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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

„Ein gewisser Idealismus gehört dazu“

19.02.2019

Westerstede Josephine Rötzer gehört dazu. Maren Ulbrich ebenso, Stephan Mätzschke auch: Die Existenzgründer im Ammerland. Menschen, die ihre Idee zum Beruf, zu ihrem Unternehmen, zu ihrem Broterwerb gemacht haben.

Dass von der Geschäftsidee bis zu den ersten unternehmerischen Schritten jedoch ein langer und nicht selten auch steiniger Weg gegangen werden muss, weiß das Team der Wirtschaftsförderung im Landkreis Ammerland. Amtsleiter Fred Carstens und seine Kolleginnen Kerstin Höstje, Sandra Hartke und Ulrike Walden-Roshop sind Ansprechpartner für all jene, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen wollen und dafür gern finanzielle Hilfen erhalten möchten.

„In der Förderperiode 2007 bis 2013 gingen ein Fünftel aller Fördergelder in die Förderung von Existenzgründungsvorhaben“, beschreibt Fred Carstens. „Zählt man als gründungsnahe Vorhaben die erstmalige Einrichtung einer Betriebsstätte aus zuvor gemieteten Räumen und ähnliches hinzu, liegt der Förderanteil für Betriebsgründungen bei 28 Prozent.“

Millionen-Beträge

Dass damit richtig viel Geld verbunden ist, zeigt sich beim Blick auf die laufende Förderperiode 2014 bis 2020: „In den letzten fünf Jahren wurden über 66 Millionen Euro Investitionen in 164 Förderanträgen unterstützt“, führt Carstens weiter aus. Bei 11,4 Millionen Euro handele es sich dabei um Investitionen mit Existenzgründercharakter. Der Anteil der Zuschüsse von insgesamt 3,278 Millionen Euro liege bei den Existenzgründern bei 1,03 Millionen Euro und damit bei über 30 Prozent.

Die Gründungsbereitschaft schlägt sich im Ammerland auf dem Arbeitsmarkt nieder: Von insgesamt 765 neuen Arbeitsplätzen aus den vergangenen fünf Jahren sind 277 durch Existenzgründungen entstanden – 32 davon sind Ausbildungsplätze.

Und wer hat die Nase in Sachen Gründung vorn? „Spitzenreiter ist das Handwerk“, weiß Sandra Hartke. Sie übernimmt in dem Team der Wirtschaftsförderung meist die Erstgespräche mit Gründungswilligen. So gingen auch 33 Prozent der Zuschüsse an die Handwerksgründungen (346 000 Euro), dort wurden mit 38 Prozent auch die meisten Arbeitsplätze geschaffen. Im weiteren Ranking finden sich auf Platz zwei Freiberufler wie Anwälte oder Ärzte, dann der Handel, gefolgt von Dienstleistungen und auf dem letzten Platz das Gastgewerbe.

Das A Und O einer erfolgreichen Gründung ist ein Businessplan. Das wird im Gespräch mit dem Wirtschaftsförderungsteam mehr als deutlich. „Ohne geht es einfach nicht“, sagt Sandra Hartke. Nur mit einem Businessplan, in dem das gesamte Vorhaben genau dargelegt und vor allem kalkuliert ist, könne eine Gründung realisiert werden.

„Hilfestellung bieten dabei auch die Wirtschaftssenioren“, verweist Kerstin Höstje auf den Zusammenschluss ehemaliger Unternehmer und Führungskräfte der Wirtschaft aus dem Ammerland. Ihr Service ist kostenfrei, das Know-how groß – und fast die Hälfte ihrer Beratungen befasst sich mit Gründungsfragen. Zu denjenigen, die das Wissen der Gruppe für sich genutzt haben, gehört Josephine Rötzer aus Westerstede. Die Konditormeisterin fertigt seit 2017 unter dem Titel „Confiserie Rötzer“ in Eigenregie Torten und Törtchen nach Kundenwünschen. „Ich konnte mir meinen Lebenstraum verwirklichen. Ich darf den ganzen Tag aus großartigen Rohstoffen hervorragende Produkte herstellen.“

Das Unerwartete erwarten und sich nie entmutigen lassen, lautet ihre Devise. Auch dann nicht, wenn sich mal „ein Kieselstein, ein Findling oder eine ganze Gebirgskette ins Sichtfeld vor das Ziel schiebt“. In diesem Fall gelte es, die Ruhe zu bewahren, Lösungen zu suchen, um Hilfe und Rat zu Fragen, die Hilfestellungen zu bewerten und dann das Problem bei den Hörnern zu packen.

Vorsicht Stolpersteine

Doch nicht nur Rat holen, auch Rat geben steht bei Gründern hoch im Kurs. Die Wirtschaftsförderung lädt deshalb regelmäßig zum Gründertreff ein. Stephan Mätzschke, Geschäftsführender Gesellschafter des Tomatensaucen-Herstellers Nonna Elena aus Rastede, gehörte schon einmal zu den Referenten. Er weiß: „Entscheidend für den Erfolg ist, flexibel auf Situationen zu reagieren, nicht um jeden Preis an der eigenen Vorstellung festzuhalten, sondern sich am Markt zu orientieren.“ Eine solide Planung von rechtlichen Voraussetzungen bis hin zu den Finanzen hält er für unabdingbar, aber auch einen gewissen Idealismus, eine gute Portion Euphorie – und einen guten Steuerberater.

Ein großer Stolperstein für Existenzgründer kann aus seiner Sicht mangelnde Liquidität werden, gerade wenn ein Geschäft nicht gleich zu 100 Prozent anläuft. Selbstständigkeit bedeutet für ihn die Freiheit, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, selbst zu entscheiden, wie er das Unternehmen entwickeln möchte. „Aber sie bedeutet auch Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber, die mir vertrauen und ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Firma sind.“

Maren Ulbrich aus Heidkamp gehört seit Dezember 2016 im Ammerland zum Reigen der Gründer. Seitdem baut sie ihr Beratungsunternehmen „Handwerksmensch“ stetig auf und aus. Ihre Idee ist es, für Handwerksbetriebe für zufriedene, gesunde und motivierte Mitarbeiter und entspannte Inhaber zu sorgen. Sie rät jedem Gründer, die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse genau zu kennen. Es sei nicht (nur) entscheidend, was ein Gründer glaube zu wissen, was seine Zielgruppe benötigt. „Die größte Hürde, vom Wunschkunden nicht gefunden und nicht als Experte wahrgenommen zu werden, ist, dass der Gründer nicht mutig genug ist, um die Zielgruppe ,spitz’ oder auch ,eng’ genug zu formulieren. Der größte Stolperstein ist ganz sicherlich, den Fokus zu verlieren und sich zu verzetteln. Hauptaufgabe muss also sein, in jeder Sekunde dran zu bleiben, auch wenn das Leben tobt.“

Wenn es einmal läuft, so wissen auch die Wirtschaftsförderer, dann läuft es meist auch gut weiter. Nur wenige Gründer scheitern mit ihrem Vorhaben, wenn die größten Hürden genommen sind. Amtsleiter Fred Carstens und sein Team gehen davon aus, dass die Gründerbereitschaft in nächster Zeit wohl nicht abebben wird. Im Gegenteil: Der stabile Arbeitsmarkt ließe ihrer Ansicht nach so manchen darauf vertrauen, bei einem Scheitern leichter wieder in ein Anstellungsverhältnis zurückkehren zu können.

Tourismus läuft

Potenzial, sich in der Region mit einem Geschäft niederzulassen, sehen sie viel. In der Pflege beispielsweise, aber auch im Bereich innovative Entwicklungen – und im Tourismus. „Da im Landkreis Ammerland einer stetig steigenden Tourismusentwicklung ein immer geringer werdendes Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten gegenübersteht, haben Gründungen im Hotel- und Pensionsgewerbe mit innovativen oder besonderen Angeboten für die Gäste einen großen Reiz“, sagt Fred Carstens. „Hier gibt es gute Fördermöglichkeiten.“ Das gelte auch für Übernahmen von Beherbergungsbetrieben im Rahmen einer Betriebsnachfolge.

Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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