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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Wie man gute Luft schlecht macht

07.03.2018

Westerstede 40 Mikrogramm Stickoxid lautet der Grenzwert, der derzeit die Republik spaltet. Denn genau ab diesem Grenzwert können Kommunen Fahrverbote für Diesel erlassen. Eigentlich liegen nur Großstädte darüber. Doch im November fand sich beim Stickstoffdioxid auch Westerstede (neben Bad Zwischenahn) auf einer Liste von 29 Kommunen. In denen würde angeblich dicke Luft herrschen.

Die Studie klang auf den ersten Blick seriös. Auftraggeber war das niedersächsische Umweltministerium. Durchgeführt hatte sie das staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim. Eines sorgte damals aber schon für erste Zweifel im Rathaus – das Wort „Modellrechnung“.

Die Hildesheimer Experten hatten nämlich nicht etwa eine Messstation aufgestellt, sondern die Luftwerte mal eben am Computer berechnet.

Für ganz Niedersachsen wurde nach dieser Methode ein Bericht mit dem sperrigen Namen Hermelin (Hotspot-Ermittlung und Emissionskataster lagebezogen in Niedersachsen) erstellt. Zwischenahn und Westerstede tauchen hier beide mit ihrer kompletten Fläche auf einer Karte schraffiert auf.

In Bad Zwischenahn, das laut Studie noch knapp unter den 40 Mikrogramm liegen sollte, verwies man sofort auf eigene Messungen, die für Kurorte obligatorisch sind. Und die kamen zu ganz anderen Ergebnissen. Im Westersteder Rathaus fürchtete hingegen Bürgermeister Klaus Groß um den guten Ruf der Stadt. „Eine unbelastete Luft ist für eine Gesundheitsstadt im Grünen unverzichtbar“, so Groß.

Er hakte nach. Und bekam einige Wochen später eine Antwort aus Hildesheim, die nun ganz anders klang als der Bericht. Die Schadstoffkonzentrationen würden unterhalb der relevanten Grenzwerte liegen, hieß es nun. Lediglich in der Kuhlenstraße wurden „potenzielle Grenzwertüberschreitungen beim Stickstoffoxid gemessen“, hieß es. Allerdings habe man nach Groß’ Schreiben eine Neuberechnung veranlasst. Grund: Die Hildesheimer waren von anderen Verkehrszahlen ausgegangen, u.a. hatten sie deutlich mehr Schwerlastverkehr zugrunde gelegt. Nun liegt die Stadt generell unter den Grenzwerten für Stickstoffdioxid und auch für Feinstaub. Eine reale Messung sei deshalb auch nicht mehr notwendig, hieß es aus Hildesheim.

Nur eine Panne, die man schnell beseitigen kann? Keineswegs. Der Hermelin-Bericht, der auf den Internetseiten des Umweltministeriums für Jedermann einsehbar ist, weist Westerstede nach wie vor als Region mit deutlicher Grenzwertüberschreitung aus – zum Beispiel mit Oldenburg.

Die NWZ hakte im Umweltministerium nach. Sprecherin Sabine Schlemmer-Kaune bestätigte, dass der Bericht noch aktualisiert werden solle. Das würde „im Paket“ passieren im Laufe des ersten Halbjahres. Offenbar gibt es mit der Berechnung von Schadstoffen am Computer und der Realität nicht nur in Westerstede Unterschiede. Und auch sie verweist auf die „Modellrechnungen“ die ja keine echten Messungen seien.

Auftraggeber für die Studie war übrigens noch die alte Regierung mit einem grünen Umweltminister.

Klaus Groß hat unterdessen in der vergangenen Woche das Ministerium angeschrieben. Er bittet nach der falschen Berechnung nun darum, einmal real zu messen, welche Werte denn in Westerstede erzielt werden.

Jasper Rittner
Redaktionsleitung
Redaktion Westerstede/Oldenburg
Tel:
04488 9988 2601

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