Augustfehn - Des einen Freud’, des andern Leid: Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger, die von einer Seite Augustfehns zur anderen wollen oder auch in Vreschen-Bokel die Bahnstrecke in Höhe der Straße „Zwischen Graben“ passieren möchten, können seit dem vergangenen Donnerstag jederzeit über die Schienen. Die Schranken an den Bahnübergängen sind durchgängig geöffnet, Züge sind nicht in Sicht.

Nachdem der Sturm Xavier zahlreiche Bäume auch entlang der Strecke zwischen Leer und Oldenburg umriss, die zum Teil auch Oberleitungen beschädigten, geht auf diesem Teilstück nichts mehr. Erst kommenden Sonntag, 15. Oktober, sollen nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bahn in Hamburg die Züge wieder fahren.

Bis dahin sind Busse im Einsatz, die Bahnkunden nach Leer bzw. Oldenburg bringen. Doch Informationen, wann diese Busse fahren, gibt es am Bahnhof in Augustfehn derzeit (noch) nicht. Weder durch Aushänge noch an der digitalen Anzeige am Bahnhof kann man erfahren, wann der nächste Ersatzbus Richtung Leer oder Oldenburg fährt.

Irritierend sind stattdessen die Informationen der digitalen Anzeige. Da wird z.B. darauf hingewiesen, dass der IC nach Cottbus wegen eines „Unwetters am heutigen Tag“ nicht fahre, ein anderer Zug fahre nicht, weil man noch auf Fahrgäste aus anderen Zügen warten müsse. Und wer länger vor der Anzeige steht, erfährt, dass Züge wegen der Folgen des Sturms Xavier nicht im Einsatz seien.

Beklagt wird die schlechte Kommunikation über den Ersatzverkehr nicht nur von Apens Bürgermeister Matthias Huber, der grundsätzlich Verständnis dafür zeigt, dass es eine Weile brauche, bis nach einem solchen Sturm wie vergangene Woche alles wieder normal laufe. Dass Bahnkunden jedoch nicht über konkrete Abfahrtzeiten der Ersatzbusse informiert würden, bemängelt er ebenso wie Bürger.

Am Dienstagmittag waren Folkert Nannen und seine Tochter Laura eigens aus dem ostfriesischen Nordgeorgsfehn nach Augustfehn zum Bahnhof gefahren, um nachzuschauen, wann welcher Bus fährt. „Im Internet auf den Bahnseiten konnten wir darüber nichts erfahren“, beklagte der Ostfriese. Seine Tochter wollte am Dienstagabend in Leer ein Konzert besuchen und wäre zu gern von Augustfehn aus (mit dem Ersatzbus) gefahren. Mangels fehlender Informationen fuhren Vater und Tochter schließlich frustriert nach Hause, Folkert Nannen wollte Laura mit dem Auto nach Leer fahren.

„Diese Situation ist unbefriedigend für die Bahnkunden, das wissen wir“, sagte auf Anfrage der NWZ eine Sprecherin der Bahn aus Hamburg. Bedauerlicherweise habe man noch keine Fahrpläne für Ersatzbusse erstellen können, die jedoch zu den Zeiten der (Regional-)Züge fahren sollten. Man hoffe, das kurzfristig nachholen zu können. Noch immer stehen die verlassenen Züge, die durch Sturm Xavier am Donnerstag ausgebremst worden waren, in Apen nahe des Autohauses AZA und in Vreschen-Bokel nahe der Straße „Zwischen Graben“. In Apen hatten 28 Feuerwehrleute, unterstützt von Kameraden aus Westerstede und Barßel, 247 Männer, Frauen und Kinder aus dem Zug geholfen und sicher zu Bussen geleitet. Außerdem halfen eigens ausgebildete Feuerwehrleute bei Bahn-Erdungen des unter Spannung stehenden Zuges. In Vreschen-Bokel halfen rund 35 Feuerwehrleute der Einheit Bokel-Augustfehn 135 Männer, Frauen und Kinder dabei, den Zug zu verlassen.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede