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NWZonline.de Region Ammerland Gemeinden Apen

Kunst und Kultur im alten Kesselhaus

07.09.2019

Augustfehn Es waren Ruinen, dem Verfall preisgegeben und reif für den Abriss. Aber das Kesselhaus und der Wasserturm der Eisenhütte in Augustfehn (Kreis Ammerland) hatten es Anke und Dieter Börjes seit Langem angetan. Daraus könnte man was machen, war sich das Ehepaar sicher.

Mit alten Gemäuern kannte sich das Paar schließlich aus. Es hatte bereits zwei denkmalgeschützte Hallen auf dem Gelände der Eisenhütte gekauft und restauriert. Aber es sollten noch einige Jahre ins Land gehen, bis sich Anke und Dieter Börjes im Jahr 2010 entschlossen, Turm und Kesselhaus der Eisenhütte von der Gemeinde Apen zu kaufen.

Liebe zum Detail

Zwei Jahre brauchten sie für die Planung, dann folgte eine aufwendige Restaurierung, die Zeit, Geld und noch mehr Nerven kosteten. Grundlage für die Sanierung war eine einzige erhaltene Fotografie aus dem Jahr 1920. „Das Gebäude hatte hohe Fenster, die wollten wir wieder einbauen“, erzählt Dieter Börjes. Dafür mussten Stahlrohre entfernt werden, das Dach komplett saniert und altes Mauerwerk freigelegt werden. Über weitere Details des Umbaus gehen beide mit einem Lächeln hinweg. Heute sind sie stolz darauf, mit harter Arbeit und Liebe zum Detail ein Industriedenkmal erhalten zu haben.

Die Oldenburgische Eisenhütte am Augustfehn-Kanal wurde 1856 von dem Unternehmer Julius Schultze aus Varel und dem niederländischen Konsul des Hauses Aldenburg-Bentick, J. C. H. Bley, gegründet. Sie investierten 300 000 Taler in den Bau der Eisengießerei mit Puddelöfen zur Umwandlung von Eisenerz in Stahl und eines Walzwerks. An dem Projekt beteiligten sich auch englische und französische Investoren, denn die Bedingungen schienen ideal. Torf und Torfgas für die Öfen war in der Moorkolonie reichlich vorhanden, die Transportwege über den Kanal günstig.

Die Eisengießerei lockte Arbeiter aus ganz Europa an. 1861 waren 280 Arbeiter in der Eisenhütte beschäftigt, außerdem viele Arbeiter im Torfabbau. Alle bekamen kostenlosen Grund und Boden zugeteilt, sogenannte Kolonate. Das bedeutete eine sichere Existenz für viele Familien.

Weiter aufwärts ging es mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinien Oldenburg-Leer und Cloppenburg-Ocholt. „Zur Boomphase rauchten elf Schornsteine in der Eisenhütte“, weiß Dieter Börjes aus alten Unterlagen.

Das Kesselhaus und der Wasserturm waren 1911 die letzten Gebäude, die für die Eisenhütte errichtet wurden. Der dreigeschossige Wasserturm trägt einen ungewöhnlichen Würfelaufsatz. Im Kesselhaus standen die Dampfkessel, die die Maschinen für die Stahlproduktion antrieben.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 traf die Eisenhütte mit voller Wucht. Nach Kurzarbeit und dem Abbruch einzelner Anlagenteile wurde das Werk 1932 stillgelegt. Ab 1936 nutzte die Marinewerft Wilhelmshaven die Eisenhütte als Depot, baute die Gebäude komplett um und sprengte zwei große Schornsteine.

Prinzip Hoffnung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude von verschiedenen Firmen genutzt, außerdem von der Post und der Mittelschule Augustfehn. Die Freikirche übernahm von 1948 bis 1956 das Kesselhaus. Eine Bremer Firma lagerte bis in die 1960er Jahre Getreide und Düngemittel in den Hallen.

Die Bundeswehr wird schließlich 1967 Hausherr auf dem Eisenhüttengelände. Das Kesselhaus wird als Heizhaus benutzt und stark umgebaut, auch sonst bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Deren profane Auffassungen von baulicher Ästhetik hätten dem historischen Denkmal nicht wirklich gut getan, vermerkt ein Chronist.

Als die Bundeswehr abzieht, bleibt eine Brachfläche mitten in Augustfehn zurück. 2003 kauft die Gemeinde Apen das Gelände vom Bundesvermögensamt und setzt auf das Prinzip Hoffnung. Die kommt dann schließlich in Person von Anke und Dieter Börjes. „Ihr macht das schon“, habe man ihnen im Rathaus gesagt, erinnert sich Anke Börjes.

Im Kesselhaus befindet sich heute eine Gastronomie, in der Galerie finden wechselnde Ausstellungen statt, und alle 14 Tage donnerstags und sonnabends gibt es Live-Konzerte. Das Programm, das der Eisenhütteverein Augustfehn auf die Beine stellt, lockt Besucher von weither an. Und auch bei Künstlern hat sich die Eisenhütte herumgesprochen. „Wir sind für nächstes Jahr schon ausgebucht“, freut sich Anke Börjes.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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