Ammerland/Westerstede - Pünktlich mit den ersten warmen Frühlingstagen kommen überall auch die Fahrräder aus Kellern und Schuppen, die dort den Winter über eingemottet waren. Im Idealfall wird ein Rad dann erstmal einem gründlichen Check unterzogen, entweder in Eigenregie oder bei einem Fachhändler mit Werkstatt. Bei Holger Menebröcker, Inhaber von Zweirad Meyer in Westerstede stehen die Kunden momentan Schlange – entweder als Käufer eines neuen Rades, oder um ihren Drahtesel fit für die Saison machen zu lassen. Er erläutert, worauf es beim Frühjahrscheck ankommt. Den dürften Kunden übrigens auch gerne noch im Winter in Auftrag geben, dann haben die Händler weniger zu tun und können dem einzelnen Rad mehr Aufmerksamkeit schenken.
Druck prüfen
Die absolut wichtigste Maßnahme und gleichzeitig die, die nach Menebröckers Erfahrung am häufigsten vernachlässigt wird: Reifendruck prüfen. Fahrradreifen, die zu lange mit zu wenig Druck gefahren werden, werden an den Seiten porös und gehen kaputt. 3,5 bis 4 Bar, so Menebröcker, sollte ein alltäglich genutztes Standard-Rad dauerhaft haben. Sportler brauchen dagegen andere Werte. Ehefrau und Mitinhaberin Tanja ergänzt: „Wenn man den geringen Druck spürt, wenn man aufs Rad steigt, ist es schon viel zu spät“. „Man sollte auch im Winter schon zwischendurch den Druck kontrollieren und nachpumpen“, rät der Experte.
Wer ganz sicher gehen will, hängt das Rad den Winter über auf, wenn es nicht genutzt wird. Was sonst noch zu tun ist: Die Kette ölen und die Bremse und Bremsbeläge prüfen natürlich. „Früher war Nähmaschinenöl für die Kette üblich“, sagt, Menebröcker. „Das geht, das Öl ist nach dem ersten Regen aber weg.“ Teurer, aber haltbarer ist Kettenfett mit PTFE. Auch die Beleuchtung sollte kontrolliert werden. Und damit ist bei Standardrädern auch schon fast alles erledigt, was der normale Radfahrer selbst erledigen kann und sollte. Oft verstelle sich auch eine Schaltung im Winter und müsse korrigiert werden, das ist dann aber, je nach Modell, schon nicht mehr ganz so einfach. Ketten und Zahnräder sollten nach einer gewissen Zeit ebenfalls überprüft werden. „Das sind Verschleißteile, bei einer Wartung messen wir den Verschleiß und empfehlen, wenn nötig, den Austausch,“ sagt der Experte.
Update
Bei moderneren Rädern, so Menebröcker, sollte immer ein Fachmann die Wartung übernehmen, etwa wenn es um die Einstellung hydraulischer Scheibenbremsen geht. Laien neigen hier zu Fehlern. Und dann wird eine Scheibenbremse auch schonmal mit Öl behandelt.
Bei E-Bikes ist die Wartung ohnehin eher mit der eines modernen Autos zu vergleichen. Motor und Akku werden dabei an den Computer angeschlossen und überprüft, Fehlerspeicher ausgelesen. Auch Updates für die Motorsteuerung werden bei solchen Gelegenheiten eingespielt. Und die Entwicklung wird sich fortsetzen, so Menebröcker. Seit kurzem gebe es die erste vollelektronische Schaltung ohne Züge oder für E-Bikes ein GPS-Modul zum Nachrüsten. „Das wird in den Motor eingebaut und gegen eine Gebühr kann man das Rad jederzeit orten“, erläutert der Händler.
Auf Schutz achten
Und wer schon dabei ist, sein Rad fit für die Saison zu machen, sollte auch bei der eigenen Schutzausrüstung genau hinsehen.
Ein gut belüfteter Fahrradhelm gehört für Menebröcker zur Ausstattung. Und auch der sollte überprüft werden. Nach jedem Sturz ist ein Austausch unumgänglich. Fahrradhelme altern aber auch, zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung und sollten nach Vorgabe des Herstellers ausgetauscht werden.
