DELMENHORST - Im Jobcenter Delmenhorst – dort, wo sonst die sogenannten Kunden sitzen und sich mehr oder weniger erfolgreich um die raren Arbeitsstellen bemühen – saß am Montag die gegenteilige Klientel. Das Jobcenter und die Agentur für Arbeit hatten Vertreter aus den verschiedenen Bereichen der Pflege eingeladen, um über den Fachkräftemangel in dem Sektor zu sprechen und über Handlungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten zu sprechen.
Für den Laien mag das widersprüchlich klingen: Arbeitslose, die nur schwer eine Stelle finden, auf der einen Seite, Fachkräftemangel auf der anderen Seite. Ein Zyniker würde vielleicht sagen, dem demografischen Wandel sei Dank: Der Pflege geht so schnell nicht der Bedarf an Mitarbeitern aus. Doch bei näherem Hinsehen ist das nicht zynisch, sondern traurig. Das Image des Pflegebereichs ist so schlecht, dass sich kaum einer der Belastung aussetzen und mit aller Kraft um die Alten und Kranken kümmern will.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Selbst wenn es viele Interessierte gäbe, wäre nicht jeder für die Pflege geeignet, so die Delmenhorster Agenturchefin Karin Kayser. Zum einen müsse also die Attraktivität der Pflegeberufe gesteigert werden. Schließlich handele es sich um vielseitige Berufe: Man sei Therapeut, Krankenschwester, Seelsorger und mehr gleichzeitig. Zum anderen müsse den Bewerbern die Chance gegeben werden, sich in dem jeweiligen Beruf auszuprobieren, heranzutasten.
Beides ist durch Praktika oder Weiterbildungen an der Deutschen Angestellten-Akademie oder den Kranken- und Altenpflegeschulen in Delmenhorst möglich. Jobcenter und Agentur für Arbeit fördern diese Maßnahmen.
Doch dies geschehe noch nicht ausreichend, da waren sich die Experten aus den Pflegebereichen und die Vertreter der Agentur einig. So könne letztere bei der Anfrage auf die Förderung des dritten Ausbildungsjahres nur verneinen und ihr Bedauern ausdrücken. „Ich persönlich finde das beschämend. Eine Ausbildung sollte vom ersten bis zum letzten Tag gefördert werden“, sagte Geschäftsführer Siegfried Dreckmann. „Der Gesetzgeber führt uns an einer kurzen Leine. Auf föderaler Ebene muss man zu einer Lösung kommen.“
