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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Wo Milch noch erste Sahne ist

08.07.2017

Nordloh Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Arno Janßen scheut die Mühe nicht. 70 Milchkühe nennt der Landwirt sein Eigen. Dazu kommen Mastbullen und Jungvieh. Wenn andere noch in den Betten liegen und allenfalls von der Arbeit (alb-)träumen, steht der Nordloher bereits auf dem Melkstand und „erleichtert“ seine Schwarzbunten – um etwa 8000 Liter pro Tier und Jahr. Abends dann dasselbe fast zweistündige Prozedere.

750 Jahre ist der Hof alt, auf dem Janßen mit seiner Frau Kathrin – seit Frühjahr Zugbegleiterin bei der Nordwestbahn – und den Söhnen Niklas (fast 17), Theiß (13) und Sören (11) lebt und arbeitet. Der 51-Jährige ist überzeugter Landwirt. Er stammt aus einer Bauernfamilie. Seit 20 Jahren führt er den Betrieb.

„Landwirt muss man mit Leib und Seele sein. Denn Freizeit hat man eigentlich nicht. Ich selber möchte das so lange machen, wie ich dazu in der Lage bin“, sagt Janßen. Selbst als der Milchpreis in den Keller ging, die Molkereien für ein Kilo Milch (s. Infokasten) 25 Cent und später sogar noch weniger zahlten, gab es für den Nordloher keine Alternative.

Von Milchvieh und Milchtankstellen

Im Ammerland gibt es nach Angaben des Ammerländer Landvolks 369 Milchviehbetriebe. Die Gesamtzahl aller dort lebenden Milchkühe: 35 201 (Stand 2016); durchschnittlich sind das rund 95 Milchkühe pro Hof.

Der Milchpreis hat sich inzwischen erholt. Für ein Kilo Milch (ein Liter = 1,02 Kilogramm) werden den Erzeugern derzeit circa 35 Cent gezahlt. Im Mai/Juni 2016 waren es etwa 22 Cent.

Deutschlandweit existieren rund 240 Milchtankstellen. Zwei befinden sich im Ammerland: Hof Janßen, Nordloher Dorfstraße 40, Nordloh, und bei Familie Rothe, Feldtange 9, Wiefelstede.

    www.milchtankstellen.com

Stattdessen nahmen die Eheleute Geld in die Hand und kauften eine Milchtankstelle zur Direktvermarktung. Kostenpunkt für den Automaten zum Selbstzapfen mit allem drum und dran: rund 25 000 Euro. Das war im September 2015. „Gerechnet hat sich das noch längst nicht. Um die 20 Liter verkaufen wir täglich auf diese Weise“, sagt Janßen. Der Liter kostet einen Euro. Die Anschaffung bereut er dennoch nicht. „Wir haben Stammkunden. Manche kaufen diese gehaltvollere, etwas fettere Milch, um daraus Käse zu machen. Immer mal wieder schaut jemand Neues vorbei. Ich verstehe die Milchtankstelle auch als Werbung für die Landwirtschaft.“ Janßen tätschelt Hündin Dina den Kopf. Dann sagt er: „Wenn man sich hier so umschaut, könnte man meinen, wir sind in Bullerbü, aber das Leben als Landwirt hat eben auch andere Seiten.“

Der Hof liegt zwischen Weiden und Feldern. Die Janßens bestellen 81 Hektar Boden, 45 Hektar davon sind in ihrem Besitz. Der Rest wurde hinzugepachtet. Grünland, Mais, anderes Getreide. Neben Dina leben zwei weitere Hunde bei der Familie, es gibt Katzen und Hühner. Von der langen Auffahrt aus sind das Nordloher Schöpfwerk und der Vorfluter zu sehen. „Ich schaue beim Schöpfwerk nach dem Rechten und sorge dafür, dass die Anlage läuft“, erzählt der 51-Jährige. Außerdem engagiert er sich im Kirchenrat und bei der Friedhofsverwaltung – trotz seiner knapp bemessenen Freizeit. „Für mein ganz großes Hobby habe ich allerdings keine Zeit mehr. Ich habe früher plattdeutsches Theater gespielt.“

Und nun hat Arno Janßen auch keine Zeit mehr zum Plaudern. Es geht auf 17.30 Uhr zu; die Kühe wollen gemolken werden. Dina trottet ihrem Herrchen Richtung Stall hinterher. Auch Sohn Theiß macht sich bereit. Er wird seinem Vater beim Anlegen der Saugapparatur helfen. „In den Ferien geht das“, sagt der 13-jährige Gesamtschüler. Nach seinem Abschluss will er eine Lehre in der Landwirtschaft machen – wie bald sein älterer Bruder Niklas. Auch Sören, der Jüngste, hegt schon jetzt diesen Wunsch. „Ich will unbedingt mit Tieren arbeiten“, sagt Theiß und lässt ein Kalb an seiner Hand nuckeln. Wie war das noch mit den Kühen und der Mühe?


Einen Film sehen Sie unter   www.nwzonline.de/videos 
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Kerstin Buttkus Redakteurin / Redaktion Westerstede
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