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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Schicksal: Wo Sorgen und Glück das Leben bestimmen

24.12.2016

Hahn-Lehmden Der Tag, an dem sich ihr Leben für immer verändert, ist der 26. Januar 2009. Meike und Nico Politz sind im Krankenhaus, sie bekommen eineiige Zwillinge. Doch Lasse und Marten werden zu früh geboren. Mehr als drei Monate zu früh.

„Der 21. April wäre eigentlich der Tag gewesen“, erinnert sich die Mutter. Die beiden Jungen sind „Frühchen“, Marten wiegt bei der Geburt nur 830 Gramm, Lasse 705. „Sie waren kaum größer als eine Hand“, sagt Nico Politz.

Spenden für behindertengerechtes Auto

Der Verein „Mobil mit Behinderung“ unterstützt Familie Politz aus Hahn-Lehmden beim Sammeln von Spenden für ein behindertengerechtes Fahrzeug. Dieses wird benötigt, um die beiden Kinder, die auf spezielle Rollstühle angewiesen sind, mitnehmen zu können. Da die Jungen im kommenden Monat acht Jahre alt werden und weiter an Gewicht zunehmen, ist es für die Eltern immer schwieriger, sie tagein tagaus in ein Auto zu heben.

Wer die Familie unterstützen möchte, kann eine Spende auf folgendes Konto überweisen: Mobil mit Behinderung e.V. – Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE41 6602 0500 0008 7113 00, BIC: BFS WDE 33 KRL, Stichwort: Lasse + Marten.

Fast acht Jahre später sitzen die Eltern an einem kalten Tag im Dezember am Esstisch in ihrem Haus an der Rosenstraße in Hahn-Lehmden. Marten beschäftigt sich mit einem Videospiel, Lasse sitzt in einem Therapiestuhl und fixiert einen Punkt an der Decke.

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„Fünf Tage nach der Geburt hatte Lasse eine Hirnhautentzündung“, sagt Meike Politz. „Das hat er nicht verkraftet.“ Auch Martens Geburt verlief nicht ohne Komplikationen. „Er hatte eine Hirnblutung“, schildert die 47-Jährige. Dadurch wurde im Gehirn Gewebe unwiederbringlich zerstört. Erst vier Monate nach der Geburt durfte Marten das Krankenhaus verlassen, Lasse blieb sechs Monate dort.

Marten wirkt fröhlich, während er auf dem Sofa sitzt und spielt. Er lacht, seine Augen leuchten. Dass der Alltag für den Jungen nur mit großer Anstrengung zu bewältigen ist, merkt man ihm kaum an.

Kein Gleichgewichtssinn

„Erst seit etwas mehr als einem Jahr kann Marten alleine auf seinen Füßen stehen“, sagt Nico Politz. Eine Spastik im rechten Bein verhindert, dass der Siebenjährige sich normal bewegen kann. Im Freien hat er keinen Gleichgewichtssinn. Auch die Feinmotorik in der Hand ist gestört. Marten hat Probleme bei der räumlichen Wahrnehmung. Lesen und Rechnen kann er aber wie jedes andere Kind.

Marten ist schon sieben Jahre alt, als er sich das erste Mal am Tisch hochziehen und festhalten kann. Wenn er sich anziehen will, braucht er die Hilfe seiner Eltern. „Wir versuchen ihm zu helfen, selbstständig zu sein“, sagt Meike Politz. Doch im Alltag braucht Marten mehr Unterstützung als andere Kinder.

Deshalb hat der Junge eine Schulbegleitung, die ihn vom Bus abholt und wieder hinbringt. Auch im Unterricht – seit diesem Jahr besucht er die erste Klasse der Grundschule Kleibrok – ist sie dabei, wenn Marten Hilfe benötigt, um etwa auf die Toilette zu gehen.

Sein Zwillingsbruder Lasse braucht mehr Unterstützung: „Seit einem Jahr besucht er die Dorfschule in Mansie“, berichtet sein Vater. Dort befindet sich das Heilpädagogische Zentrum Ammerland.

Aufgrund der Hirnhautentzündung bei der Geburt ist der Junge mehrfach schwerstbehindert. In den ersten beiden Lebensjahren muss er künstlich mit Sauerstoff versorgt werden. „Lasse ist in seinem Körper gefangen“, sagt Meike Politz. Mit Lauten kann der Junge sich bemerkbar machen, sprechen kann er nicht. Laufen, stehen, sitzen: Was andere Kinder in seinem Alter machen, bleibt ihm verwehrt.

Da der Siebenjährige Probleme beim Schlucken hat, kann er auch nicht trinken und nur Püriertes essen. Flüssigkeit wird ihm direkt in den Magen gepumpt, nachts wird er an eine Nahrungspumpe angeschlossen, „weil er tagsüber nicht auf seine Kalorienzahl kommt“, erklärt der 34-jährige Vater.

Die Betreuung ihrer beiden Söhne ist für die Eltern ein Vollzeitjob. „Wir sind immer in Bereitschaft“, sagt Nico Politz, der beim Chemieunternehmen Büfa in Liethe im Schichtdienst arbeitet. Seine Frau ist geringfügig im Einzelhandel beschäftigt.

„In acht Jahren sind wir nur einmal im Urlaub gewesen“, erzählt der Vater. Vor drei Jahren war das, zwei Wochen Ibiza bei einem Freund der Familie, der sich dort selbstständig gemacht hat. Der hatte vorher einen deutschsprachigen Arzt ausfindig gemacht, das nächste Krankenhaus war nur wenige Minuten entfernt. „Es war zwar aufwendig, aber ein wirklich schöner Urlaub“, blickt Meike Politz zurück.

Einmal im Pilotensitz

„Das war toll“, ruft da auch Marten vom Sofa aus und bewegt sich mit vorsichtigen Schritten zum Esstisch. Stolz hält er ein Foto in den Händen. Es zeigt ihn auf dem Pilotensitz. Dort durfte er nach dem Flug Platz nehmen.

Nicht nur die Betreuung der Kinder nimmt die Eltern in Anspruch. Auch die finanzielle Belastung ist groß. „Wir haben viel Geld ins Haus gesteckt“, sagt Nico Politz. „Andere machen es sich schön, wir machen es uns praktisch.“

Türen wurden verbreitert, das Badezimmer umgebaut und der Garten über eine Schiebetür zugänglich gemacht. Die kleinen Fliesen im Wohnzimmer wurden ersetzt, damit die Räder des Therapiestuhls nicht hängen bleiben.

„Wir sind eine normal verdienende Familie, haben aber andere Ausgaben“, sagt der Vater. Eine Rampe am Hauseingang fehlt jetzt noch, auch ein Treppenlift wäre hilfreich. Die Kinder werden größer und schwerer, sie jeden Tag hoch- und runterzutragen wird für die Eltern nicht einfacher.

Das gilt auch für das Fahren im Auto. Der 14 Jahre alte Opel Vivaro ist hin und obendrein nicht besonders geeignet für den Transport von zwei Rollstühlen. „Wir sind jedes Mal froh, wenn er noch anspringt“, sagt Meike Politz.

Doch ein behindertengerechtes Fahrzeug kostet viel Geld. Rund 40 000 Euro, schätzt der Vater. Er hofft auf Unterstützung vom Landkreis und durch Stiftungen. Beim Verein „Mobil mit Behinderung“ läuft eine Spendenaktion (siehe Infokasten).

„Ein solches Fahrzeug hat den Vorteil, dass wir Lasse in seinem Rollstuhl über eine Rampe in den Wagen schieben könnten und er während der Fahrt darin sitzen bleiben kann“, erklärt die Mutter. Jetzt muss sie ihn jedes Mal ins Auto heben – und das geht allmählich auf den Rücken.

Wieder ins Krankenhaus

Dabei ist die Familie auf ein Auto angewiesen. Regelmäßig muss sie ins Krankenhaus, zu Spezialisten in Hamburg oder Hannover. Dort geht es auch im Frühjahr wieder hin. Lasse sollen Schienen und Platten aus dem Körper entfernt werden, die von einer Hüft-Operation stammen. Und Marten soll eine Achillessehnenverlängerung bekommen, um den Gleichgewichtssinn zu verbessern.

All das rückt an diesem Heiligabend für ein paar Stunden aber einmal in den Hintergrund. „Wir feiern mit unseren Kindern Weihnachten so wie alle anderen auch. Nur der Tagesablauf ist ein anderer“, sagt Nico Politz.

Möglicherweise spielen sie dann zusammen Monopoly, Martens Lieblingsspiel. Dabei kann auch Lasse mitmachen. Er hat eine spezielle Drehscheibe, die einen Würfel ersetzt und über einen Knopfdruck aktiviert wird. 200 Euro kostet das Gerät.

„Die Kosten für solch ein Hilfsmittel werden von der Kasse leider nicht übernommen“, sagt die Mutter. Neben ihr sitzt Lasse in seinem Therapiestuhl und drückt auf den Knopf. Als sich die Scheibe dreht, fängt er an zu lachen.

Alles zum Thema Gesundheit im Nordwesten lesen Sie in unserem Gesundheits-Spezial.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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