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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

GESCHICHTE: „Heute ist die Eisenbahn ganz anders“

17.10.2009

OCHOLT Es war einer dieser Montage im ehemaligen Bahnhof Ocholt. Die Fernreisenden aus dem Raum Cloppenburg drängten sich in die kleine Schalterhalle, um eine Monatskarte zu erstehen. Der Mann hinter dem Fahrkartenschalter hatte alle Hände voll zu tun – Stress pur bedeutete dieser Ansturm für ihn.

Auch eine junge Dame reihte sich in die Schlange der Wartenden ein. Als sie an der Reihe war, beschied ihr der Mann jedoch bestimmt: „Du wohnst im Dorf, du hättest gestern kommen können.“ Eine Monatskarte bekam sie nicht an jenem Montag.

Geschichten wie diese kurze Episode gab es viele zu erzählen, als sich jetzt ehemalige Eisenbahner zu einem Wiedersehen im Ocholter Schützenhof trafen. „Ich habe Mitarbeiter verschiedener Dienststellen eingeladen“, erzählt Walter Bruns, der das Treffen organisiert hatte. Es waren Angestellte aus dem früheren Bahnhof Ocholt und der dazugehörigen Bahnhofsmeisterei, aus dem Bahnhof Bad Zwischenahn sowie der Signalmeisterei, des Ausbesserungswerkes und des Maschinenamtes Oldenburg – Werke und Ämter, die heute in dieser Form nicht mehr existieren.

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Technik hält Einzug

„Heute ist die Eisenbahn ganz anders“, sagt der 73-jährige Bruns. 1956 fing er bei der Bahnhofsmeisterei in Ocholt an, zwei Jahre später wechselte er zum Bahnhof. „Damals gab es dort 23 Bedienstete“, erinnert er sich und fügt an: „Heute sind es noch zweieinhalb.“

Die Technik hat Einzug gehalten in vielen Bereichen, in denen damals noch menschliche Arbeitskräfte nötig waren, als Schranken- und Signalposten oder wie Bruns im Stellwerk. Selbst über eine eigene Feuerwehr verfügte der Bahnhof damals. Bruns zumindest versah regelmäßig seine Übungsdienste.

„Kursbücher gibt es nicht mehr“, führt der 84-Jährige ein weiteres Beispiel an und meint augenzwinkernd: „Nur wenn der Strom ausfällt, sieht’s schlecht aus.“

Doch der ehemalige Eisenbahner will die Modernisierung nicht schlecht reden: „Es ist gut, dass die Technik eingezogen ist, sonst würde noch viel mehr passieren“, erinnert er sich an schreckliche Unglücke, die in seiner Dienstzeit geschahen.

20 bis 25 Reisezüge passierten Ocholt in jener Zeit täglich, hinzu kamen die Güterzüge. „Wir hatten sehr viel internationalen Güterverkehr“, blickt Harald Baumann zurück. Der heute 79-Jährige war von 1963 bis 1971 Leiter des Ocholter Bahnhofes. Zu jener Zeit waren ihm die Bahnhöfe Westerstede, Barßel, Elisabethfehn und Strücklingen unterstellt.

Milch für Amerikaner

„Auf der Schiene wurden viele Erzeugnisse aus den Baumschulen transportiert“, schildert Baumann. Immer sonntags gab es zudem eine spezielle Lieferung: „In Ocholt fuhr ein Kesselwagen voller Milch für die Amerikaner bei Frankfurt ab.“

In Erinnerung geblieben ist dem damaligen Bahnhofsvorsteher auch eine „echte Rationalisierung“. Als im Dezember 1968 ein Drucktasten-Stellwerk das mechanische Stellwerk ablöste, kostete dies Arbeitsplätze: „Plötzlich hatte ich nur noch 18 Mitarbeiter“, berichtet Baumann. Gleichzeitig wurden auch verschiedene Schrankenposten aufgelöst und durch Blinklichtanlagen ersetzt.

Zwischen Oldenburg und Leer gab es in jener Zeit mehr als 50 Schranken, die bedient werden mussten, weiß Franz Resch. Der heute 84-Jährige fing als 14-Jähriger bei der Bahn in Ocholt an und war von 1963 bis 77 Dienststellenleiter in Augustfehn, bevor dieser Bahnhof dem in Leer unterstellt wurde.

„Es gab damals unheimlich viele Ermäßigungen“, erinnert sich Resch an seine Zeit als Lehrling im Schalterdienst in Ocholt. Rund 100 verschiedene, vorgedruckte Fahrkarten und zusätzliche Blankokarten lagen bereit. Für die Ermäßigungen waren zudem stets Vordrucke erforderlich.

„Jeder Schüler musste, um die Ermäßigung zu bekommen, solch einen Vordruck ausfüllen“, erzählt Resch und berichtet weiter: „Wenn zwei Geschwister die gleiche Schule besuchten, gab es sogar eine Geschwisterermäßigung.“

Nur Erinnerungen bleiben

Der Bahnhof Ocholt war zu jener Zeit noch eine eigene Bundesbehörde, eine sogenannte „Hauptdienststelle“. Später, Dienststellenleiter Harald Baumann war inzwischen in den gehobenen Dienst gewechselt, wurde der Ocholter Bahnhof der Station in Bad Zwischenahn unterstellt, die wiederum einige Jahre später dem Bahnhof in Oldenburg angegliedert wurde, schildert Baumann die Entwicklung.

Heute existieren weder das Bahnhofsgebäude noch die Tunnelaufgänge oder das Stellwerk im Fachwerk-Stil noch. Sie wurden vor vielen Jahren abgerissen – was bleibt, sind alte Fotos und die Erinnerungen der ehemaligen Eisenbahner.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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