unter anderem deshalb, weil durch das Gebiet ein Trassenvorschlag für eine Höchstspannungs-Erdverkabelung verläuft. Sie könnte die Hochspannungsleitung ablösen, die noch quer durch den Ort verläuft.

Und nun die Krux: Hilgen hat in seinem Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans auch den Einsatz einer mobilen Steinbrechanlage prüfen lassen. Darauf sind Bürger bei der Einsicht der Planungsunterlagen im Rathaus aufmerksam geworden und haben Alarm geschlagen. „Das ist aber nur eine theoretische Berechnung“, beschwichtigt Rolf Torkel, „die auch anhand jeder anderen lauteren Anlage hätte durchgeführt werden können“. Doch warum wurde die Berechnung ausgerechnet am Beispiel einer Steinbrechanlage durchgeführt, die das Potenzial für Missverständnisse mit sich bringt?

Planentwurf

Anwohner Torben Tölle sieht das so: „In den seit dem 18. Februar öffentlich zugänglichen Unterlagen zum Bebauungsplan 195 wird deutlich, dass eine konkrete Planung auf Errichtung einer Steinbrechanlage stattgefunden haben muss. Es liegt sogar schon ein Schallschutzgutachten für den Betrieb einer solchen Anlage vor.“

In dem Planentwurf, auf den sich Tölle bezieht, steht geschrieben: „Insbesondere im nördlichen Bereich der geplanten Gewerbegebietsfläche (GE) ist ggf. die Durchführung von Abbrucharbeiten unter Einsatz einer (mobilen) Brechanlage denkbar. Dementsprechend sind für diese Fläche erhöhte Emissionskontingente notwendig.“ Und weiter: „Insbesondere im Hinblick auf den möglichen Einsatz einer (mobilen) Brechanlage (...) kann das Heranrücken eines Wohngebiets dazu führen, dass derartige Arbeiten (...) nicht mehr ausgeführt werden können, ohne dass immissionsschutzrechtliche Konflikte zu erwarten sind.“

Tölle meint: „Wenn erst die Basis für den Betrieb einer solchen Anlage geschaffen ist, ist es doch deutlich einfacher, sie auch genehmigt zu bekommen“. Außerdem sei im Bebauungsplan bereits ein Gewerbegebiet mit erhöhten Imissionskontingenten ausgewiesen. Der Firmeninhaber selbst sagt: „So lange ich Wolfgang Hilgen heiße, wird hier keine Brechanlage stehen.“ Deutliche Worte, mit denen er für Klarheit sorgen will.

„Man weiß nicht, was in 25 Jahren ist“

Die allerdings bedeuten nicht zwangsläufig, dass es eine solche Anlage in Kleefeld nie geben wird. „Man weiß ja nicht, was in 25 Jahren mal ist“, merkt Sohn Frederic Hilgen (30) an. Denn schon lange recycelt das Unternehmen in Kleefeld belastete Aushubböden, so genannte Z-Böden. Diese Lagerfläche möchte die Firma Hilgen nun um zwei Hektar erweitern. Die Böden sind von Z1 bis Z5 kategorisiert, je nach Belastungsgrad. „Eine Belastung liegt aber schon vor, wenn nur Wurzeln oder Steine enthalten sind“, erklärt Frederic Hilgen. „Wir haben hier nur Z1- und Z2-Böden, in denen neben Wurzeln und Steinen wenn überhaupt mal Plastikreste sind.“

Ein Szenario formuliert Rolf Torkel und betont, dass es rein fiktiv sei, es sich also nicht um ein Vorhaben handelt: „Es könnte ja in ferner Zukunft mal sein, dass das aussortierte Gesteinsmaterial gesammelt wird, um es dann zu brechen.“ Doch das müsse zuvor nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt werden – und auch noch rentabel für das Unternehmen sein, was unwahrscheinlich sei ob des Aufwands (modernste Technik, ggf. Einhausung für das Gerät etc.). Und: Es wäre in einem öffentlichen Verfahren zu klären, unter welchen Auflagen eine solche Anlage in Betrieb genommen werden darf. Dasselbe gilt für die Anzahl der Betriebstage.

Betriebe dürfen Anwohner nicht „erheblich belästigen“

Fest steht: Das Gelände am Jeddeloher Damm ist als Gewerbegebiet (im nördlichen Teil mit erhöhtem Lärmaufkommen) deklariert, was bedeutet, dass Betriebe die Anwohner „nicht erheblich belästigen“ dürfen. Die Immissionsauflagen sind deutlich restriktiver als bei einem Industriegebiet. Um zu prüfen, ob eine Steinbrechanlage betrieben werden könnte, werden so genannte Ausbreitungsrechnungen vorgenommen, die, von einer bestimmten Quelle ausgehend, die Ausbreitung des zu erwartenden Lärms zum Ergebnis haben. Und: „Beantragen kann eine solche Anlage ja erst einmal jeder“, sagt Rolf Torkel.

Fest steht aber auch, dass im Vorfeld über eine mögliche Kategorisierung des Gebiets als eingeschränktes Industriegebiet diskutiert wurde. Das belegt ein Schriftwechsel vom 18. Dezember 2018 zwischen der Gemeinde und der Itap GmbH in Oldenburg, die sich unter anderem mit Schallschutz befasst. Auch das Planungsbüro Nwp in Oldenburg war involviert.

330 Unterschriften

Die Anwohner jedenfalls befürchten, dass der Schwerlastverkehr erheblich zunehmen werde und Schäden für Umwelt, Bürger und Infrastruktur vorprogrammiert seien. Sie bangen um ihre Ruhe, haben Angst vor Lärm und Staub. Eine Online-Petition gegen die Brechanlage auf der Internetseite der Interessengemeinschaft unter www.friedrichsfehner-gegen-brechanlage.de haben bereits 330 Menschen unterschrieben. In einem Flyer werden dort weitere Folgen aufgezählt: Gefährdung des Grundwassers durch kontaminierte Baustoffe, Wertverlust der Immobilien, frühzeitige Schäden an Gebäuden und Straßen sowie die starke Störung und Beeinträchtigung von Flora und Fauna.

„An all diesen Diskussionen beteiligen wir uns nicht“, sagt Frederic Hilgen (30), „besonders in den sozialen Medien nicht“. Hier werde jedenfalls nichts geschehen, was die Umwelt oder irgendeinen Friedrichsfehner störe, bekräftigt Wolfgang Hilgen. Er ist enttäuscht, schließlich leisteten er und seine Mitarbeiter ehrenamtlich unter Einsatz seiner Maschinen eine ganze Menge für die Gemeinschaft in Friedrichsfehn. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass sich das alles so aufschaukelt.“

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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