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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Wenn Forscher im Trüben fischen

31.01.2015

Bad Zwischenahn Es hat schon etwas von Glücksspiel, was Svea Mahlstedt mit ihrem Team im Zwischenahner Meer die vergangenen Tage gemacht hat. Es hat aber auch System, wie man es von Wissenschaftlern erwartet.

Die Archäologin des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung (Wilhelmshaven) sucht nach steinzeitlichen Siedlungsplätzen aus der Zeit zwischen 5500 und 3500 vor Christus. Unterstützt wird sie dabei von den beiden Tauchern Feiko Wilkes (Archäologe aus Kiel) und Biologe Daniel Kunze aus Oldenburg. Biologe Matthias Wehlamp komplettiert das Forscherteam als Taucheinsatzleiter.

Bereits im Herbst hatte Mahlstedt an Land nach Spuren gesucht (die NWZ  berichtete), nun auch unter Wasser. 2Der Wasserstand war vor ein paar Jahrtausenden deutlich niedriger“, erklärt Mahlstedt. Dort, wo heute zwei Meter Wasser über einer mehreren Dezimeter starken Faulschlammschicht liegen, war einst Ufer. Und Uferbereiche waren am Übergang zur Sesshaftwerdung der Menschen bevorzugte Siedlungsgebiete.

Dass Menschen schon vor Jahrtausenden am Zwischenahner Meer gesiedelt haben, ist bekannt, seit in den 1950er Jahren vor dem Strandbad archäologische Funde gemacht worden waren, darunter Geweih-Äxte und eine Keramik, die im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg aufbewahrt wird. Am Strandbad sowie in der Eyhauser Bucht, wo der Boden auf demselbe Höhenniveau liegt, hoffen die Wissenschaftler auch jetzt fündig zu werden.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt – die Luft ist genau so kalt wie das Wasser – wollen die Forscher im Seegrund Spuren früher Siedler finden. Das können Holzstücke sein, die auf Werkzeuge hindeuten, vielleicht auch Scherben von Gefäßen oder Stücke anderer steinzeitlicher Gebrauchsgegenstände.

Selbst in den Trockenanzügen sind die Forscher nach einer Stunde ein wenig durchgefroren. Dem jeweils aktiven Taucher, der zweite an Bord könnte im Notfall sofort eingreifen, ist es im Wasser noch am wärmsten. „Nur die Füße sterben langsam ab“, meint Daniel Kunze, nachdem er unter Wasser zum zehnten Mal das Stechrohr in den schlickigen Grund des Sees gebohrt hat. „Das ist gar nicht so einfach ohne Widerlager“, erläutert Wilkes. Nur mit Flossenkraft kann er den Gegendruck aufbauen, um das Plexiglasrohr durch den Schlick in die darunter liegende Torfschicht zu treiben. Wenn überhaupt, sind hier Spuren zu finden. Ein Hammer verbiete sich: „Dann kriegen wir das Stechrohr nicht mehr raus.“ Mit einem Stopfen wird ein Unterdruck erzeugt, bevor es ans Herausziehen geht.

Einem so genannten Tran­sekt (mehrere Probepunkte in einer Linie) entlang, das genau eingemessen wird, um eventuell erfolgreiche Tauchgänge später reproduzieren zu können, taucht Kunze immer wieder, um die Proben zu ziehen. Das Stechrohr mit 20, 30 Zentimetern Schlamm und ungefähr ebenso viel Torf reicht er Mahlstedt, die den Inhalt in einem Küchensieb einer ersten Kontrolle unterzieht. Funde, die eine weitere Untersuchung lohnen, werden eingetütet, während Taucheinsatzleiter Wehkamp derweil die Tauchzeiten protokolliert. Die ersten Tage gelten vor allem der Erprobung der Methoden. Kreativität und Improvisation sind dabei besonders gefragt. Die Taucher wissen nie, was sie erwartet. „Klebeband und Kabelbinder sind die wichtigsten Utensilien“, schmunzelt Wehkamp.

Durch Forschung unter Wasser und an Land sollen bis 2017 das Potenzial der Fundregion dargestellt, eine zeitliche Gliederung zur Einführung der Landwirtschaft ermöglicht, erste Einblicke in die Wirtschaftsweise der Epoche anhand von Tier- und Pflanzenresten gewonnen und Untersuchungen zur Funktion und Gliederung der steinzeitlichen Siedlungen erfolgen.

Anfang März wollen Mahlstedt und ihre Kollegen wiederkommen und nochmals ausgiebig tauchen – dann vielleicht schon mit ersten Erkenntnissen der bisherigen Untersuchungen im Gepäck.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/ammerland 
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Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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