Oldenburg/Malta - Seit Freitag ist das Rettungsschiff Sea Watch 3 mit einer Crew von 22 ehrenamtlichen Helfern im Mittelmeer unterwegs, um vor der libyschen Küste Menschen aus Seenot zu retten. Unter ihnen ist auch der Oldenburger Peter Lanz. Mit seinem Forschungsprojekt an Bord promoviert er an der Jade Hochschule zum Doktor und könnte zugleich vielen Menschen das Leben retten.

Peter Lanz arbeitet an einer Möglichkeit, mit Hilfe von Radar- und Satellitendaten „kleine, nichtmetallische maritime Fahrzeuge“ zu orten – gemeint sind damit Flüchtlingsboote, meist Schlauchboote und nicht hochseetaugliche Fischerboote. Er will herausfinden, ob man mit Satellitendaten solche Boote in Seenot besser finden kann.

„Diese Boote sind einfach nicht dafür gemacht, das Mittelmeer zu überqueren“, erklärt Lanz. „Das heißt, entweder man findet sie rechtzeitig, oder sie gehen einfach verloren. Das Radar eines Schiffes kann ein Schlauchboot theoretisch orten, hat aber wegen der Erdkrümmung nur eine begrenzte Reichweite. Deshalb müssen die Satelliten bei der Ortung besser werden. Und das kann man ihnen gewissermaßen beibringen.“

Als Lernhilfe diente ihm ein 12 mal 3,5 Meter großes Schlauchboot, das bei einer früheren Rettungsaktion geborgen wurde. In ihm fuhr er zusammen mit mehreren Testpersonen über den Müggelsee in Berlin, unter den Augen eines zeitgleich vorüberziehenden Radarsatelliten. „Auf dem Mittelmeer befinden sich meist über hundert Flüchtende an Bord eines solchen Schlauchbootes“, erklärt Lanz. „Um diese Situation zu simulieren und damit für den Satelliten realitätsnahe Daten zu produzieren, musste das Boot auch auf den Testfahrten mit möglichst vielen Menschen gefüllt sein.“ An den Testfahrten war das Boot deshalb teilweise mit bis zu 40 Freiwilligen besetzt. Insgesamt haben fünf Satelliten rund 60 Ausfahrten des Bootes beobachtet. Lanz wertete die Radarbilder aus der Erdumlaufbahn aus, um darauf die Umrisse des Schlauchbootes zu erkennen. „Da ein Gummiboot kaum Reflexionsfläche bietet, sind Schlauchboote bislang auf Satellitenaufnahmen nur schwer bis gar nicht zu erkennen“, so Lanz. Mit Hilfe der gesammelten Daten soll ein Analyseschlüssel für eine halbautomatische Ortung entstehen, mit dem solche Boote in künftigen Aufnahmen schneller und sicherer zu erkennen sind.

Für das Projekt, das bis September 2018 läuft, arbeitet Lanz mit der Uni und der Jade Hochschule sowie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen.

Seit der Gründung der Organisation Sea Watch im Jahr 2015 konnte deren Flotte in der Ägäis und auf dem zentralen Mittelmeer nach eigenen Angaben über 35.000 Menschenleben retten. Ist die Forschungsarbeit von Peter Lanz erfolgreich, könnten in Zukunft noch mehr Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden. Bis es soweit ist, werde er noch einige Male selbst durchs Fernglas gucken müssen, um Schiffbrüchige zu finden, schätzt der Doktorand.