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NWZonline.de Region Ammerland Wirtschaft

Züchter von allerbestem Schlag

28.12.2016

Metjendorf /Oldenburg „Der ist geflogen wie von einem anderen Stern“, schwärmt Brieftaubenzüchter Kurt Gorzel. Der Noch-79-Jährige wohnt in Oldenburg, direkt an der Grenze zur Gemeinde Wiefelstede. Dort – an der Gristeder Straße in der Koopmannsiedlung – steht auch sein Taubenschlag. Geflogen „wie von einem anderen Stern“ ist vor Jahren Taube 697, hat in sieben Jahren 70 Preise abgeräumt und darf sich heute noch in der Zucht betätigen. „697 wird bei mir wohl mal das Gnadenbrot kriegen“, schwärmt der leidenschaftliche Taubenzüchter. Der Oldenburger, der seit 45 Jahren Vorsitzender des Vereins „Kehre wieder“ Metjendorf ist, wird bald ein weiteres Jubiläum feiern können. Am 2. Januar wird er 80: Dann geht er seiner Leidenschaft bereits seit 70 Jahren nach.

„740“ räumt ab

Auch Taube Nummer 740 hat dem Züchter ganz besonders am Herzen gelegen. „740“ wurde acht Jahre alt, hat in vier Jahren 44 Preise geholt. 2011 rangierte „740“ als bester Altvogel auch bundesweit unter den ersten sieben. Als er starb, wurde er mit allen Ehren im Beet vorm Taubenschlag beerdigt und erhielt sogar ein Grabkreuz. „697“ ist übrigens schon 13 Jahre alt.

Im Alter von zehn Jahren flüchtete Kurt Gorzel mit seiner Familie aus Oberschlesien und kam nach Oldenburg. „Erst dort kam ich mit der Taubenzucht in Berührung“, sagt er. Er fing mit zwei Brutpaaren an, die er vom Vater eines Schulkameraden bekam. Die Familie zog vom Bolmannsweg in die Koopmannsiedlung – an die Wiefelsteder Straße, später an die Gristeder Straße, wo Gorzel 1958 jenes Haus kaufte, in dem er noch heute wohnt. 1962 baute er dort den Taubenschlag, in dem heute noch 135 Vögel leben. Mit Sohn Wolfgang bildet Gorzel dort schon seit 1971 eine Schlaggemeinschaft.

Training morgens um 6

Faszinierend bleibt für den Züchter, wie auch seine Vögel – nur die Männchen übrigens – bei Preisflügen über Hunderte von Kilometern den Weg nach Hause finden. Täglich trainieren seine Reisetauben, die er stets morgens um 6 und abends um 17 Uhr für jeweils zwei Stunden aus dem Schlag lässt. Wo die Vögel dann hinfliegen, weiß er auch nicht, sagt er. Seine Begeisterung und die seiner Kollegen auch in der Reisevereinigung Oldenburg allerdings kann die Jugend nicht nur in Deutschland heute kaum noch nachvollziehen, weiß der „Kehre wieder“-Vorsitzende: Es fehlt an Nachwuchs – und die alten Züchter sterben weg. Gab es in Oldenburg und Umgebung Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre noch 100 reisende Schläge, so sind es heute noch 38.

Noch 10 Mitglieder

„Kehre wieder“ hat heute noch zehn Mitglieder, sagt der Vorsitzende, der seit 1980 auch Hallenwart für die Brieftaubeneinsatzstelle an der Gemeindegrenze zu Metjendorf ist. Von dort werden nicht nur Tauben aus Oldenburg und Umgebung, sondern auch aus der Wesermarsch und Wilhelmshaven zu den Auflassorten für Wettbewerbsflüge gebracht. Die Einsatzstelle hatte Gorzel 1978 „besorgt“ – besonders unterstützt etwa vom damaligen Oberstadtdirektor Heiko Wandscher, dem früheren SPD-Landtagsabgeordneten Horst Milde und Wiefelstedes Ex-Bürgermeister Helmut Völkers. Sie wird seit 1980 genutzt, seitdem ist Gorzel dort auch Hallenwart.

„Es macht mich schon traurig, wenn ich sehe, dass die Jugend dem Hobby nichts mehr abgewinnen kann“, sagt der Oldenburger, der in seiner „Räuberbude“ zu Hause an die 170 Medaillen und einst um die 60 gewonnene Pokale gehortet hatte. Aufhören auch als Vorsitzender will Gorzel jedoch nicht – zumindest, so lange die Gesundheit mitmacht – spricht’s und holt Nummer „659“ aus dem Schlag – fürs Pressefoto.

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