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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Warum Senf das Wasser schützt

02.08.2014

Wiefelstede Der landesweite Streit um die Nitratbelastung des Grundwassers verunsichert die Landwirte in der Gemeinde. „Wenn ich in der Zeitung lese, dass das Grundwasser verseucht ist, kann ich nicht verstehen, warum so eine Brühe noch verkauft wird“, sagt Wilfried Reins. Der Landwirt aus Wemkendorf ist einer von vielen in der Gemeinde, die sich bereits für den Trinkwasserschutz engagieren.

Berichterstattung über zu hohen Nitratgehalt und Schuldzuweisungen an die Landwirte von Seiten der Landesregierung in Hannover machen ihn und seine Kollegen wütend, sie sind regelrecht frustriert. Auf Initiative des AEK Wiefelstede hin hat sich daher jetzt der Ammerländer Landvolkverband mit der Belastung des Grundwassers durch Nitrate auseinandergesetzt.

36 Vereinbarungen

„Es gibt 36 verschiedene freiwillige Vereinbarungen, mit denen die Landwirte das Grundwasser schützen können“, erklärt Tatjana Hoppe vom Ammerländer Landvolkverband.

Gemeinsam mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) können die Landwirte diese Vereinbarungen zum Wasserschutz abschließen, wenn die Anbauflächen in Trinkwasserschutzgebieten liegen. Für Wiefelstede betrifft das den Bereich des Trinkwasserschutzgebietes Nethen.

Ein Beispiel für solch eine Vereinbarung ist der Anbau von Zwischenfrüchten. Am Ortsausgang Wiefelstedes Richtung Bokel wachsen derzeit verschiedene Sorten, darunter auch Senfpflanzen. Bei frühem Getreide steht normalerweise nach der Ernte der Acker für längere Zeit leer. Der Stickstoff im Boden wird dabei nicht mehr genutzt und kann eine Belastung darstellen, wenn er bis zum Grundwasser vordringt.

„Zwischenfrüchte nehmen den weiteren Stickstoff aus dem Boden auf“, erklärt Hoppe. So könne die Pflanze ihn speichern. Werde die Fläche wieder für den Anbau von Getreide benötigt, könnten die Zwischenfrüchte in den Boden eingearbeitet werden. So wird der Stickstoff für die Nutzpflanze zurück gegeben.

Zwischenfrüchte sind nur eine Maßnahme. Beispielsweise lässt sich der Dünger über spezielle Technik ausbringen, weniger Düngung kommt ebenfalls in Frage. „Der Landwirt wählt aus, was für ihn ins Konzept passt“, so Hoppe.

Unterstützung erhalten die Landwirte von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Tammo Luers berät die Landwirte. „Die Vereinbarungen basieren auf Freiwilligkeit. Letztendlich engagieren sich die Landwirte aus Überzeugung“, sagt Luers. Die Maßnahmen sind alle mit Aufwand verbunden, für die die Landwirte nur eine geringe Entschädigung bekommen. Laut Landvolkverband engagieren sich 54 Prozent der Landwirte im Schutzgebiet Nethen. Hier seien in einer Tiefe von bis zu 20 Metern Nitratwerte von bis 28 Milligramm pro Liter (2012) gemessen worden.

Ziel ist es, nicht mehr als 50 Milligramm zu überschreiten. Im Bereich des oberflächennahen Wassers lag der Wert für Nethen bei 91 Milligramm pro Liter. Auch Egon Harms, Bereichsleiter Grundwassergewinnung und Ressourcenschutz beim OOWV, berichtet von teils erhöhten Werten im oberflächennahen Bereich.

Druck aus dem Süden

Das Wasser wird zwar aus größeren Tiefen gefördert. Aber es bleibt abzusehen, was mit dem Nitrat geschieht, wenn es mit dem Wasser weiter versickert. Wie kommt es zu der Belastung? „Das lässt sich nur schwer interpretieren“, sagt Harms. Gerade in Wiefelstede sei der Boden aus vielen verschiedenen Materialien. 

Außerdem nehme der Druck auf die Landwirte durch erhöhte Pachtpreise und der Konkurrenz aus dem südoldenburgischen Raum stark zu. Vor allem dort sei die Nitratbelastung wegen Überdüngung deutlich erhöht. „Im Ammerland ist es deutlich entspannter“, so Harms. Er gibt sich hoffnungsvoll, dass hier die freiwilligen Vereinbarungen greifen.

Das hoffen auch die Wiefelsteder Landwirte. „Es ist eine gewisse Extraarbeit, aber das ist es uns Wert“, ist sich Landwirt Wilfried Reins sicher.

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