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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Weihnachten Bei Cordings In Garnholt: Zwischen Kuhstall und Bescherung

24.12.2018

Garnholt Weihnachten auf dem Bauernhof – das klingt nach Entschleunigung, Ruhe und jeder Menge Leckereien. Nun ja, für Familie Cording aus Garnholt fühlt sich das auch so an. „Wir versuchen, an den Tagen vorher so viel wie möglich zu schaffen, damit wir es an den Feiertagen nicht mehr machen müssen“, erzählt Landwirt Dirk Cording. Das Silo abdecken zum Beispiel oder den Hof fegen.

Die Tiere gehen vor

Und dennoch: 80 Milchkühe, 60 Bullen und allerlei Jungvieh haben auch an den Feiertagen so ihre Bedürfnisse. Die Existenz eines Fests namens Weihnachten ist ihnen gänzlich unbekannt. Und so gibt es für die Bewohner des Hofes auch an Weihnachten einigermaßen feste Tagespläne. Die Tiere gehen eben immer vor, besonders Bobby, ein langhaariger Mischling aus Schäferhund und englischem Springerspaniel. Er pflegt auf seinem Strohballen den Überblick zu bewahren und weiß von allen Tieren am ehesten, dass Weihnachten etwas Besonderes ist. Denn: „Bobby kriegt schon mal ’ne Extrawurst an den Feiertagen“, gibt Bianca Cording zu. Ein Feiertag bei den Cordings sieht so aus:

6 Uhr: Melken und Füttern 8.15 Uhr: Frühstück 9 Uhr: Arbeiten auf dem Hof 12 Uhr: Mittagessen 13 Uhr: Machen, was morgens nicht geschafft wurde. 15 Uhr: Kaffeetrinken 15.30 Uhr: Arbeiten im Stall 16 Uhr: Füttern, Melken, Einstreuen 18.30 Uhr: Feierabend Vorm Schlafengehen: Stallkontrolle. Futter ranschieben, Kälbertränke kontrollieren, vielleicht noch einer Kuh hochhelfen. Ist vielleicht irgendwo eine Wasserleitung geplatzt? Sind alle Tiere gesund? – solche Sachen eben – jeden Abend.

Der Hof der Cordings ist zweigeteilt: der alte Bauernhof und ein Neubau, ein Jahr alt. Sohn Malte (26) und Schwiegertochter Silke (26) wohnen mit den Großeltern Walter (73) und Lina (71) im alten Hofteil, Dirk (49) und Bianca (48) mit Sohn Niklas (16) im neuen Einfamilienhaus 80 Meter die Straße runter. Und zwischen diesen beiden Häusern spielt sich an den Feiertagen alles ab – auch für den Hund, denn der kann kommen und gehen, wann er will. Meist ist er ziemlich ungewaschen und das Fell voller Stroh.

Feiern in zwei Häusern

„Wenn die ganze Familie an Weihnachten da ist, sind das bestimmt 20 Leute“, freut sich Bianca Cording. Die Geschwister ihres Mannes etwa kommen dann mit ihren Familien vorbei. „Und auch unsere beiden Töchter sind dann zu Besuch.“ Dörthe (27) mit Familie und Birthe (21). Sind alle da, geht es munter zwischen den beiden Häusern hin und her. Gemeinsames Frühstück im Neubau, Kaffeetrinken am Nachmittag bei den Großeltern, abends in den Stall, dann Feierabend.

„Weihnachten ist die Zeit, in der wir uns Zeit füreinander nehmen“, sagt Dirk Cording, der trotz all der Arbeit seinen Hof und die Tiere nicht missen möchte. „Wenn ich plötzlich keine Tiere mehr hätte, das würde ich so nicht gut überstehen.“ Auch wenn manche ihre Eigenarten haben. „Es gibt welche, die einen ärgern, die möchte man morgens am liebsten nicht sehen“, erzählt Malte Cording. Aber es gebe eben auch die anderen, ohne Launen. Das Positive an der Arbeit zwischendurch liegt für ihn auf der Hand: „Da hat man wenigstes wieder Hunger.“

Spielen und Zeit haben

Aufwendige Speisen finden bei den Cordings allerdings nicht auf den Tisch: „Seit Jahren gibt es an Heiligabend ein schönes Abendbrot mit Fischplatte“, verrät Bianca Cording, „auch wenn wir mal Bockwurst und Kartoffelsalat ausprobiert haben.“ Opa Walter habe mal danach gefragt, doch irgendwie hatte sich dieser das wohl anders vorgestellt. „Der Vorschlag kam nie wieder“, sagt die 48-Jährige amüsiert, „es gibt wieder Fischplatte.“

Am allerwichtigsten ist der Familie das Zusammensein. „Wir spielen schon mal Monopoly“, sagt Bianca Cording, „und machen Dinge, die man sonst so häufig nicht macht.“ Spielen, spazieren gehen. „Man lässt es etwas ruhiger angehen an den Feiertagen“, resümiert Dirk Cording. Wenn nichts dazwischenkommt. „Wenn ein Kalb geboren wird, tüdelt man da noch hinterher“, führt er aus, „und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das auch dieses Jahr passiert.“ Vielleicht liegt ja am 24. Dezember ein echtes Christkalb im Stroh.

Die Damen des Hofes, Silke, Bianca und Lina, gehen indessen zu Weihnachten einer großen Leidenschaft nach: dem Backen. Christstollen, Plätzchen, Brot, Makronen. „Ich backe ein Rezept von meiner Mutter, die nicht mehr lebt, und von meiner Oma, die lebt auch nicht mehr“, zählt Bianca Cording auf. „Es ist einfach eine tolle Erinnerung an diese Menschen.“ Silke Cording ergänzt: „Wir backen aber auch neue Rezepte, allerdings meist aus alten Büchern.“ Malte Cording fügt grinsend an: „Wir haben sogar Trecker und Kühe als Ausstechformen.“ Der Kirchbesuch gehört zu den Traditionen der Cordings an Weihnachten: „Das gehört für mich dazu, sonst fehlt was“, sagt Bianca Cording. Silke Cording stimmt zu: „Es ist so, dass da gar nicht drüber geredet wird. Man geht eben einfach hin.“

„Nix draußen machen müssen“, das ist Malte Cording auch wichtig. Zwei bis drei Tage vor Heiligabend wird der Weihnachtsbaum geholt. Die Häuser sind eh schon weihnachtlich geschmückt. Und Dirk Cording freut sich darauf, dass er einfach mehr faulenzen kann.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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