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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Mit dem „Dubbelspor“ ins Spitt

25.07.2009

KAYHAUSEN „Torf wärmt zweimal“ ist eine Redewendung, die jüngere Menschen wohl nicht mehr verstehen können. Den Sinn wissen jedoch Angehörige jener Generation, deren Eltern oder Großeltern noch über ein eigenes Stück Torfmoor verfügten. Das Torfgraben per Hand zur Gewinnung von Brenntorf für den Hausgebrauch ist heute zwar fast vergessen – doch dank der Mitglieder des Brauchtumsauschusses des Zwischenahner Heimatvereins wird auch diese Tätigkeit bewahrt und gepflegt. Übrigens: „Torf wärmt zweimal“ heißt, dass diese Art der Torfgewinnung eine schweißtreibende Tätigkeit ist, und dass der Torf das zweite Mal wärmt, wenn er im Ofen glüht.

Herbert Wehmhoff vom Brauchtumsausschuss kennt sich mit dem Torfgraben aus: „In den 50-er und 60-er Jahren hatte fast jeder Zwischenahner Haushalt im Kayhauser-, Speckener- oder Ekerner Moor sein ,Pfand’, wo jährlich Schwarztorf und auch Weißtorf gegraben wurde. Schwarztorf war in unserer Gegend das Brennmaterial für den Küchenherd und für die Öfen im Haushalt. Er wurde im Mai gegraben. Wenn die Kartoffeln gepflanzt waren, dann ging es morgens meist ganz früh ins Moor, um Torf zu graben“, weiß Wehmhoff aus eigener Erinnerung.

„Moorvogt" war seinerzeit Gerd Borchers vom Kayhauser Kamp. Er war Beauftragter vom Siedlungsamt und teilte die „Pfänder“ („Pand“) zu. Anfang der 70-er Jahre wurde wegen der damaligen günstigen Ölpreise die mühselige Arbeit des Torfgrabens größtenteils eingestellt.

Die Kurbetriebe Bad Zwischenahn sind Eigentümer einer größeren Abbaufläche im Kayhauser Moor. Auf einer Teilfläche im Bereich Ecke Lüneburger Damm/Sonnentauweg ist heute noch ein Torfspitt zu sehen. Es wurde hergerichtet, um Besuchern zu zeigen, wie früher Torf gewonnen wurde. „Die Idee stammte in den 80-er Jahren insbesondere vom damaligen Bur des Heimatvereins Bad Zwischenahn, Bruno Sieling“, so Wehmhoff.

Der Brauchtumsausschuss unter Vorsitz von Renate Hauken hat Anfang des Jahres das Torfgraben neu aufleben lassen. Mit Begeisterung packten Herbert Lücking, Erich Baumeister und Herbert Wehmhoff Ende Mai ihr „Torfgeschirr“ zusammen, um Schwarztorf zu graben, tatkräftig unterstützt durch Rudolf Lüers (Kurbetriebe). Nachdem das Spitt hergerichtet war, ging es mit so exotischen Geräten wie „Watter, Enkelspor, Duppelspor, Joger und Boltspor“ (Spor plattdeutsch für Spaten) an die Arbeit. Mitte Juli, etwa sechs Wochen nach dem Torfgraben, haben Lücking, Baumeister, Wehmhoff und Gerd Neumann die Soden zum Trocknen „geringt“. „Hierbei kann man drei oder vier Soden im Drei- oder Viereck nebeneinander und fünfmal diese Anzahl nach oben hin verjüngend übereinander legen“, beschreibt Wehmhoff den Vorgang des Torfringens.

In früheren Zeiten wurden etwa sechs Wochen später mit so genannten „Kreiten“ (größere Holzkörbe, die wie eine Senfte von zwei Personen getragen werden mussten) größere Haufen gebildet. Ein Torfhaufen war etwa ein Ackerwagen voll.

Weitere sechs Wochen später wurde der Torf mit dem Pferdefuhrwerk eingefahren und für den Winter gelagert. Und wenn dann die Kartoffeln geerntet waren, ging’s zum Kramermarkt.

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