Wilhelmshaven - „Ich glaube, die meisten wissen gar nicht, dass es uns gibt“, war die ernüchternde Einsicht von Peter Mertens. Er ist Standortleiter in Wilhelmshaven bei „Isoliertechnik Nord“. Die Arbeit des Unternehmens stellte er mit den Auszubildenden Jonas Staßig und Andreas John auf der Berufsorientierungsmesse Job4u am Wochenende in der Stadthalle vor.
Die beiden Azubis sind Industrieisolierer, wenn sie ihre Lehrzeit nach drei Jahren abgeschlossen haben. Sie arbeiten in Wilhelmshaven zum Beispiel bei den Kraftwerken oder bei Ineos. „Wir dämmen Wärme, Kälte und Schall im industriellen Bereich“, erklärt Mertens. Ein Beruf, der in der Tat nicht sehr bekannt zu sein scheint. Umso besser, dass auch solche Tätigkeiten bei der seit vier Jahren in Wilhelmshaven stattfindenden Messe bekannt gemacht werden können – zumal es in diesem Bereich gute Übernahmechancen und Verdienstmöglichkeiten gibt.
Staunen über Vielfalt
Andere Unternehmen erstaunten die Besucher mit der Vielfältigkeit der Berufe, die in ihrem Hause gelernt werden können. So zum Beispiel die Firma Nehlsen. „Die meisten denken nur an Abfall, wenn sie den Namen hören“, sagt Miriam Chen. Sie wird bei Nehlsen aber gerade zur Mechatronikerin in der Nutzfahrzeugtechnik ausgebildet.
Mit der Resonanz der Besucher auf die Messe waren die Veranstalter – die Agentur für Arbeit gemeinsam mit dem Verein Job4u und dem Allgemeinen Wirtschaftsverband – am Ende sehr zufrieden. 70 Unternehmen, Hochschulen und weiterführende Schulen hatten sich am Freitag und Sonnabend in der Stadthalle präsentiert. Besonders am zweiten Messetag kamen sehr viele interessierte Jugendliche mit ihren Eltern, um sich zu informieren. Schon vor zehn Uhr warteten die ersten Besucher darauf, eingelassen zu werden. In der ersten Stunde tummelten sich laut Iris Krause, Vorsitzende des Vereins Job4u, bereits 500 Besucher zwischen den Ständen. Insgesamt fanden an beiden Tagen rund 4900 Besucher den Weg in die Stadthalle – annähernd genauso viele wie im vergangenen Jahr.
Besonders freute sich Krause darüber, dass das Einzugsgebiet der Messe offensichtlich über die Stadt Wilhelmshaven und den Landkreis Friesland hinaus zu gehen schien. Viele kamen auch aus dem Oldenburger Raum oder aus Ostfriesland. Wie Tim Schlünder. Der 14-Jährige besucht die achte Klasse der Alexander-von-Humbold-Schule in Wittmund und hat bis zum Schulabschluss noch Zeit. „Ich möchte gerne mit anderen Menschen arbeiten“, sagte er. In welchen Berufen dies möglich ist, darüber wollte er sich früh genug informieren. „Die Arbeit beim Zoll finde ich ganz interessant“, sagte er nach seinem Rundgang.
Katrin Romann gab sich alle Mühe, mit einem Hammer einen Nagel gerade in ein Stück Holz zu schlagen. Es klappte – fast. Zimmerfrau wird sie wohl nicht unbedingt. Welchen Beruf sie einmal ergreifen möchte, weiß die 14-Jährige noch nicht genau. Etwas abwechslungsreiches soll es sein. „Vielleicht etwas in Richtung Kunst“, sagte sie.
Blick auf Arbeitszeiten
Lena Logemann möchte am liebsten Botschafterin werden. Die 15-Jährige würde sich aber auch mit dem Beruf der Fremdsprachenkorrespondentin zufrieden geben. Von der Arbeit des Koch-Azubis Ben Bülzebruck aus dem Columbia-Hotel waren ihre Freundin Michelle Kreft und sie am Sonnabend aber auch beeindruckt – vor allem von dem Ergebnis dieser Arbeit. Kokospralinen und Tirmisu schmeckte ihnen vorzüglich. „Ich befürchte nur, dass ich am liebsten immer alles selbst essen würde“, sagte die 15-jährige Michelle. Auch die Arbeitszeiten in der Gastronomie sagten den Mädchen nicht besonders zu. Das ist einer der Gründe, warum die Ausbildungsplätze in der Tourismusbranche laut Arbeitsvermittler Norbert Schneider häufig unbesetzt bleiben.
