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Tabakkonsum in Rastede Minderjährige greifen wieder häufiger zur Zigarette

Minderjähriger Raucher: Ein Schüler zieht bei der Raucherecke auf dem Schulhof eines Gymnasiums an einer Zigarette (Symbolbild).

Minderjähriger Raucher: Ein Schüler zieht bei der Raucherecke auf dem Schulhof eines Gymnasiums an einer Zigarette (Symbolbild).

dpa / Frank Rumpenhorst

Rastede - Die Zahl der Raucher hat in Deutschland wieder zugenommen. Drei Minderjährige stehen nur wenige Meter vom Schulhof der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Rastede entfernt und stecken sich eine Zigarette an. Gemäß Jugendschutzgesetz sind sie zu jung für Tabak. Laut einer Studie ist die Zahl der minderjährigen Raucher im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Woran liegt das? Am Stress durch Schule, Pandemie und Krieg? Oder daran, dass es einfach cool ist? Die Schülergruppe aus Rastede erzählt.

Tabakquellen

In Deutschland regelt das Jugendschutzgesetz, ab welchem Alter Zigaretten gekauft und in der Öffentlichkeit konsumiert werden dürfen. Rauchen unter 18 Jahren ist in der Öffentlichkeit gesetzlich verboten, ebenso der Verkauf von Tabakprodukten an Minderjährige. Bis 2007 lag die Altersgrenze noch bei 16 Jahren.

Wie kommen Tim (15), Anton (13) und Lisa (15) also an ihre Zigaretten? (Auf Wunsch der Schüler wurden ihre Namen für diesen Beitrag geändert).

„Meine Eltern rauchen beide“, sagt Tim. „Meine Mutter versteckt ihre Zigaretten im Schuppen. Mein Papa soll davon nichts wissen“, so der 15-Jährige. „Das Versteck meiner Mutter habe ich schnell gefunden. Wenn mal eine Zigarette weniger in der Schachtel ist – das fällt nicht auf.“

Die 15-jährige Lisa hingegen kauft sie einfach. „Ich geh in den Laden rein und mit Zigaretten wieder raus.“ Tim vermutet, dass das nur wegen ihres Aussehens möglich ist. Lisa sehe nicht aus wie 15, eher wie 18, sagt Tim. „Und wenn ich doch nach meinem Ausweis gefragt werde, dann sage ich einfach, dass ich ihn beim nächsten mal mitbringe“, ergänzt Lisa.

Der 13-jährige Anton wurde vor Kurzem von seiner Mutter erwischt. „Ich habe einen richtigen Einlauf bekommen. Sie saß im Auto, hat die Fensterscheibe heruntergekurbelt und über die ganze Straße geschrien. Das war ganz schön peinlich.“ Seitdem rauche er nur noch ganz selten. Woher Anton die Zigaretten bekommt, will er nicht verraten.

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Raucher-Studie: 15,9 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren greifen zur Zigarette. Das hat die Universität Düsseldorf in der Langzeitstudie „Deutsche Befragung zum Rauchverhalten“ (Debra) herausgefunden. BILD: MedienGrafikSchmiede

Raucher-Studie

Die Gruppe der rauchenden Jugendlichen ist größer geworden. Unlängst wurden die neusten Zahlen der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (Debra) veröffentlicht, einer Langzeitstudie der Universität Düsseldorf, für die regelmäßig 2000 Menschen Auskunft geben. Laut der Erhebung hat sich der Anteil der Raucher unter den 14- bis 17-Jährigen innerhalb eines Jahres fast verdoppelt: 15,9 Prozent gaben an, regelmäßig Tabak zu konsumieren, 2021 hatte der Anteil noch bei 8,7 Prozent gelegen.

Dass wieder mehr junge Leute rauchen, ist laut Debra-Leiter Daniel Kotz möglicherweise auch der Corona- und Energie-Krise sowie dem Krieg in der Ukraine geschuldet. Schon in jungen Jahren werde dann zur Stress-Zigarette gegriffen.

Motivation

Warum haben Anton, Tim oder Lisa mit dem Rauchen angefangen? Anton sagt: „Ich würde mir nie alleine Zuhause eine Zigarette anzünden.“ Für ihn sei das Rauchen eher so ein „Gruppen-Ding“. Tim erzählt, dass er viele ältere Freunde habe. „Innerhalb unserer Truppe kommt es mal vor, dass man eine Zigarette angeboten bekommt.“ Weiter erzählt Tim, dass er mit dem ersten Zigarettenzug die Chance, den Autoführerschein von seinen Eltern bezahlt zu bekommen, direkt verspielt hat. Der 15-Jährige erzählt: „Mama hat es Zuhause sofort gerochen. Obwohl sie selber raucht, hat sie mich richtig angemacht.“ Weil er den Führerschein in zwei Jahren also selbst zahlen muss, könne er mit dem Rauchen jetzt ja auch weitermachen.

Lisa hingegen macht sich angesichts der politischen Lage große Sorgen. „Sobald ich das Handy anmache, ist dort Krieg zu sehen.“ Vor lauter Stress greift die 15-Jährige dann zur Zigarette.

Gesundheitliche Folgen

Pechschwarze Lungen oder verfaulte Zähne – Seit 2003 setzt die EU auf Warnhinweise auf Zigarettenschachteln, um Rauchern vor den schlimmen Folgen des Rauchens zu warnen. Schrecken die Warnbilder auf den Zigarettenpackungen Tim, Lisa und Anton denn gar nicht ab? „Nein, die schauen wir uns gar nicht erst an“, sagt die 15-jährige Lisa. Anton findet die Bilder „schon etwas ekelig“.

Ob ihnen die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums denn bewusst sind? Tim sagt: „Wir rauchen jetzt nicht zwei Schachteln am Tag.

So schlimm kann eine Zigarette nach der Schule nicht sein.“ „Dafür trinken wir alle keinen Alkohol“, sagt Lisa.

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