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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Über Burgen, Flüsse, Sand und Kneipen

04.05.2019

Wiefelstede Nein, Metjendorf hat nichts mit „Mädchendorf“ zu tun, und das Wort Nuttel hat seinen Ursprung auch nicht im Rotlicht-Bereich. Die Gemeinde Wiefelstede besteht aus 21 Ortsteilen, Heimatforscher Wilfried Harms erklärt, welche Geschichten hinter den Namen stecken.

In seinen Recherchen stützt er sich oft auf die Fakten aus Arend Remmers „Die Siedlungsnamen des Ammerlandes – Ihre Herkunft und Bedeutung“, erschienen 2007. Einige Ortschaften sind zusammengefasst, da sie früher einmal zu einer Bauerschaft (einer Verwaltungseinheit) gehörten.

Pilger aus Hatten

Wiefelstede

Mit 5415 Einwohnern (Stand 2018) ist Wiefelstede die größte Ortschaft und Namensgeber der Gemeinde. „Stede“ ist Mittelniederdeutsch (Vorläufer des Plattdeutschen) für „Stelle“ oder „Platz“. Und „Wiefel“ oder ursprünglich „Wibil/ Wifil“ war ein typischer männlicher Vorname. Übersetzt bedeutet der Name also Wifils Platz. Wer dieser Wifil war, das ist allerdings nicht überliefert. Die Ortschaft ist zum ersten Mal urkundlich erwähnt im Jahre 1057, bei der Weihe der St. Johannes-Kirche. Diese ist das älteste bekannte Gebäude im Ort. Zusatzwissen: Um 1057 war die Kirche in Wiefelstede die einzige größere Kirche in der Umgebung. Und so pilgerten die Menschen zum Beispiel aus Oldenburg und Hatten bis Wiefelstede, um am Gottesdienst teilnehmen zu können.

„Gri“ wie in „Griesbrei“

Gristede

Einwohner: 763

Gris kommt wahrscheinlich von grēet. Es bedeutet „Korn, Sandkorn“, das hochdeutsche Wort „Gries“ wie in „Griesbrei“ ist damit verwandt. Mit der Endung Stede für Stelle beschreibt der Ortsname Gristede eine Sandstelle. Das ist darauf zurückzuführen, dass Gristede an einer der früheren Kirchwegen lag, das waren sandige Trampelpfade. Reisenden blieb nichts anderes übrig, als auf den Sandpfaden zu laufen, denn um sie herum war Moor- und Sumpflandschaft. Die alten Pfade lassen sich zum Teil noch heute erkennen. Bekannt aus der „Sandstelle“ ist das Gut Horn, wo früher mal eine Burg stand. Heute stechen vor allem der frei zugängliche Rhododendronpark mit der großen Baumschule hier hervor.

Dringend Burg benötigt

Hollen-Dringenburg

Einwohner: 335

„Holl“ kommt von „Hügel“, „Anhöhe“. Und tatsächlich wurde das Dorf auf einem Hügel errichtet. Die älteste noch existente Institution ist hier die Gaststätte „Hollner Krug“. Spannender ist allerdings die Herkunft von Dringenburg: Das kommt wirklich von „dringend“. Die Geschichte: Der Ort liegt an der Grenze zu Friesland und an dem Haupt-Heerweg, den die Friesen nahmen. Mit den Friesen gab es immer wieder Konflikte. Ein gewisser Graf Konrad sah es daher als höchste Dringlichkeit an, eine Festung zum Schutz der Oldenburger zu errichten. Das geschah im 14. Jahrhundert. Heute steht hier die Molkerei Ammerland.

Hügel, die Gräber sind

Mollberg-Lehe

Einwohner: 355

„Mull“ – feiner Sand. Hier wird noch heute viel Sand für z.B. den Straßenbau abgebaut. Erste urkundliche Erwähnung 1581 als „Mullbarch“. Das Dorf liegt an alten friesischen Heer- und Handelsstraßen. Die Toten wurden dort oft in sogenannten Hügelgräbern beerdigt. „Lehe“– „Loh“– bedeutet „Wald“, aber auch „Gehölz.“ Zuerst erwähnt 1581: „Hinnerk up denn Lee“–  was soviel heißt wie: Hinnerk aus dem Gehölz (früher nutzten die Menschen Ortsbezeichnungen wie Nachnamen).

Von Nüssen und Familien

Nuttel-Wemkendorf

Einwohner: 481

Nuttel – Nutloh – Nut wie Nuss; Loh wie Wald. Wahrscheinlich gab es dort einmal viele Nussbäume. Der Flecken ist vergangenes Jahr 800 Jahre alt geworden. Zum ersten Mal erwähnt wurde er 1218 und gehörte zu Rastede. Die Aufzeichnungen dazu nannte das Rasteder Kloster sein Eigen. Es ist die älteste Urkunde es Dorfes im Oldenburger Landesarchiv. Claußens Gaststätte ist hier die älteste Kneipe. Wemken war im 17. Jahrhundert der Familienname eines alten Bauerngeschlechts. Davor zählte die Hofstelle zu Nuttel.

Das Regenwurm-Dorf

Metjendorf

Einwohner: 4794

Metjen oder Mettken war ein Familienname. Um 1650 war diese Stelle der Kreuzungspunkt aller Heer- und Handelsstraßen, es bot sich also an, dort eine Gaststätte zu eröffnen. Der erste Siedler und Gastwirt hieß Mettken. Heute wird diese größte aller Bauerschaften Wiefelstedes beinahe von Oldenburg geschluckt. Der in den 1920er Jahren entstandene Fliegerhorst ist hier bekannt. Niedlicher Fakt am Rande: Auf Plattdeutsch ist Mettjen das Wort für Regenwurm.

Land für Vertriebene

Heidkamp

Einwohner: 181

Heid – Heideland; Kamp: Ackerland, Grünland. Erste Belege führen bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Die Heidkamp-Wohnsiedlung entstand nach dem 2. Weltkrieg, um Wohnraum zu schaffen und Vertriebene ein Heim zu bieten.

Heinrich Kunsts Wohltat

Ofenerfeld

Einwohner: 919

In Ofenerfeld waren früher die Felder der Bauern, die ihren Wohnsitz in Ofen (Bad Zwischenahn) hatten. „Ofen“ beschrieb „wasserumflossenes Land“, was auf die Moor- und Sumpflandschaft zurückzuführen ist. Die Siedlung ist um 1800 zum ersten mal kartographiert. Bekannt ist aus der Ortschaft der Volksschauspieler und Landwirt Heinrich Kunst, nach dem auch eine Begegnungsstätte benannt wurde. Kunst hatte keine Kinder und veranlasste, dass nach seinem Tod sein Hof in den Besitz der Gemeinde übergehen sollte. Heute ist der Ort vor allem eine Wohnsiedlung.

Nur für Männer?

Mansholt

Einwohner: 91

Holt – Gehölz; Mansholt – Gehölz eines Gefolgsmannes. 1378 tauchte der Ortsname erstmals in einer Urkunde auf. Passend zum Namen sind auch heute die Mansholter Büsche ein bekanntes Waldstück.

Torf für das Kloster

Spohle

Einwohner: 505

Die Herkunft des Namens ist unklar. Eventuell kommt es von Spalten, in Bezug auf Torf spalten. Das macht insofern Sinn, als das die Siedlung am Rande eines Moorgebietes liegt und das Rasteder Kloster Aufzeichnungen zufolge mit Torf versorgte. Das 12. bis 13. Jahrhundert wird als älteste Quelle dafür genannt. Der Spohler Krug ist hier die bekannteste Einrichtung. Dort finden zahlreiche Veranstaltungen statt.

Und wieder Graf Konrad

Conneforde

Einwohner: 271

Conne – Konrad; Forde– Furt (seichte Stelle durch ein Gewässer). Die Ortschaft kurz vor Friesland errichtete Graf Konrad um 1330 aus ähnlichen Beweggründen wie Dringenburg, um die Grafschaft Oldenburg nach Norden hin abzusichern. Dafür suchte er sich eine Stelle am Fluss Wapel aus. Heute ist der Ort bekannt für den Freizeitpark am Bernsteinsee und für die Ahnenstätte Conneforde, einer der ersten „Friedhöfe“ in der Region, die nicht religiös geprägt waren.

Nesthäkchen

Herrenhausen-Hullenhausen

Einwohner: 98

Hull – Anhöhe. Diese Ortschaften sind im Vergleich noch sehr junge landwirtschaftlich geprägte Wohnsiedlungen. Gegründet wurde sie Anfang des 20. Jahrhundert. Seit 1972 ist sie Teil von der Gemeinde Wiefelstede.

Der Windmühlen-Raub

Bokel

Einwohner: 744

Bokle – Boekelle – Buche; Lö – Gehölz. Bokel meint wahrscheinlich „Buchenwald“. Um 1300 wurde es zum ersten Mal im Rasteder Codex erwähnt. Die Wiefelsteder Kirchenmühle zu Bokel war hier etwas Besonderes. Durch die Säkularisierung sollte sie von den Grafschaften vereinnahmt werden, doch so kam es nicht. Graf Anton Günther gab sie um 1608 der Kirchengemeinde Wiefelstede wieder zurück. Von der Windmühle ist nur der Stumpf erhalten. Er steht im Zentrum der Ortschaft. Bokel hatte noch eine andere Besonderheit: die erste Gerichtsstätte in der Umgebung. Hier wurden nach „Alt Ammersch Recht und Gewohnheit“ Urteile gefällt.

Auf ein Glas

Neuenkruge

Einwohner: 370

Krug – Bezeichnung für Gaststätte. Neuenkruge war Ende des 16. Jahrhunderts ein beliebtes Jagdgebiet der Fürsten. Diese wollten gerne irgendwo einkehren und so entstand dort die erste Gaststätte, der erste Krug. In dem Punkt haben sich die Menschen wohl nur wenig verändert, denn der Krug ist unter dem Namen „Bremers Bauerndiele“ immer noch ein beliebter Einkehrort.

Der geteilte Ort

Westerholtsfelde– Wehnerfeld

Einwohner: 154

Auf dem Gebiet gab es landwirtschaftlich genutzte Felder der Familie Westerholt und der Bauern in Wehnen. Erste Aufzeichnungen gibt es aus 1800. Die Ortschaft befindet sich gleichzeitig in zwei verschiedenen Gemeinden: Westerholtsfelde-Nord gehört zu Wiefelstede, der südliche Teil ist Bad Zwischenahner-Land. Noch zu Wiefelstede gehört dabei das riesige Edeka-Zentrallager.

Die Birke am Fluss

Borbeck

Einwohner: 565

Bor – Born – eventuell Birke; Beck – Bäke – kleiner Fluss. Borbeck ist ebenfalls eine sehr alte Siedlung. Urkundlich erwähnt wurde sie 1124 nach Christus. Es ist vor allem eine Wohnsiedlung. Archäologische Ausgrabungen belegen, dass auch hier schon zur Eisenzeit Menschen lebten.

Freya Adameck Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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