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Große Liebe seit einer Milliarde Sekunden

Westerstede Den Nikolaustag im Jahr 1985 werden Ulrike und Folkert Fendler nicht mehr vergessen. An diesem sind sie sich nämlich zum ersten Mal begegnet. Und die beiden sparten auch danach nicht mit besonderen Daten, denn noch am Silvestertag verlobten sie sich – am Telefon. „Wir hatten uns noch nicht einmal geküsst bis dahin“, erzählt Ulrike Fendler und muss lachen. Munter ging es so weiter mit den außergewöhnlichen Tagen: „Die Verlobung nachgefeiert haben wir an Pfingsten des darauffolgendes Jahres,“ ergänzt die 59-Jährige.

Wieso sie sich nach der kurzen Zeit trotzdem so sicher war? „Es stimmte einfach alles. Wir sind zwar total unterschiedliche Typen, aber deshalb passt es wahrscheinlich so gut“, erzählt die jugendlich wirkende Frau mit den kurzen blonden Locken. Ihr Mann nickt zustimmend. „Ja, ich bin eher der Ruhige, der Lehrer, der Verkündiger. Und meine Frau ist quirlig, temperamentvoll, herzlich. Eben eine richtige Seelsorgerin.“

Eigene Berechnung

Die in Westerstede aufgewachsene Militärseelsorgerin und der aus Delmenhorst stammende Pfarrer begehen jetzt in Westerstede ein ganz besonderes Jubiläum. Am Ostermontag, 22. April, betreten sie noch einmal die Westersteder Kirche, in der sie sich vor dann 31 Jahren, acht Monaten, einer Stunde, 46 Minuten und 40 Sekunden um 11.15 Uhr das Ja-Wort gegeben haben – am 14. August 1987. Wieso aber diese seltsame Rechnung? „Das sind dann zusammengerechnet genau eine Milliarde Sekunden“, erzählt der Pfarrer stolz und drückt die Hand seiner Frau.

Dass der Leiter des Pastoralkollegs in Loccum (Nienburg) ein Mann der Zahlen ist, beweist aber nicht nur diese Ehe-Rechnung. Drei Kinder haben Ulrike und Folkert Fendler. Der älteste Sohn wird bald 31. „Das heißt, dass der auch etwa in acht Monaten eine Milliarde Sekunden alt wird.“ Passenderweise habe der Sohnemann neben Musik auch Mathematik studiert.

Täglich 10 000 Schritte

Außerdem trägt Folkert Fendler einen Schrittzähler. „Ich versuche, täglich 10 000 Schritte zu laufen. Das sind dann 7,8 Kilometer“, sagt der 57-Jährige und nestelt an dem kleinen Gerät an seinem Gürtel. „Ein paar Schritte fehlen heute noch. Da muss ich wohl noch eine Runde spazieren gehen.“ Seine Frau rollt mit den Augen, schaut ihn dann aber liebevoll an. „Ein bisschen verrückt ist der Mann halt. Aber deshalb ist er ja auch so toll.“

Die einmilliardste Hochzeitssekunde ist nicht das erste etwas untypische Ehejubiläum, das in der Familie Fendler gefeiert wird. Daher waren die rund 80 nach Westerstede geladenen Gäste auch nicht allzu überrascht von dem Datum. „Wir hatten Glück – es ist ja Ostermontag. Da haben ja die meisten frei und es haben eigentlich auch fast alle zugesagt“, freut sich das Ehepaar schon auf die Zeremonie, in der sie sich noch einmal das Ja-Wort geben wollen und den Segen empfangen. Den Gottesdienst gestalten wird der Theologie-Professor und Pastor Thomas Klie aus Rostock, der sich mit dem Thema „Erinnerungskasualien“ befasst.

Verrückte Jubiläen

Doch zurück zu den ungewöhnlichen Ehe-Jubiläen: Noch bevor sie überhaupt verheiratet waren, feierte das Paar den „Minus-Ersten-Hochzeitstag“. Wie das geht? „Wir wussten über ein Jahr im Voraus das Datum unserer Hochzeit. Das war uns zu lange. Also haben wir am 14. August 1986 schon einmal eingeladen“, erzählen Ulrike und Folkert Fendler.

Als sie sechseinhalb Jahre verheiratet waren, gingen ebenso Einladungen raus: „Das ist ein Viertel der Silbernen Hochzeit“, rechnet Folkert Fendler vor. Außerdem – ist ja klar – gab es ein größeres Fest nach zwölfeinhalb Jahren. Nach 18 und dreiviertel Jahren, also sozusagen einer Dreiviertel-Silberhochzeit, ging es noch einmal rund. „Und als wir dann wirklich 25 Jahre verheiratet waren, konnten wir drei Hochzeiten gemeinsam feiern“, vollendet Ulrike Fendler die Reihe der Termine. Denn: „Meine Eltern haben gleichzeitig Diamantene Hochzeit gefeiert und einer unserer Söhne hatte kurz vorher frisch geheiratet. Es waren über 100 Gäste – einfach toll“, schwärmt die 59-Jährige.

Eine Milliarde Sekunden

Weil es dann bis zum nächsten offiziellen Ehejubiläum – der goldenen Hochzeit – aber so lang geworden wäre, kam der Mann der Zahlen auf die Idee, die Ehezeit in Sekunden zu zählen. Da liegt es auf der Hand, dass auch das eigene Alter schnell überschlagen wird. Folkert Fendler sagt: „Ist ja ganz einfach: Wenn etwas mehr als 31 Jahre eine Milliarde Sekunden sind, dann müssten um die 63 Jahre zwei Milliarden Sekunden sein. Da haben wir es ja nicht mehr weit“, sagt er lachend.

Doch nicht nur Zahlen, auch neue Ziele, Reisen und Abenteuer interessieren den Pastor. „Wir haben schon an einigen verschiedenen Orten gelebt. Spannend waren vor allem die sechs Jahre in Lima, Peru“, denkt der 57-Jährige zurück.

Eine Zeit der Bereicherung

In einer deutschsprachigen Gemeinde hat das Pastoren-Ehepaar damals gearbeitet. „Es war toll, aber auch anstrengend, besonders für die Kinder“, weiß Ulrike Fendler. Die Zeit sei eine Bereicherung gewesen, aber besonders nach der Rückkehr nach Deutschland mussten sich alle erst wieder einleben.

„Unsere Söhne hat das aber total zusammengeschweißt. Obwohl sie weit über Deutschland verteilt leben – Hamburg, Augsburg und Köln – haben sie viel Kontakt und treffen sich regelmäßig. Das freut uns sehr“, erzählt sie weiter. Alle drei sprechen gutes Spanisch. „Der Älteste hat inzwischen drei Kinder mit seiner Frau und die werden zweisprachig erzogen“, ist sie stolz.

Sie selbst mag es, wenn Dinge gewohnt und bekannt sind. „Deswegen haben wir inzwischen einen Wohnwagen“, erzählt sie lachend. „So können wir an neue Orte fahren, trotzdem kann ich jede Nacht in meinem eigenen Bett schlafen. Ist doch super.“

4:3-Regel leben

Ein Leben auf der Überholspur. Das sei ab und zu anstrengend, das sagen beide. „Aber wir wollen es auch so.“ Und: „Bisher hat das einfach immer alles ziemlich gut geschnackelt, wir hatten viel Glück“, ist das Paar dankbar.

Wie stellen sich die beiden ihren Ruhestand vor? „Auf jeden Fall zusammen“, da sind sie sich einig. Denn derzeit leben sie noch nach der 4:3 Regel. „Das heißt, wir versuchen, höchstens vier Nächte getrennt zu verbringen und dann wieder drei zusammen“, klärt Ulrike Fendler auf.

Sie arbeitet in Leer, ihr Mann in Nienburg, die Mutter lebt in Westerstede. Ach ja, und dann sind da ja noch die Kinder. „Mal sehen, wo es uns letztlich hin verschlägt“, so Folkert Fendler: „Wir liebäugeln auch mit Hannover. Von da aus hat man eine gute Autobahnanbindung in den Süden und in den Norden.“

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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