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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Wo die Hoffnung auf bunte Äcker keimt

15.05.2019

Mollberg /Heidkamperfeld Im Anbau von mehrjährigen Wildpflanzenmischungen als weitere Kultur zur „Fütterung“ von Biogasanlagen sieht die Landesjägerschaft eine Möglichkeit, die Arten- und Insektenvielfalt wieder deutlich zu erhöhen. Mit positiven Effekten für Natur und Grundwasser. Auch der Hegering Wiefelstede ist bereits mit zwei Projektflächen in Mollberg und Heidkamperfeld von zusammen gut acht Hektar im Boot. Dort wurde im vergangenen Jahr mit der Ansaat solcher Mischungen begonnen – ein Projekt, das in Niedersachsen 2020 bereits auf gut 150 Hektar laufen wird und nach Angaben der Jäger Politik, Behörden und Bevölkerung die positiven Effekte eines solchen Kulturanbaus veranschaulichen soll. Denn obwohl die Ansaat von Wildblumenmischungen aus Sicht der Jägerschaft viele Vorteile auch für Natur, Umwelt und das Grundwasser mit sich bringt, müssen Landwirte und Politik derzeit offenbar noch überzeugt werden. Denn dabei spielt auch eine bislang nicht vorhandene Förderung eine Rolle. Am Dienstag trafen sich deshalb Vertreter der Jägerschaft, der Landwirtschaftskammer und von Landwirten sowie die Vorsitzende der Bingo-Umweltstiftung, Sigrid Rakow, in Wiefelstede, um künftige Fördermöglichkeiten auszuloten.

„Der Ertrag ist bei mehrjährigen Wildpflanzen nicht so hoch wie beim Energiemais“, begründen Hegeringsleiter Michael Sander und Mitglied Wilfried Helmsen die dringende Notwendigkeit einer Förderung, denn: „Der Minderertrag macht pro Jahr und Hektar im Vergleich zum Energiemais für Landwirte etwa 400 bis 500 Euro aus.“ Allerdings seien auch die Aufwendungen für Einsaat und Bodenbewirtschaftung deutlich geringer. Die Jäger sehen jedoch „immense Vorteile“ für die Artenvielfalt.

Das ist drin in der Wildpflanzenmischung

Die Mischung „BG 90“ des Saatgutherstellers Saaten-Zeller, mit der derzeit beim Wildpflanzenmonitoring in Niedersachsen gearbeitet wird, beinhaltet folgende Pflanzenarten:

Eibisch, Hundskamille, Beifuß, Schwarze Flockenblume, Wegwarte, Wilde Möhre, Wilde Karde, Natternkopf, Fenchel, Alant, Rosenmale, Futtermalve, Wilde Malve, Luzerne, weißer Steinklee (ein- und zweijährig), Gelber Steinklee, Esparsette, Färber-Wau, Rote Lichtnelke, Rainfarn, Königskerze und Sojaschrot.

Lediglich 10 Kilo dieser Mischung werden auf einen Hektar aufgebracht, das ist lediglich 1 Gramm auf den Quadratmeter.

Die Flächen blühen vom Frühjahr bis in den Herbst hinein und bieten Insekten jede Menge Nahrung – und mit diesen Bodenbrütern wie Rebhuhn und Fasan ebenfalls dringend benötigte Nahrung für die Aufzucht der Jungvögel gerade im Mai und Juni jeden Jahres, argumentieren die Jäger. Auch im Winter blieben auf diesen Flächen Rückzugsräume für Niederwild und viele nicht jagdbare Arten, weil die Wildpflanzen auch nach der Ernte samt Wurzelwerk im Boden verbleiben und wieder wachsen. Dann seien andere Kulturpflanzen von den Äckern längst verschwunden.

Äcker mit mehrjährigen Wildpflanzen, die im Übrigen nicht als Tierfutter verwendet werden können, binden nach Angaben der Jäger deutlich mehr Stickstoff und damit auch Nitrat als Mais und anderes Getreide – vor allem, weil die Kultur auch nach der Ernte eben wieder durchgrüne und so praktisch 365 Tage im Jahr weiter Stickstoff binde. „Und das Ganze bei normaler Düngung“, betont Sander die Vorteile fürs Grundwasser. Dreimal im Jahr würden in Mollberg und in Heidkamperfeld derzeit Bodenproben aus verschiedenen Tiefen entnommen. Diese zeigten gerade auch nach der Ernte und im Winter deutlich reduzierte Stickstoffmengen in den tieferen Schichten. Auch ein derzeit laufendes Wildpflanzenmonitoring zur Nährstofffixierung auf niedersächsischen Flächen in einer Gesamtgröße von rund 30 Hektar bestätigt diesen Trend eindeutig, erklärte am Dienstag der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Josef Schröer (Lingen). Die Ergebnisse würden 2020 im Landwirtschaftsministerium in Hannover vorgestellt – und Schröer zeigte sich am Dienstag bislang überaus zufrieden.

Trotz all dieser Vorteile: „Für die Landwirte muss sich so etwas finanziell lohnen, ein Ausgleich für den geringeren Ertrag im Vergleich zum Energiemais muss geschaffen werden“, sagt Helmsen. Deshalb wurde am Dienstag in Wiefelstede folgerichtig ein Positionspapier erarbeitet, mit dem die Jägerschaft vor allem an die Politik auf allen Ebenen herantreten will.

Darin heißt es unter anderem: „Um weitere Flächenbewirtschafter und Landwirte für den Anbau mehrjähriger Wildpflanzen zu gewinnen, sind zusätzliche Anreize unerlässlich: Die Förderung von Saatgutkosten ist eine Möglichkeit, den Anbau (...) attraktiver zu gestalten. Weiterhin sollte in Zukunft, insbesondere bei der Fortschreibung der Gemeinsamen Agrarpolitik, darauf geachtet werden, die Förderfähigkeit des Anbaus von Wildpflanzen zur Energiegewinnung im Rahmen von Greening oder bei kommenden Alternativen umzusetzen.“

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