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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Geld fressen unsere Kühe nicht

07.08.2018

Wittenberge „Wir haben keine Wahl und bekommen – wie andere Branchen – nicht einfach mehr Geld für unsere Erzeugnisse, weil wir durch die Hitzewelle große Ausfälle beim Futter für unsere Tiere haben und für teueres Geld Futter dazukaufen müssen, wenn das überhaupt erhältlich ist“, sagt Gerd Janßen, Landwirt aus Westerscheps. „Wir Milchbauern haben Verträge mit Molkereien, denen wir unsere Milch liefern, und den Molkereien diktieren Aldi & Co. die Preise.“

„Die monatelange Hitzewelle stürzt uns Bauern in große Nöte“, sagt Kreislandwirt Manfred Gerken. Bei jedem Ammerländer Kollegen seien die Ausfälle bei der Ernte von Grassilage, Getreide und Mais zwar unterschiedlich stark, aber betroffen seien alle. „Beim dritten Grünlandschnitt erziele ich sonst für zehn Hektar 150 bis 200 Tonnen, jetzt habe ich 13 Tonnen und einen vierten Schnitt wird es nicht mehr geben“, nannte Gerken, der in Ohrwege seinen Hof betreibt, ein Beispiel.

Politik muss helfen

Zwingend seien die Betriebe, so der Kreislandwirt, auf Unterstützung durch die Politik angewiesen, denn die steigenden Ausgaben könnten die Bauern im dritten schlechten Jahr in Folge nicht mehr auffangen. Vor zwei Jahren waren es die sehr niedrigen Preise für ihre Erzeugnisse, die den Landwirten zusetzen, vergangenes Jahr die Nässe durch den vielen Regen und dieses Jahr die monatelange Trockenheit. Landwirte seien schließlich das Rückgrat der Lebensmittelproduktion.

Gerd Janßen und Manfred Gerken gehörten zu einer Gruppe von Landwirten, die sich auf Einladung der Edewechter CDU-Ratsmitglieder Jörg Brunßen und Dirk von Aschwege auf dem Hof Deeken in Wittenberge getroffen hatten. Als Gäste waren ferner weitere Edewechter CDU-Ratsmitglieder gekommen sowie der Ammerländer CDU-Landtagsabgeordnete Jens Nacke und der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Oldenburg/Ammerland, Stephan Albani. Ein Thema prägte den Nachmittag: die Auswirkungen der monatelangen Hitze.

Sein Betrieb habe allein bei Getreide 40 bis 50 Prozent weniger Ertrag und hohe Ausfälle bei der Grassilage, sagte Gastgeber Hans-Gerd Deeken, der mit seinen Sohn Patrick einen 104 Hektar großen Milchviehbetrieb mit 320 Tieren bewirtschaftete.

Stroh habe er bereits dazu kaufen müssen, und da Jungvieh habe man bereits jetzt von der Weide geholt, weil es dort nichts mehr zu fressen finde. „Ich fang’ bereits an, meine Wintervorräte zu füttern“,berichtete Milchviehbauer Ralf Harms aus Ahrensdorf, der seine draußen weidenden Tiere in den Stall geholt hat. Futter habe er zukaufen wollen, doch keines bekommen. „Geld fressen unsere Kühe nicht“, sagte Harms.

„Der Markt scheint wie leer gefegt, Bauern verkaufen ihre Ernten nicht, weil die meisten selbst nicht ausreichend Futter haben“, so Kreislandwirt Gerken, der weiß, dass wesentlich mehr Kühe als Schlachtvieh angeboten werde als sonst im Hochsommer, weil das Futter fehle. Betriebe im Osten schlössen sich zusammen, um in Bayern Futter zu kaufen. Gerken, der selbst eine Biogasanlage betreibt, sagte ferner, dass man darüber nachdenken müssen, ob Landwirte den Biogasanlagen separierte Gülle lieferten statt Mais, den sie für die Tiere bräuchten.

Dass die Politik den Bauern helfe, die schließlich die Lebensmittel der Bevölkerung produzierten, sei keine Frage, sondern die Frage sei wie man helfe, sagte MdB Stephan Albani. Abwarten wolle man in Berlin bis Ende August der Bundeserntebericht vorläge. MdL Nacke verwies darauf, dass das Land nicht umhin käme, darauf zu warten, ob der Bund die monatelange Trockenheit als nationalen Notstand einschätze. Wenn nicht, müsse das Land Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirte umsetzen.

Anderer Arbeitsalltag

An dem Gespräch nahm auch Renke zur Mühlen vom Bund deutscher Baumschulen teil, der berichtete, dass die Baumschulwirtschaft unter der langen Trockenheit leide und der Arbeitsalltag ein ganz anderer als sonst. Die meisten Mitarbeiter seien täglich mit Wässern und Befeuchten von Pflanzen und Boden beschäftigt, dabei könnten sie nur bis zum späten Vormittag draußen arbeiten, weil es sonst zu heiß würde.

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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