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Lesung im Steinhaus Nesse Gabriele Lübke erzählt aus dem Leben ihrer vergasten Oma – Spenden für die Synagoge Dornum

Kai Nilson vor dem Streinhaus in Nesse.

Kai Nilson vor dem Streinhaus in Nesse.

Larissa Siebolds

Nesse/Bensersiel - Rechtsrockkonzerte in der Krummhörn, ein Rechtsruck in der Gesellschaft und gewachsener Zuspruch für die AfD – für Kai Nilson und Franz Scheid aus Nesse war es an der Zeit zu zeigen, dass es in Ostfriesland auch eine andere Bewegung gibt. Mit einer Lesung in ihrem Steinhaus möchte das Paar für diese Themen sensibilisieren, ein Zeichen setzen und über Antisemitismus und Hass aufklären. Dafür haben sie Gabriele Lübke mit ihrem Buch „Ich bin ohne Sinnen gestorben“ eingeladen. Lübke, die halb in Hagen und halb in Bensersiel wohnt, hat in ihrem Buch das Schicksal ihrer Oma Rosa Schillings aufgearbeitet, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fiel. „Im Nationalsozialismus töteten die Nazis zwischen 1939 und 1945 rund 300 000 Menschen, die psychisch erkrankt oder behindert waren, davon etwa 15 000 in Hadamar (Hessen). Allein in den ersten acht Monaten des Jahres 1941 wurden über 10 000 Menschen in der Gaskammer von Hadamar ermordet – eine von ihnen war Rosa Schillings“, schreibt die Autorin.

Schillings ereilten mehrere Schicksalsschläge, von denen sie sich nicht erholte – sie wurde depressiv, als krank abgestempelt und schlussendlich ermordet, heißt es weiter.

Aus Überlieferungen

Ihre Enkelin Lübke zeichnet in dem Buch das Leben der Rosa Schillings nach, einer Frau die sie nicht kennenlernen konnte. Familiäre Überlieferungen, Schriftstücke, Briefe und Rosas Krankenakte aus dem Bundesarchiv dokumentieren, „wie leicht es den Nazis durch ihre rassistische und menschenfeindliche Ideologie gelungen war, die Gesellschaft zu spalten.“

„Wir haben diese Lesung zwar bereits im Frühjahr geplant, aber die Veranstaltung passt perfekt in diese Zeit“, erklärt Nilson. Geld möchte er dafür nicht haben. „Weder wir noch Gabriele möchten uns daran bereichern. Wir wollen einfach den Einheimischen unser Bauwerk zugänglich machen, über die Baukultur informieren und etwas Kultur nach Nesse holen. Aber wir rufen auf zu einer Spende, die dann der Synagoge in Dornum zugutekommen soll“, erklärt Nilson. Die Synagoge in Dornum ist die letzte in Ostfriesland – und auch das Steinhaus selbst habe einen Bezug zu den Themen. „Hier im Steinhaus sollen auch Juden gelebt haben. Wenn das wirklich stimmt, wollen wir hier auch Stolpersteine verlegen.“

Platz begrenzt

Da die Veranstaltungen, die alle zwei Monate im Steinhaus stattfinden, „immer beliebter werden“ und der Raum auf 50 Personen begrenzt ist, sollen sich Interessierte zeitnah bei Nilson melden unter Tel. 0179/1022292. Die Lesung beginnt am 4. November um 19 Uhr. „Besucher sollten zwei Stunden einplanen, es gibt noch Wein und eine Hausführung“, kündigt er an.

Larissa Siebolds
Larissa Siebolds Redaktion Wittmund
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