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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Hier wird am Wald der Zukunft gearbeitet

12.12.2018

Wiefelstede Rainer Städing kennt die hiesigen Wälder wie sonst kaum jemand. Er ist Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten und weiß, woran der Wald krankt. Sein Problemkind ist die Fichte, sein größter Feind der Borkenkäfer. Um das Problem zu verstehen, muss man allerdings die Vorgeschichte kennen. Und die beginnt mit drei starken Stürmen und jeder Menge Regen im Herbst 2017 und Januar 2018:

„Es hat große Schäden gegeben, vor allem bei den flachwurzelnden Fichten, die im nassen Boden einfach umgefallen sind“, erklärt der 62-Jährige und ergänzt: „Wenn viele Bäume im Wald liegen, dauert es eben einige Zeit, bis sie weggeräumt sind.“ Diesen Umstand haben sich die Borkenkäfer auch in den Mansholter Büschen bei Wiefelstede zunutze gemacht. Die anhaltende Dürre mit hohen Temperaturen ab Mai 2018 hat schließlich zu einer „massenhaften Vermehrung“ der Schädlinge geführt. „Sie entwickeln sich ganz prächtig in warmem Klima“, führt Städing aus, „und haben sich nicht wie sonst ein- bis zweimal, sondern mindestens dreimal vermehrt.“ „Mindestens“, betont er.

Doch damit nicht genug: Der Trockenstress durch die lange Dürre hat die Fichten anfällig gemacht, so dass auch massenweise stehende Bäume von Borkenkäfern befallen wurden. Der Harzfluss, mit dem sie sich gegen die Schädlinge schützen, funktioniert nicht mehr. Die Käfer bemerken das und hinterlassen einen Botenstoff für ihre Artgenossen. „Das ist extremst passiert“, resümiert Rainer Städing, „und hat zu einer echten Borkenkäfer-Katastrophe geführt.“

Seit Oktober ruhen die Käfer nun über den Winter im Bodenstreu. „Wir haben als Akutmaßnahme damit begonnen, möglichst viele Käferbäume zu schlagen“, beschreibt der gelernte Förster den ersten Schritt, das Problem zu beheben, „denn wenn die Tiere im April wieder herauskommen, fliegen sie die kranken Bäume sofort wieder an.“ Seine Schreckensvision: „Wenn es nächstes Jahr noch einmal so einen Sommer gibt, wird das für uns Förster eine echte Bewährungsprobe.“

Seit einiger Zeit verfolgen die Landesforstämter nun ein Ziel, um Stürmen und anderen Wetterextremen in den Forsten zu begegnen: ein ökologisches Waldprogramm. Und das beinhaltet Dreierlei: die Erhöhung des Laubholzanteils, die Vermeidung von Monokulturen und den Aufbau von Mischbeständen. „Wir sind kräftig dabei, in Monokulturen andere Bäume unterzupflanzen“, sagt Städing, „doch das braucht seine Zeit“. Hinzu kommt: „Der Klimawandel überholt derzeit den Waldumbau.“

Schon jetzt ist dieser Trend deutlich zu erkennen. Rainer Städing ist begeistert, wie auch die Natur selbst dabei behilflich ist, einen gesunden Mischwald zu schaffen. Selbstaussamung lautet das Schlagwort – Wind und Tiere sind maßgeblich daran beteiligt. Zwischen hohen Kiefern und Douglasien etwa sprießen kleine Tannen und Buchen empor. „Der Tannennachwuchs ist ein Geschenk der Natur“, schwärmt Rainer Städing.

Ampelsystem soll helfen

Der Wald der Zukunft, an dem Forstwissenschaftler seit fünf Jahren arbeiten, lebt von genau dieser Mischung, die den Wald unempfindlicher für extremes Wetter machen soll. „Denn drei Dinge wird uns der Klimawandel sicherlich bringen: extreme Stürme, Niederschläge und Trockenheit“, weiß der Oldenburger. Auch die Verbreitung des Borkenkäfers lasse sich so eindämmen, denn die nächste Fichte stehe eben nicht direkt nebenan.

Städing selbst orientiert sich in seinem Zuständigkeitsbereich (Forstämter Ahlhorn, Ankum, Neuenburg und Nienburg) mittels zahlreicher bunter Detailkarten, die etwa über Bodenbeschaffenheiten und vorherrschende Baumarten in bestimmten Arealen Auskunft geben. „Ein Ampelsystem soll künftig dafür sorgen, dass beispielsweise die Fichte nur noch auf Böden angepflanzt wird, deren Wasserkapazität ausreicht“, sagt Städing. „Das Baumarten-Portfolio, das wir für künftige Wälder anstreben, haben wir im Mansholt bereits.“

Ein Baum der Zukunft könnte die Weißtanne werden. Das größte Exemplar des Ammerlandes steht in den Mansholter Büschen, ist 200 Jahre alt und einen Meter dick. „Es ist ein Baum, der gut ist fürs Gemüt, der aber auch Auskunft darüber gibt, was diese Baumart hier in ökonomischer Hinsicht leisten kann.“ Und auch der Eiche gehört die Zukunft: Sie ist robust, wurzelt in die Tiefe und toleriert Wärme. Einziger Wermutstropfen: Auch die Eiche wird von Schädlingen bedroht: „Der Eichenprozessionsspinner ist auf dem Vormarsch“, weiß Rainer Städing, „und wir alle haben keine Ahnung, was in Containern aus dem Ausland noch so alles zu uns kommt“.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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