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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

GESCHICHTE: Ganz allein auf sich gestellt in den Krieg

28.07.2009

RASTEDE Zu Beginn des zweiten Weltkrieges begann die aktive Dienstpflicht der Wehrpflichtigen laut Wehrgesetz mit 20 Jahren. Im Laufe der Kriegsjahre wurden jedoch immer jüngere Jahrgänge einberufen. 1941/42 mussten 18-jährige Soldat werden. Mit der Ausrufung des „Totalen Kriegs“ wurden ab August 1943 auch Hitlerjungen unter 18 Jahren zu direkten militärischen Aufgaben in Wehrmacht und Waffen-SS herangezogen.

Am 23.11.1944 wurde dem im Februar 1928 geborenen Günter Onken aus Delfshausen bei der Musterung in der Gaststätte Zum Grafen Anton Günther „Kriegsverwendungsfähigkeit“ bescheinigt. Der „Entscheid über das Reichsarbeitsdienstverhältnis“ in seinem Wehrpass lautet: „Heranziehung“. Der 16-Jährige war „angenommen als Unteroffizier-Bewerber für Panzer-Jäger“. Günter Onken ging seit 1942 in der Molkerei in Rastede in die Lehre, wo er auch wohnte und verpflegt wurde. Seiner „Jugenddienstpflicht“ in der Hitlerjugend kam er bei der Feuerwehr-HJ nach, weil „man sich dort abends traf“, was beruflich am besten zu vereinbaren war.

Etwa eine Woche vor Weihnachten erhielt er seinen Einberufungsbefehl. Um ein Viertel Jahr vorgezogen durfte er am 20.12.1944 seine Gesellenprüfung ablegen. „Gemäß Bescheid fuhr ich dann einen Tag nach Weihnachten abends mit dem Zug Richtung Munsterlager.“ Mit seinen 16 Jahren war Günter Onken auf sich gestellt – niemand begleitete ihn.

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In einer Nacht im März 1945 kam es in Dänemark für ihn zu einer schier undenkbaren Begebenheit. „Wir hatten in einer Bahnunterführung Stellung bezogen. Jemand sang den Schlager „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“. Die heisere Stimme kam mir bekannt vor.“ Da „man die Hand nicht vor Augen sehen konnte“, musste er sich auch nach der Rückkehr „in die Viehwaggons, in denen wir untergebracht waren“, bis zum nächsten Morgen gedulden, um seine Vermutung bestätigt zu wissen. „Die ganze Nacht klammerte ich mich an den Gedanken“, erinnert sich der heute 81-Jährige. Rund 600 km von der Heimat entfernt, entdeckte er am Morgen beim Waschen am Fluss seinen vier Tage jüngeren Schulfreund Hermann Fastje.

Bis zum nächsten Wiedersehen sollte es Wochen dauern. Nach Kriegsende gehörte Günter Onken zu einer der ersten Marschkolonnen von Kapitulationsgefangenen, die in Heide/Holstein eintrafen. „Die Waffen mussten wir dort auf einen der vielen Haufen werfen und wurden dann in den Internierungsraum Eiderstedt geschickt.“ Hunderttausende Soldaten waren dort interniert. Der Zufall wollte es, dass die Schulfreunde sich Ende Mai an einer Verpflegungsstation wieder trafen, wo Hermann Fastje Essen ausgab.

Im Zuge der „Operation Barleycorn“ (Gerstenkorn) des britischen Oberbefehlshaber Montgomery wurden alsbald Landarbeiter gesucht. „Ich hob die Hand", berichtet Onken. Dann ging es schnell. Am 10. Juni 1945 wurde er mit seiner Qualifizierung als „Molkereiarbeiter“ aus der Internierung entlassen.

Als er ein paar Tage später „an einem warmen Sommerabend“ in Delfshausen ankam, standen die Eltern Fastje vor ihrem Haus. „Freudestrahlend konnte ich ihnen sagen, dass Hermann auch bald nach Hause kommt!“, erzählt er. Die Freundschaft der beiden Männer hat die Zeit überdauert. 1951 war Hermann Fastje Trauzeuge von Günter Onken. Beruflich verließ Günter Onken die Heimat. Nach seiner Pensionierung 1984 kehrten er und seine Frau Hanna nach Rastede zurück. Die hier ansässige Witwe des mittlerweile verstorbenen Freundes besuchen sie noch regelmäßig.

NWZ-Spezial: www.NWZonline.de/jahrestage2009

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