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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Knochenarbeit zwischen Gräbern

15.02.2012

HAHN-LEHMDEN Vor einigen Tagen wurde Ewald Westie gefragt, ob er zurzeit überhaupt Gräber ausheben könne. Eine berechtigte Frage angesichts des starken Frostes, der tief in den Boden eindrang. Westies klare Antwort: „Wegen des Frostes muss keine Beerdigung ausfallen.“

Westie ist Friedhofswärter und steht an diesem Dienstagmittag auf dem Friedhof in Hahn-Lehmden. Auch wenn das Thermometer schon wieder Plusgrade anzeigt, gestaltet sich die Arbeit für den 45-Jährigen äußerst mühsam. Der Frost steckt immer noch tief im Boden.

„Das ist Knochenarbeit“, sagt Westie und setzt einen Bohrhammer mit aufgestecktem Meißel an. Auf seinem Gesicht spiegelt sich die Anstrengung wider.

Rund drei Stunden dauere es bei normalen Witterungsbedingungen, ein Grab auszuheben. Den schwersten Teil der Arbeit verrichte dabei ein Bagger. „Bei diesem Wetter dauert es fast doppelt so lange“, berichtet Westie.

Seit zehn Jahren arbeitet der gelernte Tischler schon als Friedhofswärter. „Dass wir solche Bedingungen hatten, ist schon länger her“, weiß Westie.

Zwar seien bereits die vergangenen drei Winter kälter gewesen. Da lag aber viel Schnee, der wie ein Dämmschutz wirke. So dringt der Frost nicht so tief in den Boden ein wie er es in diesem Jahr tat.

„Auf dem Friedhof in Ras­tede hatten wir bis zu 55 Zentimeter Frost im Boden“, schildert Westie und fügt an: „Hier in Hahn sind wir bei knapp 50 Zentimeter.“

Der Friedhofswärter greift auf eine einfache Formel zurück, um zu erklären, wo die Bedingungen schwieriger und wo leichter sind: „Mehr Mutterboden bedeutet mehr Frost.“

Der Grund dafür ist einfach. Mutterboden speichere mehr Feuchtigkeit als etwa Füllsand. Und bei hartem Frost gefriert diese Feuchtigkeit natürlich.

Normalerweise steckt Westie mit einem Spaten die Größe eines Grabes ab. Mit einem Bagger wird es dann ausgehoben. Bei Frost kann der Friedhofswärter jedoch nicht auf die Maschine zurückgreifen. „So wie der Boden jetzt ist, würde die Schaufel nur auf- und zugehen – ohne in den Boden einzudringen.“

Deshalb muss Westie zum Bohrhammer greifen und den Frost erst einmal aufbrechen. „Das ist ungefähr so, als wenn ich mit Hammer und Meißel ein Loch in die Wand hauen will“, erklärt der 45-Jährige. Mit einem Unterschied: Die Arbeit auf dem Friedhof ist ungleich anstrengender. „Nach zwei Minuten kann ich meine Jacke ausziehen“, sagt Westie.

Allein fünf Gräber müssen in dieser Woche in Hahn-Lehmden ausgehoben werden. Das sei ungewöhnlich viel, weiß der Friedhofswärter und setzt den Bohrhammer wieder an.

Er hat noch viel Arbeit vor sich an diesem Dienstag. Ob Frost oder nicht: Den Verstorbenen soll bei jedem Wetter ein würdiges Begräbnis ermöglicht werden.

Seit 1. Januar 2012 ist die Arbeit der Friedhofswärter in der Gemeinde Rastede konzentriert worden. Es wurde auf Beschluss des Gemeindekirchenrates ein sogenanntes „Team Liegenschaften“ gebildet. Die drei Friedhofswärter Ewald Westie (Hahn-Lehmden), Burghard Kaper (Rastede) und Michael Ziemann (Wahnbek) arbeiten nun nicht mehr auf ihren angestammten Friedhöfen, sondern dort, wo ihre Arbeitskraft gerade benötigt wird. Der Vorteil ist aus Sicht Ewald Westies, dass nun zwei Friedhofswärter schwere Arbeiten gemeinsam erledigen, was zu einer körperlichen Entlastung führe. Der Koordinationsaufwand sei nun allerdings größer geworden und es fallen mehr Fahrten an als bisher.

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

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