AUGUSTFEHN - „Das Stipendium ist ein Geschenk des Himmels. Als immerhin 30jähriger Fachhochschulabsolvent noch so eine Chance zu bekommen, das ist kaum zu fassen“, sagt Daniel Lattorf, der dank der finanziellen und fachlichen Unterstützung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg seine Doktorarbeit schreiben kann.
Mit Lattorf, der in Augustfehn wohnt und 2002 als Jugendsekretär im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Apen die „Ten Sing“-Gruppe ins Leben rief, freuen sich auch Mitglieder des SPD-Ortsvereins Augustfehn und Jusos. Kulturausschussvorsitzender Matthias Huber hat dem gebürtigen Magdeburger geraten, sich um ein Stipendium zu bewerben. Alles klappte bestens, und so kann sich Daniel ganz den Forschungen widmen. „Ich tauche ab in Bücherwelten“, sagt er und grinst mit Blick auf die Bände, die sich auf dem Schreibtisch stapeln.
Von Theorie und Praxis gleichermaßen zu profitieren und viel auszuprobieren, darin sieht er bereits als junger Mann seinen Weg, ist mit Kopf, Herz und Hand dabei – ob als Mitarbeiter im CVJM Ostwerk Berlin/Brandenburg, im CVJM-Ortsverein, beim Studium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Berlin ebenso wie während der Ausbildungszeit in Konfliktvermittlung bei der Evangelischen Akademie Deutschland. Ideen bringt der umtriebige und stets wissensdurstige Lattorf, dem Freunde ein fröhlich offenes Wesen attestieren, auch im Aufbau von „Ten Sing“ in Berlin und als Vorsitzender des „Ten Sing“-Arbeitskreises Berlin/Brandenburg ein. Von 2002 bis 2005 hat er eine Projektstelle beim CVJM Apen, kümmert sich um Konfirmanden, Freizeiten, begeistert Kinder und Jugendliche für Tanz, Theater, Chor und Band. „Ten Sing“ wird „Dauerbrenner“, und so wird auch an diesem Sonnabend bei der Show „I can’t get enough“ ein gespannter Daniel im Publikum sein.
Arbeit mit Jugendlichen und für Jugendliche – das ist einfach „sein Ding“, auch an einer Schule für soziale und emotionale Entwicklung wie in einer Intensivpädagogischen Einrichtung. Dort allerdings kommt ihm fast seine Fröhlichkeit abhanden. „Das war ein Stopp für mich“, schmerzt ihn die Erfahrung, an Grenzen gelangt zu sein. Bestärkt sieht er sich hingegen durch sein Engagement fürs Präventionsprojekt „Schülerstreitschlichtung“ beim Oldenburger Fortbildungszentrum. Alle erworbenen Kenntnisse sollen nun einfließen in die Doktorarbeit, in der Lattorf der Frage nachgeht, ob und inwiefern Streitschlichterprojekte an Schulen das Konfliktverhalten im außerschulischen Bereich beeinflussen oder verändern. „Das ist viel Schreibtischarbeit, Recherche, Materialsammeln und Vorbereitung der Interviews“, berichtet er.
Zeitmanagement ist also wichtig, doch auch „Bodenhaftung“. „Die Arbeit zieht viel Kraft, aber Treffen mit Freunden oder eine Pizza mit ,Ten Singern’ müssen drin sein“, findet Lattorf. Irgendwann möchte er „einen Baum pflanzen“, sprich „eine Heimat finden“, ruhiger werden. Doch da spukt die Idee im Kopf herum, nach der Promotion eine Zeitlang ins Ausland zu gehen. „Okay, ich geh’ jetzt nicht immer nur mit dem Kopf durch die Wand, schau’ auch, ob rechts oder links ein Tor ist“ – und da ist wieder dieses leise, selbstironische Grinsen, die Herzlichkeit, das Lachen.
