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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Landvolktag: Streicheleinheit für Bauernseelen

16.03.2018

Ohrwege /Ammerland Ein Tippfehler bei der An- und Abmeldungen von Tieren auf dem Hof kann für Landwirte richtig teuer werden. „Ein Fehler in 10 000 eingegebenen Zahlen kann schnell fast 2000 Euro Kürzungen bedeuten“, sagte ein Landwirt am Donnerstag beim Landvolktag des Ammerländer Landvolkes im Ohrweger Krug. Hören sollte das vor alle Ministerin Barbara Otte-Kinast, in der Landesregierung zuständig für Ernährung, Landwirtschaft, und Verbraucherschutz. Sie war als Gast zum Landvolktag gekommen, um sich, wie sie sagte, „Hausaufgaben“ von den Anwesenden mitgeben zu lassen. Probleme mit der Bürokratie auf den Höfen kennt die Ministerin: „Bis vor wenigen Monaten habe ich das auf unserem Hof gemacht. Jetzt müssen es mein Mann und unsere Kinder mit erledigen“, sagte die Ministerin. Und auch die hätten mit den bürokratischen Anforderungen jetzt ziemlich zu kämpfen.

Hausaufgaben gab es noch mehr: Die Kommunen müssten mehr Geld für den ländlichen Wegebau bekommen, die Breitbandanbindung verbessert, Landwirte bei der Arbeit in Wasserschutzgebieten besser unterstützt werden, – die Liste der Wünsche der Landwirte war lang.

Nicht alle Fragen konnte die Ministerin sofort beantworten – sie sagte aber zu, das nachzuholen. Für sie stehe fest: „Die Landwirte in Niedersachsen machen einen Bombenjob.“ Landwirt sei ein Traumberuf, trotz aller Belastungen. Und: Landwirtschaft gehöre an die dafür besonders geeigneten „Gunststandorte“, die es eben in Europa und besonders in Deutschland gebe – anders als etwa in Afrika.

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Streicheleinheiten für die Seelen der Landwirte gab es auch von Landrat Jörg Bensberg: Der Landwirt, im Dorf einst eine wichtige und geachtete Persönlichkeit müsse sich heute mit der Schizophrenie der Verbraucher herumschlagen. Immer höhere Ansprüche an Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz auf der einen Seite, der Wunsch nach Tiefstpreisen auf der anderen.

Die Ammerländer Landwirte meisterten diesen Spagat, so Bensberg und dabei unterstütze sie die Verwaltung wo immer möglich. Ein Stück Kritik konnte sich der Landrat aber nicht verkneifen: „Es gibt auch im Ammerland Berufskollegen, die es mit Tier- und Umweltschutz nicht so genau nehmen. Sie sind diejenigen, die besser als jeder andere wissen, wer das ist. Und sie tun gut daran, diese Kollegen anzusprechen – in ihrem eigenen Interesse.“

Den Ball nahm der Landvolk-Vorsitzende Manfred Gerken auf. Er persönlich stehe als Ansprechpartner für Landwirte und Nicht-Landwirte zur Verfügung, wenn es um Missstände gehe – und diese Möglichkeit werde auch schon genutzt.

Aber auch der Landvolk-Vorsitzende machte vor allem deutlich, dass Landwirte sich unter Druck fühlten. Die Düngeverodung sei ein bürokratischer Moloch, der viele Familienbetriebe zum Aufgeben bringen werde. Der Wolf, der zumindest als Durchreisender im Ammerland angekommen sei, mache den Haltern von Weidevieh Angst und auch die Preisentwicklung für die landwirtschaftlichen Produkte habe sich zwar entspannt, sei aber lange noch nicht gut, sagte Gerken vor den Landwirten und zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung.

Reichlich Hausaufgaben also, die die Ministerin bis zum nächsten Landvolktag zu erledigen hat.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Westerstede
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