• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Im Jadebusen wird ein abgestürztes Flugzeug gesucht
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 9 Minuten.

Mehrere Schiffe Im Einsatz
Im Jadebusen wird ein abgestürztes Flugzeug gesucht

NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Rechtsstreit um „vergessene Ruine“ in Rastede

14.07.2018

Rastede Das verfallene Erdgewächshaus am Rande des Palaisgartens in Rastede ist eines der wenigen verbliebenen Relikte, die noch an die frühere Schlossgärtnerei erinnern. Rund um die Ruine entstanden seit 2011 mehrstöckige Stadtvillen und entzogen das unter Denkmalschutz stehende Gebäude so dem Blick der Öffentlichkeit. Jetzt hat sich jedoch ein Rechtsstreit um das historische Gewächshaus entzündet.

Michael Thie, Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich das Gebäude befindet, hatte beim Landkreis Ammerland einen Antrag auf Abriss des Erdgewächshauses gestellt, den die Behörde aber ablehnte. Daraufhin reichte Thie jetzt beim Oldenburger Verwaltungsgericht Klage ein.

Mit dem Kauf des Grundstücks habe er auch einen Erhaltungsauftrag übernommen, sagt Thie. Dem wolle er auch nachkommen, das Nutzungskonzept müsse aber stimmig sein. Und genau da hakt es offenbar. Denkmalschutz und Nutzung beißen sich, sagt der Eigentümer. Bei der letzten Begehung sei festgestellt worden, dass die Substanz des historischen Gebäudes so schlecht ist, dass an einen Erhalt nicht zu denken sei, sagt Thie. Ein Gutachten habe dies bestätigt.

Abriss beantragt

Bereits vor drei Jahren hatte der Rasteder Pläne, das Erdgewächs­haus als Ausstellungsfläche für Kunst zu nutzen. Sämtliche Sanierungsarbeiten an dem verfallenen Gebäude dürfen jedoch nur in Abstimmung mit dem Denkmalschutz erfolgen. Dort seien seine Ideen und Konzepte aber entweder verworfen oder abgelehnt worden, sagt Thie. Das Gebäude nur zu sanieren und ohne Nutzung stehen zu lassen, das komme für ihn nicht in Frage. Deshalb habe er beim Landkreis einen Abriss der Ruine beantragt, den er aber eigentlich gar nicht anstrebt, wie er sagt.

Schlossgärtnerei vielfach national und international ausgezeichnet

Das Erdgewächshaus gehörte einst zur Schlossgärtnerei, die sich bis zum 30. Juni 2007 auf dem Gelände zwischen Oldenburger Straße und Feldbreite in Rastede befand. Heute befindet sich dort das Wohnquartier „Alte Schlossgärtnerei“.

Mit der Geschichte der Schlossgärtnerei beschäftigte sich Gemeindearchivarin Margarethe Pauly ausführlich im Rasteder Archivboten vom August 2007.

1866 erwarb Großherzog Nikolaus Friedrich Peter den an der Südwestseite des Palaisgartens gelegenen Südender Hausmannshof. Dieses Gelände sollte dem Staat angeboten werden, um dort ein neues Amtshaus zu errichten. Denn: Der Großherzog wollte den Bereich zwischen Schloss und St.-Ulrichs-Kirche, auf dem sich in jener Zeit das Amtshaus befand, seinem Park hinzufügen.

Als 1868 das Amt Rastede aufgelöst wurde, wurde kein Amtshaus mehr benötigt. Auf dem Gelände am Palaisgarten erfolgte sodann die großzügige Anlage einer Hofgärtnerei. Davon profitierte unter anderem der Schlossgarten, weil die Gewächshäuser hinter dem Schloss und dem Kavalierhaus entfernt werden konnten.

Das 1861 errichtete Wohnhaus mit Stall des Rechnung­stellers Carl Heinrich Geiler wurde erworben und diente fürderhin als Wohnhaus für den Hofgärtner. Der Garten wurde nach und nach mit einer hohen Ziegelsteinmauer umgeben – außer zur Oldenburger Chaussee hin. Auf dem Gelände entstanden auch zwei große Wasserbassins, ein Brunnen sowie Gewächshäuser.

Nachdem die Gärtnerei in ihrer Anfangszeit der Versorgung des Hofes diente, produzierte sie in den vergangenen Jahrzehnten fast ausschließlich für den Verkauf. Spezialisiert war sie auf Azaleen- und Erika-Topfkulturen. Für die Azaleen wurde die Schlossgärtnerei vielfach auf nationaler und internationaler Ebene ausgezeichnet.

Heiko Kramer von der Unteren Denkmalbehörde beim Landkreis Ammerland bestätigt, dass ein Antrag auf Abriss des Erdgewächshauses gestellt worden sei. Diesen habe der Landkreis abgelehnt – wegen der besonderen Bedeutung des Gebäudes. „In Niedersachsen gibt es nur zwei dieser Gewächshäuser“, sagt Kramer.

Auf den Seltenheitswert weist bereits der Bebauungsplan Nr. 92 „Alte Schloßgärtnerei“ aus dem Jahr 2011 hin. Darin heißt es unter anderem: „Das Gewächshaus ist im Verzeichnis der Baudenkmale (...) aufgeführt. Es handelt sich dabei um ein Erdgewächs­haus, z.T. noch mit alter Verglasung und Belüftungsrohren mit originalen Verschlussklappen. Es datiert aus dem 19. Jahrhundert. Die wesentliche Schutzbegründung ist der Seltenheitswert.“ Aus diesem Grund ist in dem Papier vermerkt: „Das Erdgewächshaus wird als Denkmal erhalten bleiben und wieder aufgebaut werden.“

Baudenkmal erhalten

Das Erdgewächshaus war Teil der Schlossgärtnerei, die sich fast 140 Jahre auf dem Gelände zwischen Oldenburger Straße und Feldbreite befunden hatte. 2007 wurde sie aufgegeben (siehe Infokasten). Seit 2011 waren auf dem Areal mehrere Stadtvillen, ein Pflegeheim und weitere Wohnhäuser entstanden. In den politischen Beratungen, die 2011 am Anfang der Planungen für das Wohngebiet standen, herrschte Einigkeit darüber, dass nicht nur das Erdgewächshaus, sondern auch eine noch vorhandene historische Mauer als Abgrenzung zur Feldbreite und das Betriebsleiterwohnhaus an der Oldenburger Straße erhalten werden müssen. Im Bebauungsplan wurde das Erdgewächshaus denn auch als Baudenkmal festgesetzt.

Der ursprüngliche Projektentwickler des Gebietes, Matthias Decker, hatte seinerzeit gesagt, dass das Erdgewächs­haus die „Keimzelle“ der Rhododendronzucht im Ammerland darstelle. In dem Gewächshaus sollen einst die ersten Rhododendren überwintert haben, sagt auch Kramer von der Unteren Denkmalbehörde.

Der Landkreis sehe zwar durchaus das Problem einer Nutzung des Erdgewächshauses, „einfach abreißen lassen, kann es aber auch nicht sein“, meint Kramer. Es gebe daher einen regelmäßigen Austausch mit dem Landesamt für Denkmalpflege darüber, wie das Gebäude genutzt werden könnte. Dass der Zustand des Gewächshauses schlecht ist, sieht dabei auch der Landkreis. „Daran lässt sich nichts deuteln“, sagt Kramer.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
Rufen Sie mich an:
04402 9988 2620
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.