Dornum - „Deine Kunst hat es verdient, gesehen zu werden.“ Diese Worte füllen Melanie Ippen und andere Künstler mit Leben – und zwar seit Sommer 2023 in Dornum. Neue Räume und einen neuen Namen gibt es in diesem Jahr: Ihre Künstlergemeinschaft „Temporäre Art – Kunstvoll Leerstand besetzen“ hat sich umbenannt in „Kunstgeschoss Artium“ und zieht ins Gebäude gegenüber. Statt wie bis Dezember im ehemaligen Kaufhaus Schulte-Appelkamp, ist die temporäre Kunstausstellung bald im vorherigen Möbelhaus Schulte-Appelkamp zu sehen. Im März soll sie laut der Initiatorin bestückt werden, eine Vernissage ist für April vorgesehen.
Momentan haben Aussteller und Freiwillige dafür einiges zu tun – sie bauen in der unteren Etage Podeste auf, ziehen Wände ein. Neben den Künstlern helfen auch Teilnehmer des Sprachkurses von Sven Jochems in Dornumersiel mit. Die Geflüchteten wollen die Zusammenkünfte nutzen, um Deutsch zu lernen, sagt Ippen erfreut. Vor allem samstags finden die Arbeiten statt. „Wir haben viel gestrichen und neue Lampen bekommen“, sagt Leiterin Ippen. Die Gruppe möchte weitere Podeste aufstellen, um Skulpturen darauf zu platzieren. Die Künstler malen Abstraktes und Gegenständliches auf Öl und Acryl, auch Aquarellmalerei ist zu sehen und Skulpturen aus Keramik, sagt die Leiterin.
15 Ausstellungsplätze sind vorhanden. In einer Sitzecke können Besucher die Kunst auf sich wirken lassen. Das ist auch Ippens Ziel, denn „Kunst braucht Zeit“. In einer Ecke soll zudem eine Bücherei entstehen. „Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommt“, findet Ippen.
In der Künstlergemeinschaft „Kunstgeschoss Artium“ sind auch neue Künstler dabei, die Gruppe hat sich neu zusammengesetzt. „Weitere Künstler können sich auch gerne einbringen“, sagt Leiterin Melanie Ippen. Bewerbungen sind jederzeit willkommen. Ein Ausstellungswechsel ist alle zwei bis drei Monate geplant, daher könnten ab Sommer auch weitere Menschen ihre Werke vorstellen.
Geöffnet hat die Ausstellung von März bis Oktober jeden Samstag von 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung. Wer als Künstler Kontakt mit Melanie Ippen aufnehmen oder Informationen möchte: Sie ist unter Tel. 01573/5569283 oder temporaere.art@gmail.com erreichbar.
Langfristiges Ziel
Das ehemalige Möbelhaus, das bald ein Kunsthaus wird, befindet sich in der Kirchstraße 1 im Ortskern und steht seit Jahren leer. „Wir freuen uns darauf, Leerstand zu besetzen“, sagt Dornums Bürgermeister Uwe Trännapp.
Die Gemeinde hat laut Bürgermeister Kontakt zum Besitzer Hein Thalen und der Blinkfüer Grundstücksgesellschaft in Neuenburg hergestellt, und möchte das Projekt auch weiterhin unterstützen, etwa bei der Suche nach Fördergeldern. Die Gruppe hat laut Leiterin einen Nutzungsvertrag und braucht nichts zu zahlen.
Wasser gebe es allerdings nicht, und geheizt werden könne auch nicht, auch da die Heizkosten sehr hoch werden würden, sagt Ippen. In einem kleinen Raum, in dem ein Aufenthaltsraum mit Küchenzeile entsteht, soll es aber warm werden, verrät sie. Dass die Räume selbst deutlich größer sind als vorher, ist „eine klare Verbesserung“. Ihr langfristiges Ziel sind feste Räume.
Der Bürgermeister und sie sind froh, wie gut die bisherigen Veranstaltungen angenommen wurden. Nun hoffen sie, dass Künstler und Kunstwerke auch weiterhin die Besucher anziehen. „Wir füllen die Räume mit Farbe und Leben“, sagt Ippen.
Interpretationssache
Es gibt weitere Pläne: Ein offenes Atelier ist vorgesehen. „Jeder darf kommen“, verdeutlicht die Leiterin. Kunstinteressierte können sich ausprobieren und sich bei den anderen Tipps holen. Die Künstlerin kann sich auch vorstellen, Lesungen, Konzerte und einen Maltreff für Kinder anzubieten.
Melanie Ippen kommt es vor allem darauf an, Menschen zu erreichen. Denn aus Erfahrung weiß sie, dass manche Berührungsängste mit Kunst haben. Ihr Wunsch: „Wir wollen den Menschen Angst vor Kunst nehmen“. Sie wirke manchmal weltfremd für die „normalen“ Bürger, doch das sei sie nicht. „Wir möchten eine Message mitgeben“, sagt die Künstlerin auch über ihre Bilder, die sie vor allem mit Acrylfarbe malt. Jeder dürfe etwas anderes in einem Bild sehen, und dafür brauche man keine Ahnung von Kunst.
