DELMENHORST/GROß IPPENER - DELMENHORST/GROß IPPENER - Deutschland entwickele sich zu einer „Altenrepublik“ und rase sehenden Auges in eine „Pflegekatastrophe“, warnte Manfred Bockhorst, Referent für Altenhilfe des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg, am Freitag beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Hildegard-Stifts, mit dem gleichzeitig der Um- und Erweiterungsbau des Seniorenheims in Groß Ippener eingeweiht werden konnte.

Die Zahl der über 90-Jährigen werde sich in Deutschland bis 2020 auf gut eine Million verdreifachen, die Zahl der Demenzkranken Jahr für Jahr um etwa 200 000 erhöhen, zitierte Bockhorst aus einschlägigen Prognosen. Um den Veränderungen der Alterspyramide gerecht zu werden, müssten bis 2020 rund 160 000 Pflegekräfte zusätzlich eingestellt werden. Angesichts der restriktiven Haltung der Kostenträger sei daran überhaupt nicht zu denken. Im Gegenteil: Es gebe immer weniger Spielraum für qualifizierte Ausbildung – und einen wachsenden Schwarzmarkt mit osteuropäischen Arbeitshilfen, der zunehmend die Existenz von professionellen Pflegeeinrichtungen bedrohe, warnte der Experte.

Es werde viel von Standards, Pflegedokumentationen und Qualitätsmanagement geredet und dabei leicht vergessen, dass für den zu pflegenden Menschen immer weniger Zeit übrig bleibt, sagte Bockhorst. In vielen kommerziellen Einrichtungen zähle ohnehin der Profit häufig mehr als der einzelne Mensch. Die Gesellschaft müsse sich endlich klar darüber werden, was ihr alte Menschen und deren Pflege wert sind.

Die Bedeutung der Arbeit, die seit einem halben Jahrhundert im St. Hildegard-Stift geleistet wird, würdigten gestern u.a. Landrat Fritz Eger (Wildeshausen) und der Delmenhorster Oberbürgermeister Carsten Schwettmann. Das von der Delmenhorster Caritas in Groß Ippener betriebene Seniorenheim startete mit 14 Betten. Nach mehrfachen Erweiterungen und dem jüngsten Umbau haben rund 85 Senioren die Möglichkeit, in einem Einzelzimmer ihren Lebensabend zu verbringen. Außerdem entstanden Großküche, Aufenthaltsräume und ein Teil der Außenanlagen neu.

Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben von Geschäftsführer Peter Schmitz auf rund 3,8 Millionen Euro. Weder das Land noch die kommunalen Träger waren zu einer finanziellen Unterstützung bereit.

Das größte Lob zollte gestern die Sprecherin des Heimbeirates, Ursula Krause. „Das hier ist zwar keine Villa im Grunewald. Aber es ist genauso schön – und billiger“, sagte die Bewohnerin, die vor über 90 Jahren in Berlin das Licht der Welt erblickt hat.

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